Forschungsziele: Bauchspeicheldrüsenkrebs früher erkennen und behandeln

Alfred Domke
Neue Therapiekonzepte gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
Experten zufolge sind in Deutschland immer mehr Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verzeichnen. Diese Krebsform verläuft oft lange symptomlos und wird daher häufig zu spät entdeckt. Die Sterblichkeitsraten sind sehr hoch. Forscher arbeiten nun an Grundlagen für neue Therapiekonzepte.

Vierthäufigste Krebstodesursache in Deutschland
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist die vierthäufigste Krebstodesursache bei Männern und Frauen in Deutschland. Ein neuer Forschungsverbund in Göttingen beschäftigt sich nun mit den Mechanismen, die zur Entstehung und Progression dieser Krebsform führen. Die Erkenntnisse dieses Projektes sollen dazu beitragen, Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr viel früher zu erkennen und behandeln zu können als bisher.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die vierthäufigste Krebstodesursache bei Männern und Frauen in Deutschland. Forscher arbeiten nun an Grundlagen für neue Therapiekonzepte. (Bild: Coloures-pic/fotolia.com)

Krankheit macht sich erst spät bemerkbar
Beteiligt an dem Projekt sind die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, Standort Göttingen, das Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin sowie das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, beide Göttingen.

Die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung ist äußerst schwierig, heißt es in einer Mitteilung der UMG.

Aktuellen Prognosen zufolge wird das Pankreaskarzinom deshalb weltweit in den nächsten zehn Jahren bereits Platz zwei der krebsbedingten Todesursachen belegen.

In der Regel zeigen sich Symptome erst dann, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten und nicht mehr auf das Organ begrenzt ist. Oft sind dann auch bereits Metastasen nachzuweisen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs früher diagnostizieren
„Wir brauchen dringend bessere Kenntnisse der Mechanismen, die zur Entstehung und der ausgeprägten Resistenz gegenüber Chemotherapie beitragen“, sagte der Sprecher des Verbunds, Prof. Dr. Volker Ellenrieder von der UMG.

„Nur dann haben wir auch eine realistische Chance den Bauchspeicheldrüsenkrebs früher zu diagnostizieren und einen Therapiedurchbruch erreichen zu können“, so der Mediziner.

Dr. Elisabeth Heßmann von der UMG erklärte: „Bisher fehlen uns leider noch immer Biomarker, die eine Früherkennung der Krebserkrankung ermöglichen. Und es gibt auch keine etablierten bildgebenden Untersuchungsmethoden, die auf die Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ausgerichtet sind.“

Ein zentraler Aspekt des Forschungsverbundes ist deshalb die Charakterisierung tumorfördernder Signalwege als Zielstrukturen neuer medikamentöser Therapieansätze.

Bessere Therapieoptionen durch frühere Diagnose
Auch andere Forschungseinrichtungen haben sich in den vergangenen Jahren damit beschäftigt, wie das Pankreaskarzinom früher erkannt und besser behandelt werden kann.

So fanden Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) heraus, dass in Pankreaszellen die Fähigkeit zur Metastasierung häufig bereits entwickelt ist, bevor sich eine Zelle überhaupt in eine Krebszelle verwandelt hat.

Sie stellten zudem fest, dass ein spezifisches Enzym ursächlich für die Resistenz der Tumore ist.

US-amerikanische Experten wiederum fanden heraus, dass Bakterien bei der Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen können.

Und laut britischen Forschern könnte Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft auch mit einem Urintest diagnostiziert werden.

All die Erkenntnisse, die dazu führen, die Erkrankung früher zu erkennen, können die Therapieoptionen verbessern.

Die Behandlung sollte laut Fachleuten am besten individuell an den Patienten angepasst sein, denn dadurch werden die Heilungschancen bei einem Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessert. (ad)