Forscher: Reduziert das Tragen der Krawatte unsere Denkleistung?

Alexander Stindt

Wie wirkt sich unbequeme Arbeitskleidung auf die Produktivität aus?

Vielleicht sollte die formelle Kleiderordnung bei der Arbeit etwas gelockert werden. Unbequeme Kleidung bei der Arbeit scheint sich auf die Arbeitsleistung und die Kreativität auszuwirken. Forscher fanden jetzt heraus, dass beispielsweise das Tragen einer Krawatte die kreativen Fähigkeiten der Arbeitnehmer einschränken kann.


Sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter einfach in der Kleidung arbeiten lassen, die ihnen am meisten zusagt? Arbeitskleidung kann unbequem und sogar schmerzhaft sein, wenn Frauen beispielsweise den ganzen Tag in Schuhen mit hohen Absätzen bei der Arbeit unterwegs sind. Männer tragen häufig einen Anzug und eine Krawatte, was ebenfalls zu Problemen führen kann. Die Wissenschaftler des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass das Tragen einer Krawatte die kreativen Fähigkeiten der Arbeitnehmer einschränkt. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Neuroradiology“.

Wenn eine Krawatte zu eng gebunden wird, kann sie die Blutversorgung vom Gehirn negativ beeinflussen. Dies führt zu einer Beeinträchtigung der Kreativität und der Arbeitsleistung. (Bild: photoschmidt/fotolia.com)

Tragen einer Krawatte schränkt die Kreativität ein

Glauben Sie, dass Sie kreativer und produktiver bei der Arbeit wären, wenn Sie bequemere Kleidung tragen würden? Die Ergebnisse der aktuellen Studie liefern einige Hinweise für einen solchen Zusammenhang, welche Sie auch Ihrem Chef vorlegen könnten. Die Experten fanden heraus, dass das Tragen einer Krawatte die kreativen Fähigkeiten der Arbeiter einschränkt. Es wird von den Medizinern angenommen, dass das Tragen der Krawatte die Adern und Venen des Halses zusammendrückt und den Blutfluss einschränkt, was möglicherweise die Verarbeitung des Gehirns verlangsamt und die Denkfähigkeiten einschränkt.

Krawatte tragenden Menschen hatten 7,5 Prozent weniger Blut im Gehirn

Die Forscher scannten für ihre Untersuchung die Gehirne von 30 gesunden jungen Männern. Von den Teilnehmern trugen 15 Probanden bequeme offene Kragenhemden. Die anderen 15 Teilnehmer wurden gebeten, Krawatten mit einem Windsor-Knoten zu tragen. Diese Krawatten wurden so eng gebunden, dass es schon leicht unangenehm für die Probanden wurde. Die Mediziner stellten fest, dass die Krawatte tragenden Menschen anschließend 7,5 Prozent weniger Blut im Gehirn hatten.

Stichprobengröße der Studie war nur sehr gering

Bevor Sie jetzt aber zu Ihrem Chef laufen und bequemere Kleidung bei der Arbeit fordern, sollten Sie einige Einschränkungen der Untersuchung berücksichtigen. Zunächst einmal war die Stichprobengröße nur sehr klein, eine Gruppe von 30 Männern ist nicht groß genug, um die Ergebnisse für eine breite Öffentlichkeit zu verallgemeinern, sagen die Experten. Außrdem forderten die Forscher die Männer absichtlich auf, ihre Krawatten so eng zu tragen, dass eine leichte Unbequemlichkeit entstand. Diese Art und Weise eine Krawatte zu tragen, sei vielen Männern sicherlich zu eng. Auf jeden Fall sollten die Ergebnisse eine Art Warnung für Männer sein, dass diese ihre Krawatte nicht zu fest binden, raten die Wissenschaftler.

Reduzierter Blutfluss kann die Gehirnfunktion reduzieren

Die Studie ging nicht auf die tatsächlichen Auswirkungen einer verminderten Durchblutung ein, wie zum Beispiel die Analyse der Reaktionszeiten und Entscheidungsfähigkeiten von Menschen. Obwohl bekannt ist, dass ein reduzierter Blutfluss die Gehirnfunktion reduzieren kann, ist nicht sicher, dass die durch eine enge Bindung verursachte geringe Reduzierung des Blutflusses tatsächlich eine Wirkung hat.

Sollten Kleidungsvorschriften in einigen Jobs gelockert werden?

Wenn Menschen sich unwohl wegen ihrer Kleiderordnung bei der Arbeit fühlen, ist es für die Betroffenen schwierig, ihre Arbeit so effektiv wie möglich zu erledigen. Arbeitgeber sollten modische Kleidungsvorschriften an die Bedürfnisse der Beschäftigten anpassen, betonen die Autoren der Studie. (as)