Für wenn lohnt der Wechsel in die PKV?

Heilpraxisnet

Finanzexperten: Wechsel in die Private Krankenversicherung lohnt nicht für jeden Versicherten

21.03.2011

Der Krankenversicherungswechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung ist seit Wochen ist in aller Munde. Nicht ohne Grund. Denn seit Beginn des Jahres wurde der Wechsel deutlich vereinfacht und für die privaten Versicherungen (PKV) winken zahlreiche Neuabschlüsse, für die Vermittler vielversprechende Provisionen. Bundesversicherungsamt und der Bund der Versicherten warnen vor einem unüberlegten Wechsel.

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Doch welche Vorteile ein Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wirklich mit sich bringt, ist je nach individueller Situation der Wechselwilligen äußerst unterschiedlich. Faktoren wie Einkommen, Alter, berufliche und familiäre Perspektiven bestimmen maßgeblich, ob eher die private oder eher die gesetzliche Krankenversicherung für die persönliche Absicherung geeignet ist.

Wechsel in die PKV lohnt für junge und gesunde Menschen
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die privaten Krankenversicherungen (PKV) insbesondere für alleinstehende, gesunde, gut verdienende, junge Menschen teilweise äußerst lukrative Verträge anbieten. Diese bleiben jedoch nicht ein Leben lang auf dem gleichen Niveau und mit Änderung der persönlichen Lebensverhältnisse und des eigenen Gesundheitszustandes ändern sich auch die zu zahlenden Beiträge erheblich. Kritiker sehen hier eine Kostenfalle die oftmals erst nach Jahren zuschnappe, wenn die privat Versicherten im Rentenalter weniger Einkommen zur Verfügung haben und die Beiträge aufgrund der schlechter werdenden Gesundheit stetig steigen. Zwar können die erleichterten Wechselmöglichkeiten im Zusammenspiel mit den Nachteilen der gesetzlichen Krankenversicherungen (Höhere Kosten zuzüglich Zusatzbeiträge, schlechtere medizinische Versorgung) eine Wechsel durchaus attraktiv erscheinen lassen, doch der Knackpunkt stecke wie so oft im Detail.

Bundesversicherungsamt warnt vor voreiligem Wechsel
Sowohl das Bundesversicherungsamt als auch der Bund der Versicherten warnen daher vor einem übereilten Krankenversicherungswechsel. Die Betroffenen sollten gründlich abwägen und sich der Konsequenzen bewusst sein. Denn eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist nach dem Wechsel in die PKV ausgeschlossen. Vor allem für gut verdienende Beamte kann sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung lohnen. Auch für Selbstständige mit hohem Einkommen bietet die PKV mitunter einen besseren Versicherungsschutz. Wer jedoch seine Kinder mit versichern möchte, ist in den meisten Fällen in der gesetzlichen Krankenversicherung besser aufgehoben, auch wenn hier der Vergleich mit der PKV trotzdem lohnen kann. Angestellte können seit Januar 2011 in die private Krankenversicherung wechseln, sobald ihr Jahreseinkommen einmalig die Grenze von 49.500 Euro überschritten hat. Dies gilt auch, wenn die Versicherten zuvor einen Wahltarif bei ihrer gesetzlichen Versicherung abgeschlossen haben, der eigentlich eine längere Laufzeit vorsah. Die gesetzlichen Versicherungen können ihren Mitgliedern einen Wechsel nicht untersagen, sobald die vom Gesetzgeber vorgesehenen Bedingungen erfüllt werden. Allerdings gilt eine Frist von zwei Wochen nach Mitteilung durch die Versicherung innerhalb derer sich die Betroffenen von ihrem Versicherungsschutz befreien lassen müssen, ansonsten gilt die Mindestbindungszeit des Wahltarifs.

Keine Eile beim Wechsel
Zwar kann sich ein Krankenversicherungswechsel durchaus lohnen, doch von der aktuellen Hysterie um die Möglichkeiten zum Wechsel sollten sich Personen, die sämtliche Ausgangsbedingungen erfüllen, möglichst nicht beeinflussen lassen. Ruhiges Abwägen und ein gründlicher Vergleich der Anbieter ist geboten. Dabei sollte stets im Hinterkopf behalten werden, dass die privaten Krankenversicherungen natürlich ein ureigenes Interesse daran haben, dass Thema in der Öffentlichkeit zu halten, um möglichst viele potentielle Neukunden für einen Wechsel zu interessieren. Die häufig propagierte Eile ist hier jedoch der falsche Weg, da der Versicherungswechsel meist eine lebenslange Entscheidung ist und die Konsequenzen vor allem im Alter zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden können. Vielen ist zum Beispiel nicht klar, dass ein Wechsel von der gesetzlichen Krankenkasse in die PKV einen quasi lebenslangen Ausschluss aus der GKV bedeutet. Wer einmal gewechselt hat, dem ist der Weg zurück für immer versperrt. Zudem kennt die PKV verschiedene soziale Leistungsspektren nicht, die bei der GKV eine Selbstverständlichkeit darstellen. So gibt es bei den privaten Anbietern keine kostenlose Familienversicherung, keine Mutter-Kind-Kuren keine Mitversicherung des Nicht-erwerbstätigen Ehepartners.

Wechsel lohnt für hohe Einkommensgruppen
Wer allerdings über ein stabiles und überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügt, kann durchaus viel Geld durch einen PKV- Abschluss sparen und genießt zudem Gesundheitsleistungen wie Chefarztbehandlung oder Heilpraktiker-Therapien. Bevor jedoch ein Vertrag unterschrieben wird, sollte die Vertragsklauseln genau studiert und unabhängig von der Versicherung oder Makler geprüft werden. Gegen einen Unkostenbeitrag von 18 Euro bietet die Stiftung Warentest eine individuelle Auswertung an. Besonders bei Billigtarifen ist Vorsicht geboten. Oft bieten diese Tarife kaum Leistungen und erfordern einen hohe Selbstbehalt. (fp,sb)