Forschung: Kleine Männer bekommen oft frühzeitig eine Glatze

Alexander Stindt
Wirkt sich die Größe von Männern auf frühzeitigen Haarausfall aus?
Viele Männer kennen sicher das folgende Problem: Im Alter schwinden die Haare und einige Betroffene bekommen sogar schon recht früh ein Glatze. Forscher fanden jetzt heraus, dass kleine Männer möglicherweise ein erhöhtes Risiko für die frühzeitige Entstehung ein Glatze haben.

Die Wissenschaftler der Universität Bonn stellten bei einer genetischen internationalen Studie fest, dass kleine Männer öfter frühzeitig eine Glatze bekommen. Generell hängt der frühzeitige Haarausfall mit verschiedenen Krankheiten und Körpermerkmalen zusammen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Gerade Männer leiden häufig an Haarausfall. Manche Betroffene entwickeln dann schon frühzeitig eine Glatze. Forscher suchten jetzt nach einem Zusammenhang zwischen der Bildung einer Glatze und einer geringeren Körpergröße. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Forscher untersuchen das Erbgut von mehr als 20.000 Männern
Die Experten untersuchten in der genetischen Studie unter Federführung der Universität Bonn das Erbgut von mehr als 20.000 Männern. Die dabei gewonnenen Daten ergaben, dass der frühzeitig auftretende Haarausfall meist mit einer Reihe von Faktoren zusammenhängt. Zu diesen gehören Krankheiten, aber auch verschiedene Körpermerkmale wirken sich auf die Entstehung einer Glatze aus, erläutern die Mediziner.

Wenn Männer frühzeitig die Haare verlieren, steigt das Risiko für bestimmte Erkrankungen
Es ist beispielsweise schon seit längerer Zeit bekannt, dass Männer mit einem frühzeitig auftretenden Ausfall der Haare häufiger an Herzerkrankungen und Prostatakrebs erkranken. Neue festgestellte genetische Daten bestätigen nun die Vermutung, dass weitere Verbindungen zu Herzerkrankungen und Prostatakrebs bestehen.

Probanden aus sieben Ländern wurden genau untersucht
Bei der aktuellen Untersuchung analysierten die Experten die genetischen Daten von etwa 11.000 männlichen Teilnehmern mit einer frühzeitigen Kahlköpfigkeit. Zur Kontrolle wurden noch einmal fast 12.000 Männer ohne Haarausfall hinzugezogen. Alle Probanden stammten dabei aus sieben verschiedenen Ländern, berichten die Forscher.

63 Änderungen im Genom erhöhen Risiko für vorzeitigen Haarausfall
Wir konnten 63 Änderungen im menschlichen Genom identifizieren. Diese erhöhten das Risiko für einen frühzeitigen Haarausfall, erklärt die leitende Autorin und Humangenetikerin Dr. Stefanie Heilmann-Heimbach in einer Pressemitteilung der Universität Bonn.

Änderungen der Genome bewirkten auch andere Krankheiten
Einige dieser Änderungen wurden auch im Zusammenhang mit anderen Merkmalen und Erkrankungen gefunden. Zu diesen gehören beispielsweise eine verminderte Körpergröße. Auch der frühe Eintritt in die Pubertät und verschiedene Krebserkrankungen hängen mit den festgestellten Veränderungen zusammen, so die Mediziner.

Ergebnisse zeigen Zusammenhang zwischen Haarausfall und Prostatakrebs
Die gefundenen genetischen Ergebnisse zeigen auch einen Zusammenhang zwischen Haarausfall und einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs. Das Feststellen eines möglichen Zusammenhangs mit dem Auftreten von Herzerkrankungen war laut den Autoren weitaus komplizierter. Hier wurden zwar Gene gefunden, welche das vorhandene Risiko senken. Aber es wurden auch Gene festgestellt, die das Risiko erhöhen können, schreiben die Wissenschaftler.

Vor allem weiße Männer entwickeln frühzeitig eine Glatze
Außerdem konnten zusätzliche Verbindungen zu einer helleren Hautfarbe und einer erhöhten Knochendichte ermittelt werden, erklärt Professor Dr. Markus Nöthen. Der Experte ist Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn. Diese festgestellten Verbindungen könnten darauf hindeuten, dass die Männer mit Haarausfall Sonnenlicht besser zur Vitamin D-Synthese verwenden können. Dieser Umstand könnte auch erklären, warum vor allem weiße Männer an frühzeitiger Bildung einer Glatze leiden, fügt der Experte hinzu.

Immun- und Fettzellen in der Kopfhaut sind am Haarausfall beteiligt
Durch eine Identifizierung der beteiligten Gene bei der aktuellen Studie konnten neue Einblicke in die biologischen Ursachen des auftretenden Haarausfalls ermöglicht werden. Offensichtlich sind neben den Zellen des Haarfollikels auch in der Kopfhaut befindliche Immun- und Fettzellen am Haarausfall beteiligt, berichten die Autoren der Universität Bonn.

Weitere Forschung ist nötig
Allerdings gibt es bisher nur ein ansatzweises Verständnis dafür, welche molekularen Mechanismen zu den Zusammenhängen zwischen einem frühzeitigem Haarausfall und anderen Erkrankungen führen. Weitere Studien müssen jetzt die festgestellten Verbindungen und daran beteiligten Signalwege genauer und detaillierter untersuchen.

Betroffene sollten sich nicht zu stark um ihre Gesundheit sorgen
Männer mit frühzeitigem Haarausfall müssen nun aber nicht besorgt sein, erklärt der Experte Professor Nöthen. Die Risiken für die festgestellten Krankheiten sind nur geringfügig erhöht. Interessant ist jedoch, dass der auftretenden Haarausfall kein isoliertes Merkmal ist. Es gibt vielfältige Beziehungen zu anderen Merkmalen, fügt der Mediziner hinzu. (as)

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