Fußballfans: Puls kann Höchstwerte erreichen

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WM-Gucken: Puls von Fußballfans kann Höchstwerte erreichen

01.07.2014

Für viele Anhänger der deutschen Fußballnationalmannschaft dürfte der Sieg des DFB-Teams gegen die algerische Mannschaft extrem aufreibend gewesen sein. Und auch bei anderen Spielen kann beim WM-Gucken der Puls von Fußballfans gefährlich hoch schnellen. Ein Herzspezialist rät in einem Interview zur Besonnenheit.

Pulswerte von Fans können Höchstwerte erreichen
Der Sieg der DFB-Elf gegen Algerien gestern Abend dürfte für viele deutsche Fußballfans extrem aufreibend gewesen sein. Auch bei anderen Spielen kann bei strittigen Entscheidungen, Verlängerung oder Elfmeterschießen der Puls der WM-Gucker in die Höhe getrieben werden. Vor allem bei den K.-o.-Spielen der Fußball-WM können die Pulswerte eingefleischter Fans Höchstwerte erreichen. Und die Kombination von Alkohol und Stress ist gesundheitlich besonders riskant. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa rät der Herzspezialist Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln Menschen mit einer Vorerkrankung zu Besonnenheit, damit dies nicht kritisch wird: „Im Extremfall auch mal weg vom Fernseher“, so der Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin.

Pulsschlag wie bei sportlicher Höchstleistung
Bei gesunden Menschen liegt der Ruhepuls bei 50 bis 80 Schlägen und bei leichtem Joggen schlägt das Herz 120 Mal in der Minute. Doch „Untersuchungen zeigen, dass der Pulsschlag eines echten Fans während solcher dramatischen Ereignisse, wie eben einem K.-o.-Spiel mit Verlängerung und Elfmeterschießen, tatsächlich Werte von 160, 170 bis zu 200 Schlägen pro Minute erreichen kann – also Werte, die wir sonst nur von wirklicher sportlicher Höchstleistung her kennen“, erklärte der Professor für präventive und rehabilitative Sportmedizin, der das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin in Köln leitet.

Stärkere Anstiege bei Männern
Der Spezialist sagte, dass ein Pulsschlag von 200 unter körperlicher Anstrengung völlig in Ordnung sei. „Wenn er aber durch Stress, auch wenn es positiver Stress während eines Spiels ist, ansteigt, dann kann es bei Menschen mit einer Vorschädigung bereits ab 160, 170 zu kritischen Situationen kommen“, so Predel. Es gebe dabei auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So haben laut dem Mediziner Untersuchungen der letzten Jahre nahegelegt, „dass es bei Männern stärkere Anstiege während der Spiele gibt. Das mag sicherlich mit ihrem Fan-Status und emotionalen Engagement zusammenhängen. Daneben haben Männer oft ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko als Frauen – und sind auch dadurch häufiger kritisch betroffen.“ Drohende Herzinfarkte zur WM befürchtet auch die Deutsche Herzstiftung im Zuge von Weltmeisterschaften. So könne der emotionale Stress umschlagen und im schlimmsten Fall „zum Herzinfarkt oder zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen“ führen, wie die Stiftung kürzlich berichtete. Dies habe eine Untersuchung bei über 4.000 Patienten im Raum München während der Fußball-WM 2006 in Deutschland gezeigt.

Fans sollen cool bleiben
Eingefleischten Fußballfans empfiehlt Predel, dass sie bei allem Engagement immer noch im Hinterkopf haben sollten, dass es letzten Endes ein Spiel ist, so faszinierend es auch sein mag. Fans sollten cool bleiben und diejenigen die wissen, dass sie zu Bluthochdruck neigen oder ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben, rät der Herzspezialist: „In ganz kritischen Situationen einfach mal die Augen schließen und sich wieder besinnen. Oder im Extremfall auch mal weg vom Fernseher.“ Er warnte zudem vor den ungünstigen Auswirkungen des Alkohols: „Alkohol stimuliert noch, und das ist gerade eine Kombination, die ungünstig ist. Viel Alkohol und emotionaler Stress, das kann dann wirklich zu einem kritischen Anstiegen sowohl des Blutdrucks als auch der Herzfrequenz führen. Also, ein paar Bier sind sicherlich kein Problem, aber nicht exzessiv und vor allem nicht in der heißen Mittagszeit auf der Fanmeile.“

Schnelle Führung würde beruhigen
Für das Herz von zuschauenden Fans und auch Spielern eines Teams wäre es Predel zufolge am besten, wenn es bei einem Spiel zu einer schnellen Führung kommt: „Also eine schnelle, beruhigende Führung, dass es nicht zu exzessiven Spielsituationen kommt, die dann das Herz-Kreislauf-System belasten.“ Zur Stressbewältigung während der WM bieten sich aus naturheilkundlicher Sicht zudem Entspannungstechniken wie Autogenes Training und die Progressive Muskelrelaxation an. Neben der Vorsicht bei Alkohol sollten Zuschauer außerdem im Blick behalten, bei den Snacks zurückhaltend zu sein, um die Fettaufnahme niedrig zu halten. (ad)

Bild: Michael Bührke / pixelio.de