Forscherarbeit: Kann Cannabis doch Schizophrenie auslösen?

Alfred Domke
Konsum von Cannabis erhöht Risiko für Schizophrenie
In Deutschland ist erst vor wenigen Tagen ein Gesetz verabschiedet worden, dass schwer kranken Menschen den Zugang zu Cannabis als Medikament erleichtert. Nun berichtet ein internationales Forscherteam, dass der Konsum von Marihuana gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Demnach erhöht Kiffen die Gefahr, an Schizophrenie zu erkranken.

Marihuana hilft gegen viele Krankheiten
Als vor wenigen Tagen vom deutschen Bundestag ein Gesetz verabschiedet wurde, dass schwer Kranken erleichtert, medizinisches Marihuana zu erwerben, haben Gesundheitsexperten verstärkt darauf hingewiesen, bei welchen Krankheiten Cannabis hilft. Der Konsum des Rauschmittels kann der Gesundheit jedoch auch schaden. Wie aus einer internationalen Studie hervorgeht, erhöht Marihuana-Konsum das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken.

Marihuana wird nicht nur als berauschendes Mittel, sondern auch zu medizinischen Zwecken verwendet. Cannabis-Konsum kann der Gesundheit aber auch schaden. Laut einer neuen Studie erhöht er das Schizophrenie-Risiko. (Bild: juniart/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und Schizophrenie-Risiko
Schon frühere Untersuchungen habe darauf hingedeutet, dass es durch exzessiven Cannabis-Konsum zu Psychosen kommen kann. Wie britische Forscher berichteten, sei jedoch ein bestimmtes Gen entscheidend, ob Kiffer Psychosen entwickeln.

Mit dem Zusammenhang von Marihuana-Konsum und Schizophrenie haben sich schon zahlreiche Studien beschäftigt. Eine Untersuchung niederländischer Wissenschaftler deutete vor Jahren darauf hin, dass Cannabis-Konsum schizophren machen kann.

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Doch erst vor kurzem kam eine Studie von Forschern der „University of Bristol“ zu dem Schluss, dass Cannabis-Rauchen doch kein Auslöser sondern Folge der Schizophrenie ist.

Einfluss eines Risikofaktors
Eine neue Untersuchung epidemiologischer Daten aus über 40 Jahren hat nun erneut Hinweise geliefert, dass ein Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und dem Schizophrenie-Risiko besteht, berichtet die Nachrichtenagentur APA. Demnach konnte zuvor noch keine Studie nachweisen, dass Kiffen auch direkt für das Auftreten der Krankheit verantwortlich sein kann.

Mit der neuen Untersuchung, an der das Universitätsspital Lausanne (CHUV) in der Schweiz beteiligt war, sei dies nun gelungen. Den Angaben zufolge basiert die Studie auf einer Methode, die als „Mendelsche Randomisierung“ bezeichnet wird.

Damit kann man den Einfluss eines Risikofaktors – wie etwa Cannabis-Konsum – auf das Auftreten von Krankheiten – in diesem Fall Schizophrenie – untersuchen. Dadurch lassen sich falsche Rückschlüsse vermeiden, beispielsweise, dass die Wirkung fälschlicherweise für die Ursache gehalten wird – etwa, dass ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko der Grund für stärkeren Cannabis-Konsum sein könnte. (siehe genannte Studie aus Großbritannien)

37 Prozent erhöhtes Schizophrenie-Risiko
Um zu den Ergebnissen zu gelangen, die im Fachblatt „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht wurden, werteten die Wissenschaftler zunächst Daten aus einer Publikation von 2016 aus, die einen Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten und dem Cannabis-Konsum bei 32.000 Studienteilnehmern nachgewiesen hat.

Anschließend wurden die gleichen genetischen Marker in einem separaten Datensatz gesucht, der Erbinformationen von 34.000 Patienten und 45.000 Gesunden umfasste. Durch Kombination dieser Informationen aus zwei separaten Quellen kamen die Forscher zum Schluss, dass Marihuana-Konsum mit einem um 37 Prozent erhöhten Schizophrenie-Risiko einhergeht.

Tabakkonsum hat keinen Einfluss
Bereits frühere Beobachtungsstudien hatten ähnliche Zahlen ergeben. Wie es heißt, wird der Zusammenhang auch nicht von anderen Faktoren, wie etwa Tabakkonsum, beeinflusst.

„Diese robusten Resultate ergänzen die zahlreichen Studien auf diesem Gebiet und zeigen, dass die Verbindung zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Schizophrenierisiko eine ursächliche ist“, sagte Studienerstautor Julien Vaucher vom CHUV.

Außerdem seien sie wichtig, um über die Risiken des Kiffens zu informieren. Gerade weil diese Substanz derzeit eine Welle der Liberalisierung erlebt und zunehmend auch für therapeutische Zwecke verwendet wird, brauche es ein genaues Verständnis der Wirkmechanismen.

Laut dem Experten könnten weitere Studien beispielsweise ermöglichen, Warnhinweise für Gruppen mit hohem Risiko für Schizophrenie oder andere Störungen zu formulieren.

Vaucher zufolge erlaube die in der Studie verwendete Methode jedoch nicht, das Risiko in Abhängigkeit von der konsumierten Menge, der Cannabis-Art, der Form der Verabreichung oder dem Alter der Konsumenten zu bestimmen. (ad)