Früher sterben durch viel Milch?

Heilpraxisnet

Milchkonsum bietet keinen Schutz vor Knochenbrüchen

29.10.2014

Einer im British Medical Journal veröffentlichten schwedischen Langzeitstudie der Universität Uppsala zufolge stimmt das gängige Klischee, "Milchkonsum würde die Knochen stärken" nicht. Offenbar sei das Gegenteil der Fall. So hätten z.B. Frauen die viel Milch konsumieren häufiger Knochenbrüche gehabt und die Lebenserwartung sei sowohl bei Männern als auch bei Frauen niedriger gewesen, als bei Vergleichspersonen mit niedrigerem Konsum.

Laktose könnte Entzündungen begünstigen
Als mögliche Ursache sehen die Forscher die in der Milch enthaltene Laktose, die Entzündungen hervorrufen könne, wobei sie betonten, dass diese aber nicht nachgewiesen sei. Da ihre Vermutungen lediglich statistisch begründet seien, sehen sie von konkreten Ernährungsempfehlungen derzeitig ab. „Unsere Ergebnisse könnten die Gültigkeit von Empfehlungen in Frage stellen, nach denen ein hoher Milchkonsum Knochenbrüche im Alter verhindern kann“, schreiben Karl Michaëlsson von der Universität Uppsala und seine Kollegen.

Basis der Erkenntnisse sind zwei geschlechtsspezifische Langzeitstudien über die Ernährungs- und Lebensweise von Männern und Frauen. Eine Stärkung der Knochen, wie früher angenommen, konnte in keiner der beiden Gruppen festgestellt werden. Bei Frauen erhöhte sich der Anteil der Knochenbrüche mit steigendem Milchkonsum sogar. Zudem sank sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Lebenserwartung wie „Wissenschaft aktuell“ weiter berichtet. Bei Milchprodukten dagegen konnten derartige Entwicklungen nicht festgestellt werden. Hier sanken das Bruchrisiko und die Lebenserwartung erhöhte sich.

Hieraus ergibt sich für die Forscher der Ansatz, dass "Laktose ursächlich für die erhöhten Bruchrisiken und die sinkende Lebenserwartung sein könnte, denn Laktose ist in Milchprodukten kaum enthalten, während Milch das Lebensmittel mit dem höchsten Laktoseanteil überhaupt ist".

Aus der Laktose entsteht im Stoffwechselprozess dann Galaktose, die sich bei Tierversuchen als verantwortlich für chronische Entzündungen, Nervenschäden, Schäden am Immunsystem erwiesen hat und außerdem schneller altern lässt. Allerdings ist nicht bewiesen, ob dies auch beim Menschen so ist. So könnten Menschen "aufgrund der bisher gängigen Annahme, Milch helfe Osteoporose vorbeugen, beispielsweise deshalb viel Milch trinken, weil sie eine erhöhtes Ostereoporoserisiko haben". Dazu Michaelsson: „Angesichts der Tatsache, dass die bei der Studie aufgetretenen Phänomene auch auf einer Umkehrung von Ursache und Wirkung beruhen können, wird eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse empfohlen.“ (jp)

Bild: Timo Klostermeier / pixelio.de