Forschung: Fünf wichtige Persönlichkeitsmerkmale bestimmend für das psychische Wohlbefinden

Alexander Stindt
Mediziner suchen nach glücklich machenden Persönlichkeitsmerkmalen
Die meisten Menschen wünschen sich in ihrem Leben mehr Glück und Zufriedenheit. Seit Jahren scheint die psychologische Forschung zu bestätigen, dass zwei Persönlichkeitsmerkmale besonders wichtig für die Bestimmung des Wohlbefindens sind: Extravertiertheit und sogenannter Neurotizismus. Wissenschaftler untersuchten jetzt, welche anderen Faktoren sich noch auf unser Wohlbefinden auswirken können.

Die Experten stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Extravertiertheit und Neurotizismus die zwei wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale bei der Bestimmung des Wohlbefindens sind. Um ein hohes Maß an Wohlbefinden zu erlangen, sollten Menschen extrovertiert sein aber nicht neurotisch. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of Personality“.

Menschen suchen nach Harmonie, Glück und Wohlbefinden in ihrem Leben. Experten stellten jetzt einige Persönlichkeitsmerkmale fest, welche zu einem erhöhten Wohlbefinden führen. (Foto: Robert Kneschke/fotolia.com)

Die fünf Merkmale des Big Five-Persönlichkeitsmodells
Die Ergebnisse der aktuellen Studie unterstreichen die Aussagen des sogenannten Big Five-Persönlichkeitsmodells, berichten die Forscher. Dieses Modell ist Teil der Persönlichkeitspsychologie, welche fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit postuliert. Die fünf Merkmale sind: Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus), Extroversion (Geselligkeit), Verträglichkeit (Empathie) und Neurotizismus (seelische Verletzlichkeit).

Mediziner untersuchen 706 Probanden
Die Forscher untersuchten für ihre Studie 706 männliche und weibliche Teilnehmer mit einem durchschnittlichen Alter von 36 Jahren. Dann analysierten sie die Verbindung zwischen mehreren Aspekten des Wohlbefindens und einer Vielzahl von Faktoren und Persönlichkeitsmerkmalen. Menschen sind komplexe Wesen, die Mediziner wollten herausfinden, wie es sich auf das Wohlbefinden auswirkt, wenn die Probanden nicht extrovertiert oder neurotisch sind.

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Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale erhöhen das Wohlbefinden
Die Wissenschaftler fanden fünf verschiedene Persönlichkeitsmerkmale, welche zu einem hohen Wohlbefinden führen. Diese sind sozusagen fünf verschiedene Wege zum persönlichen Wohlbefinden, erklärt der Autor Scott Barry Kaufman. Sollten Sie bei einem dieser fünf Persönlichkeitsaspekte einen hohen Wert in Tests erreichen, haben Sie wahrscheinlich ein gesteigertes Wohlbefinden bei verschiedenen Aspekten Ihres Lebens, fügt der Experte hinzu.

1. Begeisterung
Begeisterte Menschen neigen eigentlich dazu lustig, freundlich, gesellig und emotional expressiv zu sein. Es ist nicht wirklich verwunderlich, dass begeisterte Menschen daher eher ein glückliches Leben führen.

Die Forscher fanden bei ihrer Untersuchung heraus, dass Begeisterung zu einer besseren generellen Lebenszufriedenheit führt. Begeisterte Menschen entwickeln beispielsweise häufiger positive Emotionen, weniger negative Emotionen, haben eine erhöhte Selbst-Akzeptanz, erhöhtes Engagement, besser funktionierende Beziehungen und ein stärkeres persönliches Wachstum.

2. Niedriger Neurotizismus
Menschen mit einem hohen Neurotizismus (seelischer Verletzlichkeit) werden allgemein leicht verlegen und entmutigt. Solche Menschen neigen dazu, dass sie zwar sehr selbstbewusst aber auch anfällig für Ängste und Depressionen sind.

Menschen mit einem geringen Neurotizismus zeigten eine größere Autonomie, ein größeres persönliches Wachstum und viele der Eigenschaften von begeisterten Menschen.

3. Fleiß
Wenn Menschen fleißig sind, sind sie auch leistungsorientiert, selbst-diszipliniert, effizient, zielbewusst und kompetent, erklärt der Autor Kaufman. Fleißige und hart arbeitende Menschen, welche sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und diese zuverlässig erledigen, haben meist auch ein verbessertes Wohlbefinden.

4. Mitgefühl
Mitfühlende Menschen kümmern sich um andere Menschen, sind freundlich und neigen oft dazu, dass sie sich für das Leben anderer Menschen interessieren. Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit mehr Mitgefühl glücklicher in ihrem eigenen Leben sind.

Mit anderen Worten: Indem Sie sich um das Wohlergehen anderer Menschen sorgen, verbessern Sie wahrscheinlich auch Ihre eigene Zufriedenheit.

5. Intellektuelle Neugier
Wenn Sie gerne über komplexe Dinge und über Ihre Lebenserfahrungen nachdenken, philosophische Themen diskutieren, öfter anspruchsvolle Bücher lesen und sich für neue Ideen interessieren, haben Sie wahrscheinlich eine erhöhte intellektuelle Neugier, erklären die Wissenschaftler.

Eine hohe intellektuelle Neugier setze Autonomie, persönliches Wachstum und erhöhte Selbst-Akzeptanz voraus. Hohe intellektuelle Neugier habe keine Auswirkungen auf emotionalere Variablen, wie positiv verlaufende Beziehungen oder das generelle Engagement während des Lebens.

Durchsetzungsvermögen und kreative Offenheit können sich auf das Wohlbefinden auswirken
Die oben genannten fünf Merkmale waren die wichtigsten bei der Vorhersage des Wohlbefindens, erläutern die Autoren der Studie. Aber auch Durchsetzungsvermögen und kreative Offenheit scheinen sich auf bestimmte Aspekte des Wohlbefindens auszuwirken.

Diese drei Merkmale haben keine Auswirkung auf das Wohlbefinden
Es gab überraschenderweise auch drei Merkmale, welche keinerlei Einfluss auf das Wohlbefinden hatten, sagen die Experten. Diese waren : Höflichkeit, Ordnung und Volatilität. Also können Sie theoretisch so höflich, ordentlich und impulsiv sein, wie Sie wollen, dies wird Ihr Wohlbefinden nicht negativ beeinflussen. (as)

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