Freigabe der „Pille danach“ gefordert

Nina Reese

Experten empfehlen Aufhebung der Rezeptpflichtig bei der „Pille danach“

15.01.2014

Die „Pille danach“ – ein hormonell wirksames Arzneimittel, dass Frauen verschrieben werden kann, um sich nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen. Experten empfehlen schon seit Längerem, das Präparat von der Verschreibungspflicht zu befreien, da es keine medizinischen Argumente gegen eine Freigabe gäbe, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Anschluss an eine Sitzung des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Inhaltsstoff Levonorgestrel schützt vor ungewollter Schwangerschaft
Frauen, die ohne Verhütung Geschlechtsverkehr hatten und im Anschluss eine Schwangerschaft fürchten, können sich bislang von ihrem Gynäkologen die so genannte „Pille danach“ verschreiben lassen. Dabei handelt es sich um ein hormonell wirksames Arzneimittel, welches durch die Wirkstoffe „Levonorgestrel“ oder „Ulipristal“ eine Schwangerschaft verhindert – vorausgesetzt, die Eizelle hat sich noch nicht in der Gebärmutter eingenistet. Daher bleibt für die Einnahme auch nicht viel Zeit, spätestens 72 Stunden („Levonorgestrel“) bzw. 120 Stunden („Ulipristal“) nach dem Geschlechtsverkehr muss diese erfolgt sein.

Keine medizinischen Argumente gegen eine Entlassung aus der Rezeptpflicht“
Nun fordern Experten erneut die Aufhebung der Verschreibungspflicht des empfängnisverhütenden Präparats. Wie die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, habe das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Anschluss an eine Tagung des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht am Dienstag in Bonn mitgeteilt, „es gebe keine medizinischen Argumente, die zwingend gegen eine Entlassung aus der Rezeptpflicht sprächen.“ Zuvor hatte die Hauptversammlung des Deutschen Apothekertags im September 2013 einen entsprechenden Antrag zur Aufhebung der Rezeptpflicht beschlossen, auch der Bundesrat hatte sich nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) im November letzten Jahres dafür ausgesprochen.

CDU gegen Freigabe
Doch am Ende entscheidet die Politik. Daher bleibe nun abzuwarten, wie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit dieser Empfehlung umgeht, die nun an das Ministerium weitergeleitet wird – denn gerade für die CDU war eine frei zugängliche „Pille danach“ bislang kein Thema. So äußerte beispielsweise die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ihr Vorhaben, Hermann Gröhe „ihre Bedenken“ in Hinblick auf eine Freigabe mitzuteilen, so die „dpa“ weiter. Unterstützung des Freigabe-Plans kommt hingegen aus den Reihen der Grünen: So sei das Ende der Rezept-Pflicht bei der „Pille danach“ nach Ansicht der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) „überfällig“. Der freie Zugang in vielen anderen Ländern habe gezeigt, dass dies problemlos möglich sei, sodass es keine nachvollziehbare Gründe gäbe, warum dies hierzulande nicht auch der Fall sein würde, so die Politikerin gegenüber der dpa.

Apotheker fordern schnelle Umsetzung der Empfehlung
Wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mitteilt, werde die Empfehlung des Sachverständigen-Ausschusses seitens der Apotheker begrüßt: „Die Apotheker erwarten, dass diese Empfehlung schnell umgesetzt und die Arzneimittelverschreibungsverordnung entsprechend geändert wird“, erklärt Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer. Da es aufgrund der kurzen Zeitspanne wichtig sei, „dass die betroffenen Frauen einen raschen und niederschwelligen Zugang zu diesem Notfallkontrazeptivum haben“, müsse laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände jedoch unbedingt die Verfügbarkeit allerorts gewährleistet sein. „Die wohnortnahen Apotheken mit ihrem niedrigschwelligen und flächendeckenden Nacht- und Notdienst können die Patienten kurzfristig versorgen, inklusive der notwendigen Beratung. Apotheker können die Arzneimittelsicherheit gewährleisten und Verantwortung dafür übernehmen, dass Medikamente nicht missbräuchlich angewendet werden“, so Kiefer weiter. (nr)

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Bild: Martin Berk / pixelio.de