Vierlinge von Annegret R.: Zwei Frühchen müssen beatmet werden

Sebastian
Zwei Kinder atmen selbständig, die anderen beiden Babys müssen beatmet werden
Den vier Frühchen der 65-jährigigen Annegret R. geht es den Umständen entsprechend gut. Die Kinder bekommen bereits Muttermilch. „Zwei der Babys atmen spontan, die beiden anderen brauchen noch die Unterstützung einer Maschine“, erklärte Christoph Bührer, Direktor der Charité-Klinik für Neonatologie, im Gespräch. Auch die Vierlingsmutter, die nun 17 Kinder hat, erholt sich gut von der Geburt.

Vierlinge sind „Hochrisikopatienten“
Die Vierlinge, die am 19. Mai per Kaiserschnitt zur Welt kamen, sind aber noch nicht über den Berg, betonen die Ärzte. Neeta, Dries, Bence und Fjonn wurden mit nur 655 bis 960 Gramm und einer Größe von lediglich 30 bis 35 Zentimetern rund 15 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geboren.

Bild: Tobilander/fotolia
Bild: Tobilander/fotolia

„Die Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und eine intensive Behandlung“, berichtet Bührer. Ein Kind musste operiert werden, weil es Löcher im Dünndarm hatte. „Eigentlich die Fitteste von allen Vieren“. Sie habe den Eingriff gut überstanden, es gehe ihr „ganz prima“. Die Ärzte der Charité betonten aber zugleich, dass die Kinder weiterhin zu den „Hochrisikopatienten“ zählen. Das Risiko für bleibende Schäden oder Entwicklungsverzögerungen sei hoch.

Die Kinder erhalten bereits Muttermilch, die tröpfchenweise und per Magensonde zugeführt wird. Die Milch stammt zum Teil von Annegret R. und teilweise von Spenderinnen. „Erstaunlicherweise funktionierte das bei der Mutter ganz ohne Hormongabe. Jetzt pumpt sie ab“, erläutert Wolfgang Henrich, Direktor der Charité-Klinik für Geburtsmedizin, gegenüber der Nachrichtenagentur.„Vierlinge kommen im Mittel acht bis zehn Wochen zu früh zur Welt. Hier waren es fast 15 Wochen. Sie sind alle ganz zerbrechlich, aber ganz süß“, berichtet Bührer. Bis zum eigentlichen Geburtstermin werden sie aber noch in der Klinik bleiben.

Vierlingsmutter erholt sich gut von der Geburt
Annegret R. erholt sich den Ärzten zufolge gut von Schwangerschaft und Geburt. „Sie stellte sich uns nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel vor. Alles war völlig zeitgerecht und unauffällig“, so Henrich. Der große Ultraschall in der 22. Schwangerschaftswoche war ohne Auffälligkeiten. „Wir wissen aber, dass das gesundheitliche Risiko bei Mehrlingsschwangerschaften deutlich höher ist, die Gefahr für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes oder Thrombosen gesteigert.“

Annegret R. sei am Tag vor der Geburt in der Klinik gekommen, da sie an Bluthochdruck litt und es ihr nicht gut ging. Im weiteren Verlauf setzen vorzeitige Wehen ein. „Für uns blieb trotzdem noch genug Zeit, die Entbindung gründlich vorzubereiten“, berichtet Henrich. Vier mehrköpfige OP-Teams waren zur Stelle. Noch im Mutterleib wurde den Kindern ein Mittel zur Lungenreifung gespritzt. „Dann haben wir die vier am Dienstag um 11 Uhr im Minutentakt auf die Welt geholt“, erzählt der Arzt. Der OP-Saal und die Räume für die Vierlinge wurden zuvor auf 37 Grad geheizt. Insgesamt verlief die Geburt ohne größere Schwierigkeiten.

Während die Kinder weiterhin in der Neonatologie versorgt werden, konnte Annegret R. nach zwei Tagen auf der Intensivstation auf die Geburtsstation verlegt werden. „Sie hat sich exzellent erholt und ist heute mehrmals täglich bei ihren Kindern“, so Henrich. Sie kann die Klinik voraussichtlich Ende der Woche verlassen. „Es geht mir jeden Tag besser“, berichtete die Vierlingsmutter gegenüber „RTL“. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass sie noch länger da drinbleiben“, sagte sie über die Frühgeburt. Die Kinder wirkten sehr klein und zerbrechlich. „Das ist natürlich ungewohnt, so zarte Gliedmaßen auch anzufassen und so einen zarten Körper.“

Ärzte äußern keine Kritik an der späten Vierlingsschwangerschaft
Die Ärzte der Charité übten keine Kritik an der Art der Zeugung der Vierlinge. „Für uns steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt“, betont Bührer. Auch Heinrich äußert sich nicht negativ. „Wir müssen aber eine gesellschaftliche Diskussion führen mit dem unbedingten Ziel, Frauen das Kinderkriegen in einer früheren Lebensphase zu erleichtern.“

Annegret R. hatte sich in der Ukraine Embryonen einpflanzen lassen, die aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugt wurden. Die nun 17-fache Mutter und bereits siebenfache Großmutter entschied sich zu der künstlichen Befruchtung, weil sich ihre jüngste Tochter Leila (9 Jahre) noch ein Geschwisterchen wünschte. (ag)