Forscher: Wer diese 5 Regeln beherzigt, verlängert sein Leben um 10 Jahre

Volker Blasek

Ein gesunder Lebensstil wird in Lebensjahren ausgezahlt

Gestützt auf eine Studie mit 123.000 Teilnehmern veröffentlichte die britische Gesundheitsbehörde NHS kürzlich einen Bericht mit fünf Regeln, deren Einhaltung so sehr die Gesundheit fördern soll, dass die Lebenserwartung dadurch bei Frauen im Durchschnitt um 14 Jahre und bei Männern um rund 12 Jahre steigt. Diese einfachen Regeln basieren auf dem aktuellen Verständnis über die Vorteile gesunder Lebensgewohnheiten. Die fünf Regeln lauten:

  1. Nicht rauchen.
  2. Ein gesundes Gewicht halten (BMI von 18,5 bis 24,9).
  3. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung täglich.
  4. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie wenig rotem Fleisch, gesättigtem Fett und Zucker einhalten.
  5. Nicht zu viel Alkohol trinken (die Studie empfiehlt nicht mehr als 100 Gramm reinen Alkohol pro Woche).

Gewohnheiten können nicht über Nacht geändert werden

Die NHS gibt zu bedenken, dass es den meisten Menschen nicht gelingen wird, von heute auf morgen den kompletten Lebensstil umzustellen. Stattdessen sollten Stück für Stück die einzelnen Punkte angegangen werden. Beispielsweise könnte zuerst mit dem Rauchen aufgehört werden. Die dadurch verbesserte Ausdauer könne den Sport erleichtern. Wer die ersten Erfolge beim Sport sieht, hat vielleicht auch mehr Lust, sich gesünder zu ernähren und so weiter. Die genau Vorgehensweise muss natürlich jede/r selbst finden.

Ein gesunder Lebenstil ohne rauchen, Übergewicht und zu viel Alkohl, aber mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung kann ein langes Leben bescheren. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Jeder Erfolg zählt

Laut NHS ist jede einzelne dieser Regeln förderlich, das Risiko eines vorzeitigen Todes zu verringern . Wem es nicht gelingt, alle durchzusetzen, hat trotzdem etwas Gutes für seine Gesundheit getan, selbst wenn es nur einer dieser Punkte ist.

Über die Studie

Die Studie wurde von Forschern der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston und anderen Zentren in China, Großbritannien, den Niederlanden und den USA durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Circulation“ publiziert. Es handelte sich um eine prospektive Kohortenstudie von Erwachsenen in den USA, in der untersucht wurde, wie sich die Lebensgewohnheiten der Probanden auf die Lebenserwartung auswirken Zusätzlich wurde berücksichtigt, an welchen Krankheiten die Teilnehmer starben.

Riesige Datenmengen

Die Forscher analysierten zu Beginn der Studie Informationen von rund 123.000 Erwachsenen im Alter von 30 bis 75 Jahren, die etwa 30 Jahre lang zwischen den Jahren 1980 bis 2014 medizinisch beobachtet wurden. Die Forscher untersuchten, ob diejenigen mit gesunden Gewohnheiten länger lebten, als diejenigen mit ungesunden. Während dieser Zeit wurden die Teilnehmer alle vier Jahre zu ihren Ess- und Trinkgewohnheiten befragt und alle zwei Jahre wurde ihre körperliche Aktivität bewertet. Außerdem mussten die Probanden regelmäßig angeben, ob sie rauchen und wie viel sie wiegen.

Bewertung der Ernährung

Die Ernährung wurde mit dem sogenannten „Alternate Healthy Eating Index“ (AHEI) bewertet. Dieses System gibt den Teilnehmern eine Punktzahl, die darauf basiert, wie gut ihre Ernährung den empfohlenen Mengen an Lebensmitteln entspricht. In diesem System gibt es für folgende Ernährungsgewohnheiten eine hohe Punktzahl:

  • Viel Gemüse,
  • viel Obst,
  • regelmäßig Nüsse essen,
  • viele Vollkornprodukte,
  • Aufnahme mehrfach ungesättigter Fettsäuren und langkettiger Omega-3-Fettsäuren,
  • wenig rotes und verarbeitetes Fleisch,
  • wenig zuckergesüßte Getränke,
  • wenig Transfette,
  • wenig Salz.

Was zeigten die Ergebnisse der Studie

Die Forscher verteilen jeweils einen Punkt je eingehaltener Regel an die Probanden. Nur wenigen Personen gelang es alle 5 gesunden Gewohnheiten umzusetzen. Lediglich 1,3 Prozent der Frauen und 1,7 Prozent der Männern erhielten 5 Punkte. Während der Studie starben 42.167 Teilnehmer, darunter 13.953 an Krebs und 10.689 an Herzkrankheiten.

Wie wirken sich die Regeln auf Krankheitswahrscheinlichkeiten aus

Anhand der Daten konnten die Forscher berechnen, wie sehr die Sterbewahrscheinlichkeit sinkt, wenn man diesen fünf Lebensgewohnheiten folgt. Demnach sank die allgemeine Sterbewahrscheinlichkeit um etwa 61 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu sterben sank um 52 Prozent und das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben sank um etwa 72 Prozent.

Erhöhte Lebenserwartung

Aus den Daten ging hervor, dass Menschen, die alle 5 dieser Gewohnheiten befolgten, eine über 10 Jahre längere Lebenserwartung haben, gegenüber Personen, die keine dieser Gewohnheiten ausüben. Demnach können Frauen durchschnittlich 14 Jahre und Männer 12,2 Jahre länger leben.

Keine Allgemeingültigkeit

Die Studie soll Menschen dazu motivieren, einen gesünderen Lebensstil anzunehmen. Die Forscher haben versucht, möglichst viele Punkte zu berücksichtigen. Sie geben aber zu bedenken, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen könnten, die bei dieser Studie nicht berücksichtigt wurden. Hierzu könnte beispielsweise der sozioökonomische Status (Gehalt, Bildung, Wohnort, usw.) oder medizinische Vorbedingungen zählen. (vb)