Forschung: Tödliche Frösche – Giftzwerge eine Hilfe für das Herz?

Dr. Utz Anhalt
Indigene Kolumbiens tränken ihre Pfeile mit dem Gift der Baumsteigerfrösche (Dendrobatiden) – genauer gesagt, sie nutzen dazu die drei giftigsten Arten von circa 170 Spezies.

Der giftigste Frosch der Welt
Der giftigste Frosch der Welt gehört zu diesen Baum- und Blattsteigern und heißt „Schrecklicher Pfeilgiftfrosch“ (Phyllobates terribilis). Die Frösche sind gelb, gelbgrün oder orange gefärbt, selten auch grau. Die Haut eines dieser Frösche enthält genug Gift, um 20.000 Mäuse oder 100 Menschen zu töten.

Das Gift des Goldbaumsteigers, Dendrobates Auratus, hilft möglicherweise gegen Herzerkrankungen. (Uwe Bergwitz/fotolia).

Wo lebt der Schreckensfrosch?
Der giftigste Frosch der Welt lebt nur in einem winzigen Gebiet nahe dem Rio Saija an der kolumbianischen Pazifikküste. Die Tiere leben am Boden des tropischen Regenwaldes in der Nähe des Flusses. Er ist heute stark gefährdet. Die anderen Pfeilgiftfrösche leben sämtlich in Waldregionen Mittel- und Südamerikas.

Berührung tötet
Eine winzige Menge seines Giftes Batratoxin reicht, um bei Berührung einen Menschen zu töten. Es lähmt Muskeln und Atmung.

Pfeilgift für die Jagd
Die Indigenen nehmen die Phyllobaten mit Blättern auf und streifen das Sekret ab. Traditionell nutzten sie es für die Jagd. Auch die Medizin der Maya kennt die bunten Giftzwerge.

Ein Riese unter Zwergen
Der knallgelbe „schreckliche Pfeilgiftfrosch“ ist ein Riese unter den Winzlingen der Dendrobatiden und Phyllobatiden. Mit immerhin 5 Zentimetern überragt er andere Arten bis um das Doppelte.

Fieber und Krämpfe
Die ungefährlicheren Arten der Baum- und Blattsteiger lösen bei Berührung immer noch Magenkrämpfe und Fieber aus.

Schutz vor Fressfeinden
Die Wissenschaft ging davon aus, dass das starke Gift dazu dient, die kleinen Frösche vor Fressfeinden zu schützen. Von denen wimmelt es im tropischen Regenwald: Schlangen, Echsen, Affen, Nasenbären, Marder, diverse Vögel und auch größere Frösche wie Kröten lieben solche Proteinbrocken.

Vergiften oder verstecken
Leben mit Gift ermöglicht den Tieren das Überleben. Die sonst schutzlosen Fröschchen können sich nur mit Gift schützen oder verstecken.

Warn- oder Tarnfarben?
Die Körper der Baum- und Blattsteiger brillieren in Rot, Blau, Grün oder Zitronengelb in irrisierenden Mustern und signalisieren Gefahr für Angreifer. Doch viele Arten sind weniger auffällig und auch die Knallbunten sind zwischen Bromelien und Baumrinde kaum sichtbar.

Gegen Pilzbefall?
Viele Fressfeinde lassen sich von den Warnfarben nicht abschrecken, und heute gehen viele Biologen davon aus, dass das Gift vor allem Bakterien und Pilze abtöten soll, die die empfindliche Froschhaut infizieren.

Wie bildet sich das Gift?
Früher gingen Forscher aus, dass Bakterien auf der Froschhaut das Gift produzieren. Heute wissen wir, dass die Frösche das Gift aus Stoffen ihrer Beute synthetisieren, die ebenfalls Gifttiere umfasst: Ameisen, Termiten, Tausendfüßler.

Terrarientiere
Darauf deutet auch hin, dass im Terrarium geborene Tiere ungiftig sind. Hier fressen sie Essigfliegen oder kleine Heimchen.

Medizinischer Nutzen?
Tiergifte sind äußerst interessant für die Pharmakologie: Das tödliche Gift einer Kegelschnecke gibt die Grundstoffe für Schmerzmittel; ACE-Hemmer wurden aus dem Gift von Lanzenottern gewonnen.

Schmerzmittel
Das aus dem Gift der Art Epipedobates Tricolor gewonnene Epibatidin wirkt 200 mal stärker gegen Schmerzen als Morphium. Leider greift es vermutlich den menschlichen Körper an. Das Froschgift dockt wie Nikotin an den Bindungsstellen des Botenstoffes Acetylcholin an, jedoch 120mal stärker.

Mittel gegen Alzheimer und Parkinson?
Epibatidin zeigt möglicherweise krankhaft veränderte Hirnbereiche an und könnte somit eine große Hilfe in der Behandlung von Parkinson und Alzheimer spielen.

Arzneien gegen Herzkrankheiten?
Die beiden Arten Dendrobatus Auratus und Dendrobates Pumillo verfügen über ein Gift, das den Herzrhythmus beeinflusst. Möglicherweise lässt es sich nutzen, um Mittel gegen Herzkrankheiten zu entwickeln. (Dr. Utz Anhalt)