Forscher-Streit: Wie viel Obst & Gemüse täglich?

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Heilpraxisnet

400 oder 650 Gramm Tagesdosis?: Obst und Gemüse sind gesund

30.07.2014

Von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wird empfohlen, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse mit insgesamt mindestens 650 Gramm zu sich zu nehmen. Britische Forscher kamen vor wenigen Monaten zu dem Schluss, dass es der Gesundheit zuliebe sieben Portionen sein sollten. Eine aktuelle Auswertung von Studien legt nun nahe, dass bereits 400 Gramm ausreichen könnten.

Optimale Dosis an Obst und Gemüse
Der Streit um die optimale Dosis an Obst und Gemüse, die ein Mensch pro Tag zu sich nehmen sollte, nimmt kein Ende. Von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt es seit längerem die Kampagne „5 am Tag“, wonach es täglich fünf Portionen Obst und Gemüse sein sollten, die verzehrt werden. Diese beinhalten der Gesundheit zuliebe mindestens 400 Gramm Gemüse sowie 250 Gramm Obst am Tag. Britische Forscher vom University College London kamen in einer Untersuchung vor wenigen Monaten zu dem dem Schluss, dass es sieben statt fünf Portionen Obst und Gemüse sein sollten, um einen größeren gesundheitlichen Schutzeffekt zu erzielen. Eine aktuelle Metaanalyse legt nun nahe, dass bereits 400 Gramm ausreichen könnten.

Geringeres Risiko frühzeitig zu sterben
Eine im „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlichte Metaanalyse zeigte, dass diejenigen, die reichlich Obst und Gemüse essen, ein geringeres Risiko haben, frühzeitig zu versterben. Vor allem das Risiko tödlicher Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei bei ihnen niedriger. Dies berichtet das Forscherteam um Wei Bao von den National Institutes of Health in Rockville, US-Bundesstaat Maryland, und Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston, Massachusetts. Die beiden Wissenschaftler werteten mit ihren Kollegen 16 Studien aus, an denen insgesamt rund 833.000 Menschen teilgenommen hatten.

Sterbe-Risiko durch Herz-Kreislauf-Leiden niedriger
Die verschiedenen Untersuchungen liefen zwischen vier und 26 Jahren. Innerhalb des Studienzeitraums starben rund 56.400 Teilnehmer, davon 11.500 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 16.800 an Krebs. Erfasst und mit eingerechnet wurden zudem Faktoren wie Alter, Body-Mass-Index und Zigarettenkonsum. Die Ernährungsgewohnheiten wurden meist per Fragebogen ermittelt, in manchen Studien auch durch das Führen eines Buches, in das die Teilnehmer schrieben, was sie aßen. In den Studien entsprach eine Portion rund 80 Gramm Obst oder Gemüse. Laut der Auswertung sank das Risiko eines frühzeitigen Todes pro täglicher Portion Obst oder Gemüse um etwa fünf Prozent. Somit war es also bei denjenigen, die fünf Portionen am Tag aßen, um rund 25 Prozent verringert. Zudem sank das Risiko, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben, um rund vier Prozent pro täglicher Portion. Das Risiko einer tödlichen Krebserkrankung veränderte sich nicht.

Sinn von Beobachtungsstudien infrage gestellt
Allerdings lasse sich aus den Daten nicht direkt ableiten, ob der erhöhte Obst- und Gemüsekonsum für die verringerte Sterblichkeit verantwortlich ist, da die Forscher lediglich Beobachtungsstudien auswerteten. So könnten etwa Faktoren, die nicht hinreichend berücksichtigt wurden, entscheidend sein. Die Ernährungsforschung beschäftigst sich schon seit längerem mit der Frage, wie sinnvoll Beobachtungsstudien überhaupt sind. Im vergangen Jahr etwa äußerte sich der US-Medizinprofessor John Ioannidis, Stanford University, in einer Publikation des BMJ zum Dilemma der Ernährungswissenschaften. Er meinte, viele Studienergebnisse seien „völlig unglaubwürdig“ und auch eine „weitere Million Beobachtungsstudien“ würde keine endgültigen Lösungen liefern.

Obst und Gemüse sind gesund
Allerdings zeigten ältere Studien, bei denen Menschen über mehrere Wochen mehr Obst und Gemüse aßen als normalerweise, dass dies unter anderem den Blutdruck senkt, wie Forscher in den Fachmagazinen „The Lancet“ sowie „The New England Journal of Medicine“ schrieben. Dies wirkt sich wiederum positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus, wenn damit Bluthochdruck gemildert wird. Wenn eine Ernährung dank viel Obst und Gemüse auch reich an Ballaststoffen ist, hilft dies zudem zum Verdauung anregen und um das Risiko für Übergewicht und Adipositas zu mindern. Dies reduziert in Folge das Diabetes-Risiko.

Optimale Dosis wird vermutlich umstritten bleiben
Laut der Studie haben mehr als fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag keinen weiteren messbaren Effekt auf die Sterblichkeit. Die Analyse widerspricht damit der kürzlich veröffentlichten britischen Studie, laut der es besser sieben Portionen täglich sein sollten. Sie unterscheidet sich auch von der DGE-Empfehlung. Diese rät zwar auch zu fünf Portionen am Tag, doch bei der DGE entspricht eine Portion rund 130 Gramm – und nicht 80 Gramm, mit denen Briten und US-Amerikaner rechnen. Ob die optimale Dosis bei 650 Gramm Obst und Gemüse, wie sie von der DGE empfohlen wird, oder bei 560 Gramm, wie bei der britischen Studie oder wie laut der aktuellen Metaanalyse bei 400 Gramm liegt, um die Sterblichkeit zu senken, wird vermutlich auch in Zukunft strittig bleiben. (ad)

Bild: Gabi Eder / pixelio.de