Frühchen mit Lungenvirus infiziert

Fabian Peters

RS-Virus-Epidemie auf der Frühchenstation eines Berliner Klinikums

07.01.2013

Derzeit grassiert laut Medienberichten auf der Frühchenstationen im Vivantes Klinikum Berlin das Respiratory-Synzytial-Virus (RS-Virus), welches insbesondere bei Babys und Kleinkindern bedrohliche Atemwegerkrankungen auslösen kann. Laut Angaben der Tageszeitung „B.Z.“ sind zehn Kinder in dem Klinikum an einer Infektion mit dem RS-Virus erkrankt. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Vivantes Klinikum Friedrichshain, Hermann Girschick, bestätigte gegenüber dem Blatt die RS-Virus-Epidemie und betonte, dass hier von einem „generellen berlinweiten Problem“ auszugehen sei.

Zwar ist das RS-Virus für Erwachsene und gesunde Kinder keine besondere gesundheitliche Bedrohung, doch Frühchen unterliegen einem erhöhten Risiko, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist. Die Erreger verursachen eine grippeähnliche Infektion, mit typischen Erkältungssymptomen wie Fieber, Schnupfen und Husten bis hin zu einer Mittelohrentzündung oder einer akuten Bronchitis. Um eine weitere Ausbreitung der Erreger im Vivantes Klinikum zu vermeiden, wurden die infizierten Kinder isoliert und umfassende Hygienemaßnahmen durchgeführt. Die Erreger sind jedoch äußerst leicht übertragbar, da sie zum Beispiel auf Oberflächen von Einweghandschuhen und Stethoskopen mehrere Stunden überleben können. Das Robert-Koch-Institut erklärt hierzu: „RSV kann in respiratorischem Sekret 20 Minuten auf Händen überleben, 45 Minuten auf Papierhandtüchern und Baumwollkitteln und bis zu mehreren Stunden auf Einmalhandschuhen, auf Stethoskopen und auf Kunststoffoberflächen.“

RS-Viren sind laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) einer der „bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und Kleinkindern.“ Ihre Verbreitung in der Allgemeinbevölkerung sei lange Zeit unterbewertet worden. Heute geht das RKI "weltweit von einer Inzidenz von 48,5 Fällen und 5,6 schweren Fällen pro 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr" aus. Rund "zwei Prozent der RSV-Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern" verlaufen laut Angaben des RKI tödlich. In Europa seien die RS-Virus-Infektionen vermehrt von November bis April zu beobachten. Dem RKI zufolge gelten RS-Virus-Infektionen bei älteren Säuglingen und Kleinkindern als „häufigste Ursache von Erkrankungen des unteren Respirationstraktes“ und hiermit verbundenen Krankenhauseinweisungen. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres hätten nahezu alle Kinder mindestens eine Infektion mit RS-Viren durchgemacht. Außerdem seien RS-Viren „einer der wichtigsten Erreger einer nosokomialen Infektion (Krankenhausinfektion) und Pneumonie (Lungenentzündung) bei Säuglingen und jungen Kleinkindern.“ (fp)

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