Forschung: Wie verbessert das Zusammenleben in einer Ehe die Gesundheit?

Alexander Stindt
Sind verheiratete Menschen generell gesünder?
Leben verheiratete Menschen eigentlich gesünder? Experten behaupten jetzt aufgrund von einer Studie, dass die Ehe sehr wohl die allgemeine Gesundheit verbessert. Wichtig ist dabei aber, dass die Ehe gut funktioniert. Die Forscher fanden heraus, dass verheiratete Menschen niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol aufweisen, verglichen mit nicht verheirateten Menschen oder geschiedenen Ehepartnern.

Die Wissenschaftler der Carnegie Mellon University stellten bei einer Untersuchung fest, dass verheiratete Menschen generell weniger von dem Stresshormon Cortisol in sich tragen. Dies führt zu einer verbesserten Gesundheit bei den Betroffenen, weil sie effektiver vor psychischem Stress geschützt sind. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Psychoneuroendocrinology“.

Wie wirkt sich die Form unseres Zusammenlebens auf unsere Gesundheit aus? Forscher versuchten diese Frage jetzt bei einer Untersuchung zu klären. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Studie untersucht 572 erwachsene Probanden
Die Ergebnisse der Studie sind durchaus aufregend und interessant, sagen die Experten. Sie könnten ein physiologischer Grund dafür sein, dass Beziehungen die Gesundheit verbessern und Krankheiten vermeiden, sagt Autor Dr. Brian Chin von der Carnegie Mellon University. Für ihre Studie nahmen die Forscher die Speichelproben von 572 erwachsenen Freiwilligen im Alter zwischen 21 und 55 Jahren. Die Teilnehmer waren entweder Single, verheiratet oder zuvor verheiratet. Die Speichelproben wurden über einen Zeitraum von 24 Stunden an drei nicht aufeinanderfolgenden Tagen genommen, fügen die Mediziner hinzu.

Verheiratete Menschen haben schnellere Rückgänge von Cortisol
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass verheiratete Personen einen niedrigeren Cortisolspiegel aufwiesen, verglichen mit Singles und geschiedenen Personen, erläutern die Wissenschaftler. Verheiratete Menschen zeigten im Laufe des Tages schnellere sogenannte Cortisol-Rückgänge. Solche hormonellen Muster wurden mit verbesserten gesundheitlichen Auswirkungen assoziiert.

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Ein hoher Cortisolspiegel führt zu erheblichen gesundheitlichen Problemen
Es ist gut erforscht, dass Menschen mit niedrigeren Ebenen von Cortisol generell gesünder sind, sagen die Forscher. Hohe Cortisolspiegel fördern eine Entzündung, welche dann wiederum das Risiko für eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen erhöhen kann, einschließlich Herzerkrankungen, Autoimmunkrankheiten und Depressionen.

Studie zeigt allgemeine gesundheitliche Vorteile der sozialen Unterstützung in der Ehe
Diese und andere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der Ehe und einer guten Gesundheit und psychischem Wohlbefinden gibt, erläutern die Wissenschaftler. Die Studie scheint die allgemeinen gesundheitlichen Vorteile der sozialen Unterstützung durch das Zusammenleben in einer Ehe aufzuzeigen. Aber bedeutet dies auch, dass die Institution der Ehe besondere Vorteile für die Gesundheit ergibt?

Studie untersucht nicht den Unterschied zwischen verheirateten und lange zusammenlebenden Paaren
Die Studie zeigt allerdings nur eine Korrelation, keine Kausalität, sagen die Autoren. Es sei möglich, dass die verbesserte Gesundheit unter verheirateten Menschen einfach nur die Tatsache widerspiegelt, dass gesündere Menschen öfter heiraten. Darüber hinaus berücksichtigen die Ergebnisse auch nicht die Unterschiede zwischen verheirateten Paaren und langfristig zusammenlebenden nicht verheirateten Paaren.

Streitigkeiten in der Ehe können schädlicher als Stress am Arbeitsplatz sein
Während einer glücklichen Ehe ist es wahrscheinlich, dass die allgemeine Gesundheit positiv unterstützt wird. Aber wir sollten nicht vergessen, dass viele Ehen nicht so ablaufen, sagen die Mediziner. Schlecht laufende Ehen seien sehr häufig und können mit einer schlechteren Gesundheit verbunden werden. Eine Studie aus dem Jahr 2010 ergab beispielsweise, dass der Familienstress zu einer schlechten Immunfunktion und einem hohen Blutdruck beitragen kann. Eheliche Streitigkeiten können für Ihre Gesundheit noch schlimmer sein, als der Stress am Arbeitsplatz, vermuten Experten. Die gesundheitlichen Auswirkungen des ehelichen Stresses sind vergleichbar mit denen der traditionellen Risikofaktoren wie Rauchen und einer sesshaften Lebensweise, fügen die Mediziner hinzu.

Ausschlaggebend ist die Qualität der Beziehung
Was kann man unter dem Strich jetzt über die gesundheitlichen Auswirkungen der Ehe sagen? Gut laufende und harmonische Ehen sind gut für Sie und Ihre Gesundheit. Eine verallgemeinerte Aussage, dass verheiratete Menschen generell gesünder sind ist allerdings nur reine Fiktion, erklären die Autoren. Nur weil Menschen verheiratet sind, wird ihnen nicht automatisch ein stressfreies- und gesundes Leben gewährt. Wirklich wichtig ist die Qualität der Beziehung, egal ob Sie verheiratet sind oder nicht, fügen die Experten hinzu. (as)