In Großbritannien dürfen bald Drei-Eltern-Babys geboren werden

Alfred Domke
Großbritannien erlaubt als erstes Land Drei-Eltern-Babys
In Großbritannien dürfen künftig Babys mit der DNA von drei Elternteilen erzeugt werden. Zwar wurde die Methode schon einmal in Mexiko angewandt, doch ausdrücklich erlaubt war sie bislang in keiner Nation. Mit der umstrittenen Technologie soll verhindert werden, dass Erbkrankheiten an die Kinder weitergegeben werden.

Weitergabe von Erbkrankheiten verhindern
Nach Angaben der Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) dürfen in britischen Laboren künftig Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden. Mit der Technologie soll Frauen eine Schwangerschaft ermöglicht werden, ohne dass sie bestimmte Erbkrankheiten an ihr Kind weitergeben. Ein von der HEFA einberufenes Expertengremium hatte schon vor Wochen empfohlen, dem „vorsichtigen Einsatz“ unter „besonderen Umständen“ zuzustimmen, heißt es in einer Mitteilung.

Großbritannien ist das erste Land der Welt, in dem Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden dürfen. Die ersten "Drei-Eltern-Babys"könnten schon Ende nächsten Jahres auf die Welt kommen. (Bild: bevisphoto/fotolia.com)
Großbritannien ist das erste Land der Welt, in dem Embryos mit dem Erbgut dreier Menschen erzeugt werden dürfen. Die ersten „Drei-Eltern-Babys“könnten schon Ende nächsten Jahres auf die Welt kommen. (Bild: bevisphoto/fotolia.com)

Großbritannien ist das erste Land das die Methode erlaubt
Es geht dabei um Erbkrankheiten, die die DNA in den Kraftwerken der Zelle (Mitochondrien) betreffen. Die beiden Methoden, der Maternal Spindle Transfer (MST) sowie der Pronuclear Transfer (PNT), bergen auch Risiken, wie in einem Bericht der HEFA ausführlich beschrieben wird.

Den Angaben zufolge ist Großbritannien das erste Land weltweit, das solche Behandlungsmethoden ausdrücklich erlaubt.

Kritiker warnen vor der Gefahr von „Designerbabys“
Schon im vergangenen Jahr hatte das Parlament den Weg für die Babys mit drei Elternteilen freigemacht und die Technologie formal erlaubt.

Kritiker wiesen damals darauf hin, dass die Legalisierung der Methode den Weg für „Designerbabys“ ebnen könnte. Experten verwiesen jedoch darauf, dass die DNA der dritten Person weniger als ein Prozent der modifizierten Gene des Embryos ausmache.

Kind mit dem Erbgut von drei Eltern geboren
Die Ethikkommission der HFEA hatte nun das letzte Wort in der Sache. Jetzt können sich Kliniken im Vereinigten Königreich um eine Lizenz für die Therapiemethoden bewerben. Die ersten „Drei-Eltern-Babys“ könnten dann bereits Ende nächsten Jahres auf die Welt kommen.

In Mexiko ist im April erstmals ein Baby mit dem Erbgut von drei Eltern geboren worden.

Behandlung in Mexiko aus rechtlichen Gründen
Die Mutter des Jungen leidet am sogenannten Leigh-Syndrom, einer seltenen Erbkrankheit. Sie hatte bereits mehrere Kinder vor und nach der Geburt verloren. Daher entschieden sich die Ärzte aus den USA für die neuartige Technik, um den aus Jordanien stammenden Eltern den Kinderwunsch zu erfüllen.

Das Magazin „New Scientist“ schrieb damals von der „3-Eltern“-Technik. Die Behandlung fand in Mexiko statt, da es dort keine gesetzliche Regelung für das reproduktionsmedizinische Verfahren gibt.

Kritik von Experten
Schon lange vor der Legalisierung warnten Kritiker vor den neuen Methoden. „Diese Techniken sind unnötig und unsicher und werden in Wirklichkeit von der Mehrheit abgelehnt“, erklärte Dr. David King vom „Human Genetics Alert“ vor Jahren gegenüber der „BBC“.

„Es ist eine Katastrophe, dass die Entscheidung, zum Überschreiten der Linie, die letztlich zu einem eugenischen Designer-Baby-Markt führen könnte, auf der Grundlage einer völlig voreingenommen und unzureichenden Beratung getroffen werden soll.“

Auch heute stehen viele Wissenschaftler der Behandlung sehr kritisch gegenüber. So berichtete Shoukrat Mitalipov von der Oregon Health and Science University in Portland im Fachblatt „Nature“, dass die Mitochondrien-Ersatz-Therapie vermutlich nicht immer den Ausbruch der Krankheit verhindern könne. Die Methode müsse zunächst in klinischen Studien geprüft werden. (ad)