FSME und Borreliose durch Zeckenbisse

Fabian Peters

Frühsommer-Meningoenzephalitis und Borreliose durch Zeckenbisse

21.03.2011

Das Risiko von Zeckenbissen nimmt mit dem einsetzenden Frühlingswetter deutlich zu. Damit erhöht sich auch die Gefahr einer Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), warnt die Universität Hohenheim.

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Bei einem Zeckenbiss (auch Zeckenstich) können Krankheitserreger übertragen werden, die Borreliose oder eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns / der Hirnhäute) auslösen. Beide Erkrankungen können für die Betroffenen erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen und sollten dringend medizinisch behandelt werden.

FSME hat langwierige gesundheitliche Folgen
Die Krankheitserreger gelangen bei einem Zeckenbiss in die Wunde des Wirtes, da Zecken während des Saugvorgangs die unverdaulichen Nahrungsreste des Blutes wieder in die Wunde zurückgeben. Es drohen Borreliose- und FSME-Erkrankungen mit entsprechend langfristigen gesundheitlichen Folgen. Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologie an der Städtischen Klinik Pforzheim erklärte, dass beispielsweise „rund 70 Prozent der FSME-Patienten (…) langwierige Folgeschäden“ erleiden. Den anfänglichen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen können erhebliche gesundheitliche Schäden, wie Lähmungen, Atemprobleme, Bewusstseinsstörungen, Sprach- und Gleichgewichtsstörungen bis hin zum Koma oder Tod folgen. „Die Hälfte der Patienten litten auch zehn Jahre nach der Infektion an Lähmungen, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Schluck- und Sprechstörungen“, erklärte der Chefarzt der Neurologie unter Bezug aus die Ergebnisse einer aktuellen Langzeitstudie. Darüber hinaus seien 30 Prozent der Studienteilnehmer binnen zehn Jahren an den Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis verstorben, berichtete Dr. Reinhard Kaiser letzte Woche auf einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim.

Zeckenschutz bei Aufenthalt im Freien geboten
Nach einer Infektion mit FSME durch einen Zeckenbiss leiden vor allem Patienten, bei denen neben dem Gehirn auch das Rückenmark betroffen ist, unter besonders starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, erklärte Dr. Kaiser. Insgesamt seien in der auf über zehn Jahre angelegten Langzeitstudie nur rund 20 Prozent der FSME-Patienten wieder vollständig genesen. Mit der wärmeren Jahreszeit sollten daher insbesondere Menschen, die sich viel im freien aufhalten, wieder intensiver auf mögliche Zeckenbisse achten. Bei der Heimkehr ist das Absuchen des Körpers nach den kleinen Blutsaugern angesagt. Auch bieten langärmeligen Oberteilen, lange Hosen und festes Schuhwerk einen relativ guten Zeckenschutz. Entgegen der verbreiteten Annahme, dass Zecken sich von den Bäumen fallen lassen, ist das Risiko auf Gras und Wiesen am höchsten. Wer einen Zeckenbiss bei sich bemerkt, sollte nach Empfehlung der Experten keinesfalls mit Öl, Klebstoff oder Alkohol versuchen die Zecke zu entfernen. Stattdessen ist die Zecke mit einer feinen Pinzette möglichst ohne Drehbewegungen vorsichtig herauszuziehen. Sollten sich Betroffene dies nicht zutrauen, rät Dr. Kaiser dringend zum Besuch beim Arzt.

Borreliose-Infektionen durch Zeckenbisse
Ein Arzt sollte außerdem konsultiert werden, wenn nach einem Zeckenbiss die grippeähnlichen Anzeichen einer FSME-Erkrankung – wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – auftreten oder sich um die Einstichstelle ein großer roter Fleck bildet. Dieser ist das typische Anzeichen einer Borreliose-Erkrankung. Bei einer Borreliose-Infektion folgen neben der möglichen Hautrötung innerhalb von zwei Wochen nach dem Zeckenbiss ebenfalls grippeähnliche Symptome, die sogenannten „Borreliose-Grippe“. Oft sind außerdem erhebliche Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühle sowie Gelenk- und Gliederschmerzen festzustellen. Da Borreliose sich zu einer chronischen Erkrankungen manifestieren kann, ist möglichst bereits in der Anfangsphase der Erkrankung eine medizinische Behandlung einzuleiten. Dabei können mit Antibiotika relativ gute Erfolge erzielt werden, die bei ausreichend hoher und langer Dosierung Heilung versprechen.

Chronische Borreliose als mögliche Folge
Über die Höhe und Dauer der Antibiotika-Dosierung zur Borreliose-Behandlung ist sich die Fachwelt bis heute nicht einig. Bleibt die Borreliose jedoch unbehandelt, können die Erreger anfangen im Körper zu streuen und zahlreiche weiterer Symptomen wie beispielsweise wechselnde Gelenkschmerzen, Störungen des Tastsinns, Sehstörungen und Herzproblemen ausgelöst werden. Die Borreliose-Erreger befallen dabei nicht nur weitere Organe, Gelenke und Muskeln sondern auch das zentralen und peripheren Nervensystem. Erfolgt auch in dieser zweiten Phase der Borreliose keine erfolgreiche Behandlung, geht die Erkrankung in ein chronisches Stadium mit stetig wiederkehrenden Symptomen über. Daher ist den Experten zufolge bereits bei den kleinsten Merkmalen einer Borreliose unverzüglich medizinische Versorgung geboten.

Schutzimpfung gegen FSME
Das Risiko einer Borreliose nach einem Zeckenbiss lässt sich kaum beeinflussen, doch FSME könne mit Hilfe einer Schutzimpfung vorgebeugt werden, erklärte Dr. Kaiser im Rahmen der Pressekonferenz an der Universität Hohenheim. Dabei seien mögliche Impfkomplikationen gegenüber den massiven gesundheitlichen Risiken einer FSME-Erkrankung praktisch zu vernachlässigen, denn „mit 1,5 Fällen pro einer Million Impfungen sind Komplikationen extrem selten“, betonte Dr. Kaiser. Allerdings ist angesichts des minimalen Erkrankungsrisikos auch der Nutzen einer Schutzimpfung ein wenig in Frage zu stellen. Laut Dr. Isolde Piechotowski vom Landesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren werden in Baden-Württemberg jährlich jährlich etwa 100 bis 150 Fälle von FSME gemeldet. Damit ist das FSME-Risiko deutschlandweit in Baden-Württemberg eindeutig am höchsten und dennoch ist die Anzahl der Erkrankungen relativ überschaubar. Wer nicht in einem besonderen Risiko-Gebiet lebt und sich selten im Freien aufhält, dem verspricht eine FSME-Schutzimpfungen daher nur wenig Nutzen. Lesen Sie auch Zeckenbisse vorbeugen. (fp)