Frauenarzt: Heimliche Fotos von Patientinnen

Heilpraxisnet

Frauenarzt soll jahrelang geheime Aufnahmen von Patientinnen gemacht haben

05.09.2013

Ein Gynäkologe aus Schifferstadt in Rheinland-Pfalz soll jahrelang mit versteckten Kameras intime Aufnahmen von seinen Patientinnen gemacht haben. Nun muss sich der 58-Jährige seit dem heutigen Donnerstag vor dem Landgericht Frankenthal wegen sexuellem Missbrauch und der Verletzung des „höchstpersönlichen Lebensraums durch Bildaufnahmen“ in mehr als 1.400 Fällen verantworten.

2000 Patientinnen fotografiert oder gefilmt?
Ein Albtraum für jede Patientin: Über drei Jahre hinweg soll der Gynäkologe Dr. Joachim K. (58) intime Aufnahmen seiner Patienten gemacht haben. Dem Vorwurf nach soll der Arzt aus Schifferstadt in Rheinland-Pfalz knapp 2000 Patientinnen in der Umkleidekabine und im Untersuchungsraum fotografiert bzw. gefilmt haben. Nun muss sich der Mediziner seit dem heutigen Donnerstag für einen Teil der Fälle vor dem Landgericht Frankenthal dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft Frankenthal stellen, „in dem Zeitraum von Mai 2008 bis August 2011 in Schifferstadt in mehr als 1.400 Fällen den höchstpersönlichen Lebensraum durch Bildaufnahmen verletzt haben“. Zudem wird dem Mann laut der „dpa“ in zehn weiteren Fällen „sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungsverhältnisses“ vorgeworfen, mit der Begründung, den Vaginalbereich der betroffenen Frauen vordergründig zum Zwecke der sexuellen Erregung untersucht zu haben.

Auch die eigene Tochter unter den Betroffenen
Das abscheuliche Vorgehen des Arztes war im Jahr 2011 aufgedeckt worden, nachdem zwei Arzthelferinnen eine Digitalkamera mit den Aufnahmen der Patientinnen entdeckt und daraufhin die Polizei alarmiert hatten. Schon damals hatte der Beschuldigte laut „Spiegel Online“ gegenüber den Ermittlern zugegeben, fast täglich 50 Bilder von fünf bis zehn Patientinnen gemacht zu haben. Dabei waren unter den Betroffenen „auch seine erwachsene Tochter, die den Vater nicht angezeigt hat, Mädchen zwischen 13 und 14 Jahren, betagte Frauen, Schwangere, sogar eine, die aufgrund einer am selben Tag erlittenen Fehlgeburt in die Praxis gekommen war, sowie viele, die seit 20 Jahren die Praxis aufsuchten“, so Spiegel Online weiter.

Angeklagter bittet zum Prozessauftakt um Entschuldigung
Nach Angaben der dpa habe der Angeklagte zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Frankenthal die betroffenen Frauen um Entschuldigung gebeten: „Ich schäme mich“, sagte der 58-Jährige und erklärte das Motiv seines Handelns mit einer „dunklen Seite“ in ihm. Die Videos habe er allerdings laut „Spiegel Online“ den eigenen Angaben zufolge aus „medizinischer Notwendigkeit angefertigt“, sexuell erregt hätten ihn diese nicht. Eine Durchsuchung hatte jedoch bereits damals eine andere Wahrheit ans Licht gebracht, da im Haus des Beschuldigten laut Spiegel Online „Literatur über Fetische sowie eine Tasche gefüllt mit getragener Frauenunterwäsche“ gefunden worden waren, welche er während seiner Zeit als Belegarzt in einem Krankenhaus in Speyer von Patientinnen gestohlen hatte.

Bis zu fünf Jahre Haft und Berufsverbot
Nun drohen dem Arzt bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft, zudem war ihm die Zulassung bereits während der Ermittlungen entzogen worden. Darüber hinaus beantragte die Staatsanwaltschaft ein Berufsverbot.

Advertising

Bild: Michael Grabscheit / pixelio.de