Frauen sind doppelt so anfällig für Angst-Störungen wie Männer

Wenn Ängste zum Dauerbegleiter werden bedeutet dies meist, dass Sie unter einer sogenannten Angststörung leiden. Es gibt allerdings Medikamente und Therapien gegen diese besondere Form der Angst. (Bild: fotodo/fotolia.com)
Alexander Stindt
Angststörungen sind weiterverbreitet als gedacht
Angst ist zunächst ein durchaus notwendiger und völlig normaler Affekt. Aber was passiert wenn wir dauerhaft unter unseren Ängsten leiden? Dann werden solche sogenannten Angststörungen schnell zu einem ernsthaften Problem. Forscher fanden jetzt heraus, dass Frauen doppelt so häufig an Angststörungen leiden als Männer.

Menschen die ständig unter unbegründeten Ängsten leiden, sind wahrscheinlich an einer Angststörung erkrankt. Wissenschaftler von der angesehenen University of Cambridge stellten jetzt bei einer Untersuchung fest, dass Frauen viel häufiger an Angststörung leiden als Männer. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie jetzt in der Fachzeitschrift „Brain and Behavior“.

Wenn Ängste zum Dauerbegleiter werden bedeutet dies meist, dass Sie unter einer sogenannten Angststörung leiden. Es gibt allerdings Medikamente und Therapien gegen diese besondere Form der Angst. (Bild: fotodo/fotolia.com)
Wenn Ängste zum Dauerbegleiter werden bedeutet dies meist, dass Sie unter einer sogenannten Angststörung leiden. Es gibt allerdings Medikamente und Therapien gegen diese besondere Form der Angst. (Bild: fotodo/fotolia.com)

Menschen in Europa anfälliger für Angststörung als Asiaten
Eine neue Studie zum Thema Angststörungen ergab jetzt einige interessante Ergebnisse. Anscheinend sind Menschen in Nordamerika und Westeuropa anfälliger für Angststörungen als Bewohner aus anderen Ländern in der Welt. In Nordamerika leiden fast acht von 100 Menschen an sogenannten Angststörungen. In Ostasien sind es beispielsweise weniger als drei von 100 Menschen, sagen die Autoren.

Medikamente, Meditation, Yoga und Sport können gegen krankhafte Ängste helfen
Angst ist durchaus wichtig für uns und sollte nicht unterdrückt oder übersehen werden, sagt die Hauptautorin Olivia Remes vom Strangeways Research Laboratory der University of Cambridge. Manche Menschen denken scheinbar, dass die Angst teil ihrer Persönlichkeit ist und das sie nichts dagegen tun könnten, fügt die Forscherin hinzu. Übermäßige Sorge, Angst und Vermeidung von potenziell belastenden Situationen, beispielsweise wie gesellschaftlichen Zusammenkünften, kennzeichnen dabei die sogenannten Angststörungen. Es gibt aber Behandlungen, einschließlich psychologischer Behandlungen und Medikamente, die Menschen helfen können ihre geistige Gesundheit zu stärken. Dazu gehören beispielsweise körperliche Aktivitäten, Meditation und Yoga, erklärt Remes in der Studie.

Macht die Gehirnchemie einen Unterschied bei Angststörungen?
Die Forscher analysierten für ihrer Untersuchung die Daten von mehr als 1.200 veröffentlichten Studien über Angst. Dann konzentrierten sie sich auf 48 der Studien. Aus den Daten ging hervor, dass von 1990 bis zum Jahr 2010 die Gesamtanzahl der Menschen mit Angststörungen etwa gleich geblieben ist, sagen die Wissenschaftler. Etwa vier von einhundert Menschen leiden an dieser Form der krankhaften Angst. Auffällig war dabei, dass Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer unter Angststörungen leiden, erläutern die Mediziner. Die Studie ergab außerdem: Etwa zehn Prozent der Männer und Frauen unter 35 Jahren haben eine Angststörung. Es ist nicht bekannt warum Frauen anfälliger für diese Form der Angst sind. Es könnte bei den Geschlechtern Unterschiede in der Chemie des Gehirns geben, mutmaßte die Hauptautorin Remes.

Menschen mit gesundheitlichen Problemen leiden öfter unter Angststörungen
Frauen leiden auch eher an anderen psychischen Problemen, wie beispielsweise Depressionen. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass Männer sich seltener professionelle Hilfe bei psychischen Problemen suchen, sagen die Experten. Warum junge Menschen öfter Ängste entwickeln, ist noch nicht wirklich bekannt, es kann aber auch einfach nur sein, dass ältere Menschen ihre Ängste einfach besser unterdrücken und verbergen können, fügt die Hauptautorin hinzu. Auffällig war auch: Menschen mit anderen gesundheitlichen Problemen leiden auch eher an Angststörungen. Etwa 70 Prozent der Menschen mit Angststörungen litten auch unter körperlichen Erkrankungen, erklären die Forscher.

Menschen mit Multipler Sklerose sind am stärksten von Angststörungen betroffen
Unter den Menschen mit Herzerkrankungen hatten etwa elf Prozent in den westlichen Ländern eine Angststörung, vor allem Frauen, sagt Remes. Menschen mit Multipler Sklerose sind am stärksten betroffen, nicht weniger als 32 Prozent der Erkrankten leiden unter einer Angststörung. In den Vereinigten Staaten kosten Angststörungen geschätzt 42.000.000.000 $ pro Jahr. In der Europäischen Union leiden ebenfalls mehr als 60 Millionen Menschen unter Angststörungen, erläutern die Experten.

Gesprächstherapie, Medikamente und Lifestyle-Änderungen können Betroffenen helfen
Verschiedene Kulturen gehen unterschiedlich mit Ängsten um. In westlichen Ländern gibt es vor allem eine soziale Angst. Menschen sind besorgt immer unter der Beobachtung von anderen Mitmenschen zu stehen, sagen die Experten. Trotzdem sind die Menschen hier äußerst selbstbewusst. In den asiatischen Kulturen haben die Menschen beispielsweise die Befürchtung, durch ihre Ängste vor anderen Anstoß zu erregen. Angststörungen haben lange Zeit nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten. Es gibt wirksame Behandlungen bei Angststörungen, einschließlich Gesprächstherapie, Medikamenten und Lifestyle-Änderungen. Durch solche Schritte könnte Betroffenen geholfen werden besser mit ihrer Erkrankung umzugehen, sagen die Wissenschaftler.(as)

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