Gastritis: Wichtige Mechanismen der Helicobacter pylori-Infektionen entschlüsselt

Fabian Peters
Wie verursachen Helicobacter pylori-Infektionen Magenschleimhautentzündungen?
Magenschleimhautentzündungen sind ein relativ weit verbreitetes Beschwerdebild, das erhebliche Beschwerden verursachen und auch zu der Entwicklung von Magengeschwüren oder Magenkrebs führen kann. Ausgelöst wird die Magenschleimhautentzündung (Gastritis) meist durch das Bakterium Helicobacter pylori. Wie die Erreger eine Magenschleimhautentzündung hervorrufen, haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nun herausgefunden und hoffen, damit auch neue Ansätze zur Behandlung der Magenschleimhautentzündungen zu eröffnen.

Rund 40 Prozent der Deutschen und sogar 50 Prozent der Menschen weltweit tragen laut Angaben des Forscherteams um Professorin Dr. Christine Josenhans vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der MHH das Bakterium Helicobacter pylori im Magen. Helicobacter pylori bildet dabei den Hauptverursacher chronischer Magenschleimhautentzündungen, welche ihrerseits ein deutlich erhöhtes Risiko für Magengeschwüre und Magenkrebs mit sich bringen. In der aktuellen Studie sei es nun gelungen, den Weg zu identifizieren, über den Helicobacter pylori zu einer Magenschleimhautentzündung führen, berichtet die MHH. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „PLOS Pathogens“ veröffentlicht.

Eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori ist die häufigste Ursache einer Magenschleimhautentzündung. Wissenschaftler haben nun den Weg entschlüsselt, über den Helicobacter pylori eine Gastritis auslösen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Spezielles Protein leitet die Signale zur Entzündung weiter
Den MHH-Wissenschaftlern ist es nach eigenen Angaben gelungen, einen der wichtigsten Mechanismen zu identifizieren, über den das Bakterium Helicobacter pylori zu einer Gastritis führt. Mit Hilfe einer sogenannten Genschere (Bezeichnung CRISPR-Cas9 ) konnte eines der Proteine bestimmt werden, das die Signale zur Entzündung an den Zellkern weiterleitet – das sogenannte Adaptorprotein TIFA. Über eine Art spezifische bakterielle Injektionsspritze werden Teile der Hülle von Helicobacter pylori in die Zellen der Magenschleimhaut eingebracht und treffen dort auf bestimmte Proteine, die Signale zur Entzündung an den Zellkern weiterleiten, erläutern die Wissenschaftler.

Neue Behandlungsansätze gegen Magenschleimhautentzündungen und Magenkrebs?
Nach Ansicht von Prof. Dr. Christine Josenhans werden die aktuellen Erkenntnisse helfen, „neue Therapieansätze gegen die chronische Magenschleimhautentzündung und vor allem gegen den daraus möglicherweise entstehenden Magenkrebs zu finden.“ Die bisherige Behandlung der Helicobacter pylori-Infektionen beruht hauptsächlich auf dem Einsatz von Antibiotika. Die aktuelle Studie war Bestandteil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereichs (SFB) 900 „Chronische Infektionen: Mikrobielle Persistenz und ihre Kontrolle“. (fp)