Forschung: Sind Kühe der Schlüssel zur Behandlung von HIV?

Alexander Stindt
Antikörper von Kühen könnten HIV neutralisieren
HIV ist eine auf der ganzen Welt verbreitete Erkrankung, die häufig den Tod der Betroffenen bewirkt. Forscher fanden jetzt heraus, dass einige Tiere schnell spezielle Arten von Antikörpern produzieren, welche HIV neutralisieren können. Kühe haben aufgrund ihres komplexen Verdauungssystems eine sehr starke Immunabwehr entwickelt. Experten untersuchten jetzt, ob die Antikörper von Kühen zur Neutralisierung von HIV eingesetzt werden können.

Die Wissenschaftler der International Aids Vaccine Initiative und des Scripps Research Institute stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Kühe eine sehr starke Immunabwehr haben und Antikörper produzieren, welche tatsächlich HIV neutralisieren könnten. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Nature“.

HIV ist eine schwer zu behandelnde Krankheit. Mediziner stellten nun fest, dass Kühe Antikörper produzieren können, welche schnell und effektiv HIV-Stämme neutralisieren. (Bild: dietwalther/fotolia.com)

HIV-Virus mutiert schnell und ist schwer zu behandeln
HIV ist eine sehr schwer zu behandelnde Erkrankung. Das Virus mutiert schnell, wenn das Immunsystem eines Patienten eine Möglichkeit zur Bekämpfung gefunden hat, sagen die Autoren. Es gibt aber eine kleine Anzahl von Patienten, welche schließlich nach Jahren der Infektion weitgehend neutralisierende Antikörper entwickeln.

Antikörper wurden in kurzer Zeit durch das Immunsystem der Kuh produziert
Ein neuer Impfstoff könnte jetzt das Immunsystem trainieren, dass es diese weitgehend neutralisierenden Antikörper bereits am Anfang der Erkrankung produziert. Zu diesem Zweck versuchten die Experten Kühe zu immunisieren. Die benötigten Antikörper wurden in wenigen Wochen durch das Immunsystem der Kuh produziert, erklären die Wissenschaftler.

Mehr zum Thema:

Kuh-Antikörper neutralisieren 20 Prozent der HIV-Stämme innerhalb von 42 Tagen
Bei Menschen dauert es drei bis fünf Jahre, bis sich die benötigten Antikörper entwickeln, bei Kühen lediglich wenige Wochen. „Wer hätte gedacht, dass Kühe einen bedeutenden Beitrag zur Behandlung von HIV leisten können“, betonen die Studienautoren. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass die Antikörper der Kuh zwanzig Prozent der HIV-Stämme innerhalb von nur 42 Tagen neutralisieren können.

Antikörper konnten 96 Prozent der untersuchten Stämme neutralisieren
Es gelang schließlich nach 381 Tagen 96 Prozent der im Labor getesteten Stämme zu neutralisieren. Im Gegensatz zu menschlichen Antikörpern besitzen sogenannte Vieh-Antikörper einzigartige Eigenschaften. Die Strukturen der Antikörper von Menschen und Kühen sind unterschiedlich aufgebaut.

Das Verdauungssystem der Kühe beherbergt besonders viele Bakterien
Kühe sind Wiederkäuer, sie besitzen ein besonders Verdauungssystem, um verzehrtes Gras zu verdauen. Im Verdauungssystem der Tiere wimmelt es von feindlichen Bakterien. Dies ist der Grund dafür, dass die Tiere die nötigen Antikörper entwickelt haben, um die Bakterien in Schach zu halten, erklären die Experten.

Sind Kühe eine Quelle für neue Medikamente?
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kühe in Zukunft eine Quelle für die Herstellung von Medikamenten sein können. So lassen sich möglicherweise Mikrobizide produzieren, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Das eigentliche Ziel ist es aber, einen Impfstoff zu entwickeln, welcher das menschliche Immunsystem dazu bringt, Antikörper zu produzieren, die die Erkrankung bekämpfen können, erläutern die Forscher. Die aktuelle Viehstudie könne dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Außergewöhnliche Immunsysteme sind für Mediziner besonderes interessant
Seit den frühen Tagen der HIV-Epidemie ist bekannt, dass das Virus sehr schnell mutiert, um einer Behandlung entgegenzuwirken. Aus diesem Grund sind außergewöhnliche Immunsysteme, welche natürliche weitgehende neutralisierende Antikörper produzieren können, besonders interessant. Dabei ist es egal, ob diese Antikörper in Menschen oder Tieren vorkommen, sagen die Experten.(as)