Forschung: Geistiges Training zögert den Alzheimer-Ausbruch hinaus

Geistiges Training kann das Auftreten der Alzheimer-Erkrankung verzögern. (Bild:auremar/fotolia.com)
Fabian Peters
Menschen, die im mittleren Alter ihr Gehirn „fit“ halten, schützen sich vor Alzheimer
Wenn Menschen ihr Gehirn durch verschiedene Aktivitäten beschäftigen, könnte das helfen, bestimmte Symptome von einer Alzheimer-Erkrankung abzuwehren. Allerdings hilft diese Methode bei weitem nicht allen Menschen. Die Wirksamkeit ist abhängig davon, ob Betroffene ein bestimmtes Gen in sich tragen.

Sich geistig und körperlich gesund zu halten kann helfen, einige der Gehirnveränderungen zu verzögern, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst werden. Allerdings mit einer Einschränkung: Die Betroffenen müssen das sogenannte ApoE4-Gen ins sich tragen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler von der „Mayo Clinic“ in einer neuen Untersuchung. Die Forscher veröffentlichten die zugehörige Studie in dem Fachjournal „Neurology“.

Geistiges Training kann das Auftreten der Alzheimer-Erkrankung verzögern. (Bild:auremar/fotolia.com)
Geistiges Training kann das Auftreten der Alzheimer-Erkrankung verzögern. (Bild:auremar/fotolia.com)

Nur zwanzig Prozent aller Menschen tragen das APOE4-Gen in sich
APOE4 ist ein Gen, das mit der Alzheimer-Krankheit verbunden ist. Etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung tragen dieses Gen in sich, sagen die Mediziner. Menschen mit dem Gen, die sich mindestens 14 Jahre in Schulen oder Hochschulen fortgebildet haben und danach auch im mittleren Alter noch geistig aktiv waren, haben einige geringere Wahrscheinlichkeit amyloide Plaques zu bilden, erklären die Experten. Dieser Effekt entstand nicht bei Menschen mit 14-jähriger Bildung, die sich später nicht geistig fit gehalten hatten. Wenn beispielsweise ein 79-jähriger Mensch das Gen ApoE4 in seinem Körper trägt, eine hohe Bildung besitzt und sich auch im mittleren Alter noch geistig aktiv gehalten hat, ist festzustellen, dass die Amyloid-Konzentration so gering ausfällt, wie bei einem nicht geistig aktiven 74-Jährigen, erläutern die Forscher.

Studie untersucht speziell die Auswirkung von lebenslanger geistiger Fortbildung
Ältere Studien hatten widersprüchliche Ergebnisse über den Einfluss von körperlichen und geistigen Aktivität auf das Alzheimer-Risiko gezeigt. Die Forscher konnten in ihrer neuesten Untersuchung feststellen, dass sich das Bildungsniveau der Erkrankten stark unterschied, erklärt die Studienautorin Dr. Prashanthi Vemuri von der „Mayo-Klinik“. Als wir speziell die Auswirkungen von lebenslanger geistigen Fortbildung untersuchten, konnten wir beobachten, dass Menschen mit dem ApoE4-Gen, die eine Hochschulausbildung hatten und auch im späteren Leben geistig aktiv waren, eine geringere Wahrscheinlichkeit von Amyloid-Ablagerungen aufwiesen, verglichen mit Menschen, die im mittleren Alter keine intellektuelle Tätigkeit ausführten, fügt die Medizinerin hinzu.

Forscher untersuchen in ihrer Studie knapp 400 Probanden
Die Gesamtergebnisse sollten Menschen, die das besagte Gen nicht in sich tragen, aber nicht davon abhalten, ihr Gehirn zu trainieren und an Aktivitäten teilzunehmen, die unser Gehirn fordern wie beispielsweise Bücher und Zeitschriften zu lesen und Gemeinschaftsspiele zu spielen, raten die Mediziner. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass diese Aktivitäten helfen, den Ausbruch von Gedächtnis- und Denkproblemen zu verzögern, sagte Dr. Vemuri. Allerdings ist noch nicht bekannt, wie dieser Prozess genau funktioniert. Für die Studie untersuchten Wissenschaftler knapp 400 Personen ohne Demenz, die Teil der „Mayo Clinic Study of Aging“ waren. Von diesen hatten 53 leichte kognitiven Beeinträchtigung, fügen die Wissenschaftler hinzu. Alle Probanden waren 70 Jahre alt oder älter. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei eine Gruppe mindestens eine 14-jährige Ausbildung durchlaufen hatten. Die andere Gruppe hatte eine geringere oder kürzere Bildungsdauer, erläutern die Wissenschaftler.

Ständiges geistiges Training ist unverzichtbar
Bei MRT- und PET-Untersuchungen suchten die Wissenschaftler nach Biomarkern für die Alzheimer-Krankheiten. Außerdem werteten sie wöchentlich Fragebögen zur geistigen und körperlichen Betätigung im mittleren Alter aus. Bei der gesamten Gruppe von Teilnehmern konnte festgestellt werden, dass Bildung, Beruf, geistige und körperliche Aktivität im mittleren Alter alleine keinen Einfluss auf die Entstehung von Amyloid-Plaques haben. Auch bei dem Glukose-Stoffwechsel in unserem Gehirn und unserem Gehirnvolumen sind keine Unterschiede zu erkennen, sagen die Forscher. Allerdings gab es einen Unterschied, wenn Menschen mit dem ApoE4 Gen auch im mittleren Alter weiter geistig aktiv waren. Bei diesen Probanden kam es zu geringeren Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, erläutern die Experten. Bei Menschen die nicht weiter geistig aktiv waren, trat dieser Effekt auch trotz der selben Vorbildung nicht auf.

Es gibt viele Einschränkungen bei der Studie, aber unsere Ergebnisse zeigen, dass weitere Untersuchungen erforderlich sind. Die aktuelle Erkenntnisse legen nahe, dass ein unterschiedliches Bildungsniveaus in anderen Studien die widersprüchlichen Ergebnisse bewirkt hat, die in der Forschungsliteratur zu sehen sind, erklärt Dr. Vemuni.(as)

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