Frauen nutzen öfter physiotherapeutische Leistungen als Männer

Volker Blasek

Heilmittelbericht der AOK: Frauen nutzen häufiger Physiotherapie

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) hat den Heilmittelbericht 2017 veröffentlicht. Demnach haben rund 4,5 Millionen AOK-Versicherte im Jahr 2016 eine Physiotherapie erhalten. Insgesamt wurden 13 Millionen Leistungen bewilligt. Aus dem Bericht geht hervor, dass fast zwei Drittel (63 Prozent) der Heilmittelpatienten mit Physiotherapie weiblich waren. Die häufigste Diagnose bei physiotherapeutischen Verordnungen waren mit großem Abstand unspezifische Rückenschmerzen. Diese waren bei rund einem Drittel (31,5 Prozent) aller physiotherapeutischen Patienten der Grund für die Therapie.

Die normale Krankengymnastik machte mit einem Anteil von 46,7 Prozent fast die Hälfte aller bewilligten physiotherapeutischen Leistungen bei AOK-Patienten aus. Nur ein Anteil von rund 15 Prozent aller Leistungen nahmen die Manuellen Therapien ein. Insgesamt haben deutlich mehr Frauen als Männer eine Physiotherapie genutzt. 21,4 Prozent der weiblichen und nur 13,4 Prozent der männlichen AOK-Versicherten nahmen eine physiotherapeutische Behandlung in Anspruch. „Frauen haben zwar objektiv eine höhere Lebenserwartung als Männer, sie schätzen ihren Gesundheitszustand aber subjektiv schlechter ein, gehen häufiger zum Arzt und nehmen auch Physiotherapie entsprechend öfter in Anspruch, und zwar über alle Altersgruppen hinweg“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Physiotherapie wird häufiger von Frauen als von Männern genutzt. (Bild: animgoberlin/fotolia.com)

Bei Kindern unter 14 Jahre kehrt sich das Verhältnis um

Kinder bis 14 Jahre, die eine Heilmittelleistung in Anspruch nahmen, zeigten ein umgekehrtes Geschlechterverhältnis. Hier lag der Anteil der Jungen mit 60 Prozent vor dem der Mädchen. Die meisten Heilmittelbehandlungen wurden von Kindern im Alter von sechs Jahren beansprucht. Von ihnen erhielten 30,3 Prozent der Jungen und 19,3 Prozent der Mädchen eine Heilmittelbehandlung.

Rückenschmerz als Spitzenreiter

Patienten mit unspezifischen Rückenschmerzen stellten 2016 die Größte Gruppe der Heilmittelverordnungen. Laut WidO waren gut 1,4 Millionen Patienten davon betroffen. In den meisten Fällen handelte es sich um kurzzeitige Behandlungen mit einem Durchschnitt von 1,9 Leistungen pro Patient. Bei drei Viertel der Patienten blieb es bei einer einmaligen Episode. Das Rückenschmerzen die häufigste Diagnose bei der Physiotherapie sind, hängt mit dem ambulanten Versorgungsgeschehen zusammen. Laut Heilmittelbericht wurde im Jahr 2016 bei 6,8 Millionen AOK-Versicherten eine gesicherte ICD-Diagnose „M54 Rückenschmerz“ im Rahmen der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung dokumentiert. Die Prävalenzrate für diese unspezifische Diagnosecodierung betrage damit 26,7 Prozent. Auch auf Platz zwei der Diagnosenrangliste aller Heilmittelverordnungen liegt eine Rückendiagnose. „Sonstige Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens“ belegt mit 7,8 Prozent den zweiten Platz, gefolgt von „Sonstige Bandscheibenschäden“ mit 5,2 Prozent.

Allgemeinmedizinern stellen die meisten Rezepte aus

Allgemeinmediziner sind nach wie vor Hauptverordner für physiotherapeutische Leistungen. Fast die Hälfte der Patienten erhielt ihr Rezept vom Hausarzt. Dies entspricht laut Heilmittelbericht fast 40 Prozent aller Physiotherapieleistungen. Circa ein Drittel der Patienten wurden von einem Orthopäden mit physiotherapeutischen Leistungen versorgt.

Ergo- und Sprachtherapie

Ergo- und Sprachtherapie machten im vergangenen Jahr zwar nur 6,9 bzw. 4,9 Prozent der Heilmittelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung aus, die vergleichsweise teuren therapeutischen Mittel erzielten laut WidO aber dennoch einen Umsatzanteil von 14,7 bzw. 10,7 Prozent. Auf den Bereich der Ergotherapie entfielen 3,08 Millionen der Heilmittelleistungen, der Gesamtumsatz lag bei 968,7 Millionen Euro. Im Bereich der Sprachtherapie waren es 2,21 Millionen Leistungen mit einem Gesamtumsatz von 704 Millionen Euro. (fp)