Frühe Karies: Schon Milchzähne müssen äußerst gründlich gereinigt werden

Nina Reese
Experten warnen vor Spätfolgen durch Kinderkaries
Gesunde Milchzähne sind sehr wichtig für Kinder. Denn diese fördern unter anderem das Erlernen der Sprache, sorgen dafür, dass der Kiefer richtig wächst und sich das bleibende Gebiss gut entwickelt. Dementsprechend wichtig ist es, bei Kindern so früh wie möglich mit der regelmäßigen und gründlichen Mundhygiene zu beginnen. Experten erläutern, wie die Milchzähne am besten gepflegt werden und worauf Eltern achten sollten.

Mangelnde Zahnpflege kann böse Folgen haben
Zahnärzte betonen immer wieder, wie wichtig eine gründliche Zahnpflege bereits im Kleinkindalter ist. Denn werden die Milchzähne nicht richtig gepflegt, kann das gravierende Folgen für die gesunde Entwicklung des Kindes haben, wie zum Beispiel spätere Zahnfehlstellungen, Wachstums- oder Sprachstörungen, erläutert die Bundeszahnärztekammer in einer Pressemitteilung.

Eltern sollten schon bei ihren Kleinkindern auf eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene achten, um Karies zu verhindern. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Karies durch gesüßte Getränke aus Nuckelflaschen
Viele Eltern nehmen die Zahnpflege ihrer Kinder jedoch nicht ernst genug. „Es ist eine traurige Tatsache, dass deutschlandweit bei den unter dreijährigen Kindern schon 15 Prozent von Karies betroffen sind“, so Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Die frühkindliche Karies betreffe dabei alle Bevölkerungsgruppen, besonders häufig jedoch Familien in sozial schwierigen Lebenslagen, ergänzt der Experte. Hervorgerufen werde die frühkindliche Karies demnach durch die Kombination aus übermäßigem Trinken von zucker- und säurehaltigen Getränken z.B. aus Saugerflaschen, und mangelnder Mundhygiene im frühen Kindesalter.

Zahnverlust begünstigt spätere Fehlstellungen
Ist ein Zahn so geschädigt, dass er frühzeitig ausfällt oder gezogen werden muss, hat das Folgen für das gesunde Wachstum der bleibenden Zähne, erklärt Darjusch Haßfurther, Zahnarzt im Jugendzahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamts der Stadt Oldenburg, im Gespräch mit der „NWZ Online“. „Ein vorzeitig verlorener Milchzahn kann seine Platzhalterfunktion nicht mehr erfüllen, so dass die natürliche Entwicklung der bleibenden Zahnreihe in Unordnung gerät.“ Für das Kind könne dies unter anderem spätere Zahnfehlstellungen bedeuten, die zum Teil kieferorthopädisch korrigiert werden müssten, so Haßfurther.

Baby schon vor dem ersten Zahn an Mundhygiene gewöhnen
Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Eltern daher schon bei den ganz Kleinen mit der richtigen Mundhygiene beginnen. Schon bevor der erste Milchzahn sichtbar wird, können Eltern ihr Baby langsam an das Zähneputzen gewöhnen, indem sie vorsichtig mit dem Finger über den Kieferkamm streichen.

Ist das erste Zähnchen da, empfiehlt sich das Putzen mit einer weichen Kinderzahnbürste. Zu Beginn kann z.B. auch ein Wattestäbchen oder feines Baumwolltuch zum Einsatz kommen, erklärt Haßfurther: „Entscheidend ist eine regelmäßige Zahnpflege. Auch die Milchzähne müssen jeden Tag zweimal geputzt werden.“ Mindestens einmal am Tag sollte eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwendet werden, um die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegen Kariesbakterien zu erhöhen.

Zahnentwicklung individuell verschieden
Die Milchzähne zeigen sich normalerweise im 6. bis 7. Lebensmonat. Bei den meisten Babys brechen zuerst die unteren Schneidezähne durch, nach und nach kommen dann die Backen- und Eckzähne hinzu, bis das kindliche Gebiss am Ende 20 Zähnchen umfasst. Diese werden zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr durch die bleibenden Zähne ersetzt. Die Milchzähne fallen normalerweise von alleine aus und machen dadurch den neuen Zähnen Platz, welche im Idealfall das ganze Leben lang erhalten bleiben. Wie sich das Milchzahngebiss entwickelt, welche Zähne zuerst durchbrechen und in welcher Reihenfolge, das kann von Kind zu Kind ganz unterschiedlich sein. Auch wenn das Kind erst mit einem Jahr den ersten Zahn bekommt, ist das kein Grund zur Sorge.

Nachputzen wichtig
In den ersten Jahren sollten Eltern jedes Mal nachputzen, da den Kindern noch das motorische Geschick fehlt, um alle Zahnputzbewegungen richtig auszuführen. Im sechsten Lebensjahr ist es außerdem ratsam, regelmäßig hinter die Milchzahnreihe zu schauen um zu prüfen, ob sich dort eventuell schon ein neuer Zahn „versteckt“ hat.

Sehr wichtig ist es für eine gesunde Zahnentwicklung ist es, die Kleinen schon früh an den Zahnarztbesuch zu gewöhnen, betont Darjusch Haßfurther: „Am besten ist, das Kind vom ersten Zahn an zu den eigenen Untersuchungen in die Praxis mitzunehmen.“ Der Arzt könne dabei schon durch einen schnellen Blick auf das Gebiss des Kindes erkennen, in welchem Zustand sich dieses befindet.

Der Vorteil: Wird bei einer solchen Kontrolle frühzeitig Karies entdeckt, könne diese unkompliziert entfernt werden. Durch die frühe Gewöhnung könne zudem eine spätere Zahnarztangst vermieden werden: „Wenn die Kinder gelernt haben, dass ein Zahnarztbesuch entspannte und freundliche Routine ist, haben sie kein Problem damit, ihre Eltern zu begleiten oder den Termin später selbst wahrzunehmen“, erklärt Haßfurther.

Zuckerhaltige Nahrungsmittel vermeiden
Der Ernährung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle für die gesunde Entwicklung von Kinderzähnen und den Schutz vor Karies. Trinkt ein Kleinkind beispielsweise ständig gezuckerten Tee aus dem Fläschchen, werden die Zähne ununterbrochen geschädigt. Die ganz Kleinen sollten daher möglichst gar keine zuckerhaltigen Getränke wie süßen Tee oder Fruchtsaft bekommen.

Ebenso gilt es, darauf zu achten, dass Kinder nicht zu viele Süßigkeiten essen. Was viele Eltern nicht wissen: Auch Milch schadet den Milchzähnen. Denn werden die Zähne ständig damit umspült, kann der enthaltene Milchzucker (Laktose) mit der Zeit die Zähne schädigen. Kinder sollten daher möglichst oft einfach Wasser oder ungesüßten Tee trinken. (nr)