Fotografieren kann Erinnerung schwächen

Astrid Goldmayer

Studie: Viel fotografieren im Museum trübt die Erinnerung

11.12.2013

„Viel fotografieren, um nichts zu vergessen“ lautet das Motto vieler Touristen. US-amerikanische Psychologen fanden jedoch jüngst heraus, das genau das Gegenteil der Fall ist. Demnach konnten sich Menschen, die bei einem Museumsbesuch viele Fotos machten, deutlich schlechter an Details erinnern als Personen, die auf das ständige Knipsen verzichteten.

Fotografieren lenkt ab und trübt die Erinnerung
Manch ein Tourist verbringt seinen Urlaub am liebsten mit Fotografieren, um alles möglichst genau für die Daheimgeblieben zu dokumentieren. In Zeiten von Digitalkameras mit hohen Speicherkapazitäten können dabei leicht ein paar hundert oder sogar tausend Fotos zusammenkommen.

Linda Henkel von der Fairfield University im US-Bundesstaat Connecticut und ihre Kollegen haben dieses Phänomen genauer untersucht. Dabei stellten sie fest, dass häufiges Fotografieren einen negativen Effekt auf das Erinnerungsvermögen hat. Sie beobachteten, dass sich Hobby-Fotografen deutlich weniger merken konnten als Menschen, die keine Fotos während eines Museumsbesuchs machten. „Leute haben so viel mit ihrer Kamera zu tun, dass sie mitunter nicht mitbekommen, was direkt vor ihren Augen geschieht", berichtet Henkel. Diese Beobachtung sei der Auslöser für sie gewesen zu untersuchen, ob der Kameragebrauch tatsächlich Einfluss auf das Erinnerungsvermögen hat.

Für ihre Studie baten die Psychologen Studenten, an einer Führung durch das Bellarmine Museum of Art an der Fairfield University teilzunehmen, wobei einige dabei fotografieren sollten und andere nicht. Am darauffolgenden Tag testeten die Forscher das Erinnerungsvermögen der Probanden und kamen dabei zu einem eindeutigen Ergebnis.„Wenn die Teilnehmer ein Foto von jedem Objekt als Ganzes machten, erinnerten sie sich an weniger Objekte, weniger Objektdetails und schlechter an den Standort der Objekte im Museum, als wenn sie sich die Objekte stattdessen nur ansahen und nicht fotografierten“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Psychological Science". „Wenn die Teilnehmer jedoch heranzoomten, um einen bestimmten Teil eines Objekts zu fotografieren, war ihre Fähigkeit zur Wiedererkennung und die detaillierte Erinnerung nicht beeinträchtigt.“

Smartphones haben einen ähnlichen Effekt auf die Erinnerung wie Fotografieren
Einen ähnlichen Effekt haben Handys auf das Erinnerungsvermögen. Während es früher zum Alltag gehörte, sich Telefonnummer zu merken, werden diese heutzutage einfach im Smartphone eingespeichert. Viele Menschen können sich deshalb nicht einmal mehr zwei oder drei Telefonnummern merken. Sie haben es schlichtweg „verlernt“. „Wenn Menschen sich auf Technik verlassen, hat das einen negativen Einfluss auf ihre Erinnerung“, erläutert Henkel. Dennoch könnten Fotos auch einen positiven Effekt auf die Erinnerung an einen Museumsbesuch haben. Jedoch halte vor allem eine große Menge von Fotos davon ab, diese später noch einmal anzuschauen und sich an das Ereignis zu erinnern. (ag)

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