Frühe Pubertät ist nicht krankhaft

Astrid Goldmayer

Pubertät mit acht oder neun Jahren ist meist keine Krankheit

25.09.2013

Wenn die Pubertät bei Kindern bereits im Alter von neun Jahren oder sogar früher einsetzt, sind viele Eltern verunsichert. Doch eine Krankheit steckt häufig nicht dahinter, wie Experten erläutern. Demnach ist es ganz normal, dass Kinder heute früher in die Pubertät kommen. Studien zufolge spielt sowohl die ethnische Herkunft als auch das Einsetzen der Pubertät bei den Eltern ein Rolle. Waren Mutter oder Vater „Frühstarter“, zeigen häufig auch Kindern früh die typischen Anzeichen der Pubertät.

Frühe Pubertät kann für Kinder sehr belastend sein
Die Pubertät kann eine sehr belastende Zeit für Jugendliche sein. Denn auf dem Weg vom Mädchen zur Frau oder vom Jungen zum Mann treten nicht nur große körperliche Veränderungen ein. Die Psyche unterliegt ebenfalls meist einer erhöhten Belastung. Das bestätigt auch Karina Weichold, Entwicklungspsychologin an der Universität Jena. Vor allem Frühreife könne psychosoziale Konsequenzen nach sich ziehen. „Wenn etwa kleine Mädchen pubertätsbedingt anders als die Freundinnen schon früh mit Fettpölsterchen zu kämpfen haben, fördert dies emotionale Problematiken wie mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen oder Angststörungen", berichtet die Expertin gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Zudem könne eine früh einsetzende Pubertät zu frühen sexuellen Kontakten sowie zu Alkoholmissbrauch führen. Weichold rät Eltern dazu, stets einen guten Kontakt zu ihren Kindern zu wahren und frühzeitig über Aufklärung zu sprechen. „Wenn von Anfang an eine gute Gesprächskultur entwickelt wird und die Kinder freiwillig von sich erzählen, was sie in der Schule und der Freizeit erleben, dann ist das ein sehr wichtiger Schutzfaktor gegen viele verschiedene Problemverhaltensweisen.“

Pubertät setzt heute meist kurz vor dem elften oder zwölften Lebensjahr ein
Zu den äußerlichen Anzeichen der Pubertät gehört bei den Mädchen das Wachstum der Brust. Bei den Jungen vergrößert sich das Hodenvolumen und der Penis nimmt allmählich zunächst an Umfang, dann auch an Länge zu. „Im Mittel setzt die Pubertät in Deutschland bei Mädchen kurz vor dem elften und bei Jungen kurz vor dem zwölften Lebensjahr ein", berichtet Professor Olaf Hiort, Leiter des Hormonzentrums für Kinder- und Jugendliche des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, gegenüber der Nachrichtenagentur. „Es gibt aber eine große Schwankungsbreite."

Wann genau die Pubertät einsetzt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einerseits hat die ethnische Herkunft Einfluss auf den Hormonhaushalt der Jugendlichen, andererseits scheint sich der Pubertätsbeginn auch „zu vererben“. Denn wenn die Eltern früh die Geschlechtsreife erlangten, gehören meist auch die Kinder zu den „Frühstartern“. Darüber hinaus gelten die Lebensgewohnheiten, Ernährung und Stress innerhalb der Familie als beeinflussende Faktoren.

Wann wird frühe Pubertät zur Krankheit?
„Wenn die Mädchen mehr als acht und die Jungen mehr als neun Jahre alt sind, dann ist das eher nicht der Fall, dann ist es in der Regel eine frühe normale Pubertät", erläutert Hiort. Wenn der Beginn der Pubertät bei Mädchen vor dem achten und bei Jungen vor dem neunten Geburtstag einsetzt, handelt es sich um eine vorzeitige Pubertät. Dann ist auch eine Erkrankung als Auslöser möglich. Eine vorzeitige Pubertät kann unter anderem gemeinsam mit Kleinwüchsigkeit auftreten. Neben der körperlichen Belastung – vor allem bei sehr jungen Kindern – kann auch die Psyche leiden. Wie der Mediziner erläutert, seien Kinder häufig damit überfordert, wenn die körperlichen Veränderungen sehr früh einsetzten.

Bevor über eine hormonelle Behandlung des Kindes nachgedacht wird, sollte aber in jedem Fall geklärt werden, ob tatsächlich ein krankhafter Befund besteht. Darauf weist auch Esther M. Nitsche, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin und zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland, gegenüber der Nachrichtenagentur hin. Sie berichtet, dass viele Eltern bei einer vorzeitigen Pubertät ihrer Kinder verunsichert seien und deshalb auf eine Hormon-Therapie drängten. „Mit einer Behandlung greifen wir massiv in den Hormonhaushalt ein", warnt Nitsche. „Es ist immer schwer, gerade bei den Mädchen, die Erste zu sein, zumal man die Veränderungen auch sieht.“ Zudem steige die Missbrauchsgefahr. Auch Stimmungsschwankungen würden vielen Mädchen und Jungen in dieser Lebensphase zu schaffen machen, berichtet Nitsche.

Naturheilkunde bei Pickeln und Wachstumsschmerzen in der Pubertät
Zu den typischen Beschwerden während der Pubertät gehören unter anderem Wachstumsschmerzen und Pickel. Anstelle der „Hormonkeule“ können natürliche Hausmitteln zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. So können Wachstumsschmerzen in der Homöopathie vor allem mit Acidum phosphoricum oder Calcium phosphoricum in den Potenzen D6 bzw. D12 gelindert werden. Letzteres kann zudem auch als Mineralstoff nach Schüßler eingenommen werden. Zur äußerlichen Anwendung eignen sich Umschläge mit Schwedenbitter, die auf die schmerzenden Glieder gelegt werden.

Als Hausmittel gegen Pickel und Mitesser werden Masken und Packungen mit Heilerde empfohlen. Die Heilerde saugt die Giftstoffe dabei regelrecht auf und kann Entzündungen abmildern oder im Vorfeld verhindern. Auch der Saft der Aloe soll gegen Pickel und unreine Haut wirken, wenn er abends dünn aufgetragen wird. Gänseblümchen haben eine entzündungshemmende Wirkung und können zuhause zu einer Tinktur für die Haut verarbeitet werden. Dafür werden die Köpfe von etwa 100 Gänseblümchen in 100 Milliliter 40-prozentigen Alkohol eingelegt. Nach drei bis vier Wochen kann die Tinktur direkt auf die Pickel getupft werden. (ag)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de