GAVI: Impfungen für 250 Millionen Kinder geplant

Fabian Peters

GAVI: Impfungen für 250 Millionen Kinder geplant

15.06.2011

Millionen Kinder weltweit könnten durch Schutzimpfungen gerettet werden. Mindestens eine Viertel Milliarde Kinder sollen mit Hilfe der Unterstützung der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung („Global Alliance for Vaccines and Immunization“; GAVI) bis 2015 gegen gefährliche Krankheiten geimpft werden, vier Millionen Kinderleben könnten so gerettet werden, berichtet der britische Premierminister David Cameron auf einer Geberkonferenz in London.

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Jährlich sterben fast zwei Millionen Kinder an Krankheiten, vor denen eine entsprechende Impfung effektiv schützen könnte, berichtet die GAVI. Um diesen Missstand zu beheben, hat sich die Impfallianz das Ziel gesetzt, in den bedürftigen Ländern Impfprogramme vor Ort zu unterstützen. Auf einem Gebertreffen von Regierungen, Hilfsorganisationen und Stiftungen, in London erklärte der britische Regierungschef, dass mit Hilfe der GAVI bis zum Jahr 2015 rund 250 Millionen Kinder eine Schutzimpfung erhalten könnten. Bis zu vier Millionen Kinderleben ließen sich auf diese Weise retten, so David Cameron weiter.

Millionen Kinder weltweit leiden an vermeidbaren Krankheiten
Weltweit leiden jährlich Millionen Kinder an Erkrankungen wie Cholera, Tetanus, Pneumokokken bedingten Lungenentzündungen, Rotavirus-Infektionen oder Masern, obwohl durch entsprechende Schutzimpfungen das Auftreten der Krankheiten relativ einfach zu vermeiden wäre. Insbesondere in den ärmeren Ländern fehlt jedoch meist das Geld für umfassende Impfprogramme, so dass sich die GAVI vorgenommen hat, die bedürftigen Nationen an dieser Stelle zu unterstützen. Rund drei Milliarden Euro wurden von den an der GAVI beteiligten Regierungen, Organisationen (z. B. Weltbank, Weltgesundheitsorganisation, UNICEF), Stiftungen, Privatpersonen und Impfstoffherstellern für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Dabei hat in der letzten Bewerbungsrunde eine Rekordzahl von 50 Ländern, die bei der GAVI förderberechtigt sind, eine Finanzierung ihrer Impfprogramme beantragt, teilte ein Sprecher der Impfallianz auf dem Gebertreffen in London mit. Damit haben sich rund doppelt so viele Länder um eine Unterstützung beworben, wie bei dem ehemaligen Höchststand aus dem Jahr 2007. Der Anstieg von 27 auf 50 Antragsteller in den vergangene vier Jahren, verdeutlicht nach Ansicht der GAVI, die wachsende Bereitschaft der Entwicklungsländer zum Auf- und Ausbau entsprechender Impfprogramme.

Impfallianz bietet Unterstützung bei der Einführung von Impfprogrammen
Um die lebensbedrohlichen Erkrankungen von Kindern zu reduzieren, konnten sich die Entwicklungsländer bei der Impfallianz um Unterstützung zur Einführung eines Fünffachimpfstoffs sowie Hilfe bei den Impfprogrammen gegen Hirnhautentzündungen A (Meningitis A), Gelbfieber und Masern (2. Dosis) sowie gegen Pneumokokken und Rotaviren bewerben. Insbesondere Pneumokokken bedingte Lungenentzündungen und Darminfektionen mit dem Rotavirus bilden bei den krankheitsbedingten Todesfällen der Kinder im Alter unter fünf Jahren weltweit die Haupttodesursachen und die Initiierung entsprechender Impfprogramme war daher auch Ziel der meisten Antragsteller. Denn mehr als eine Millionen Kinder sterben jährlich weltweit an einer entsprechenden Lungenentzündung oder Darminfektion (Rotaviren verursachen schwere Durchfallerkrankungen), erklärte die GAVI auf dem Gebertreffen in London. Mit den Mitteln der Impfallianz und dem Eigenanteil der antragstellenden Nationen, könnten in den kommenden Jahren Millionen Kinderleben gerettet werden, hoffen die Experten der Impfallianz. Der Eigenanteil, den die Entwicklungsländer bei dem Aufbau der Impfprogramme leisten müssen, hilft laut GAVI Mitnahmeeffekte bei der Antragstellung zu minimieren und verdeutlicht die Bereitschaft der betroffenen Nationen, einen Beitrag zum Schutz der Kinder zu leisten.

Eingenanteil der Entwicklungsländern zur Finanzierung der Impfprogramme
Obwohl sich die Entwicklungsländer dazu verpflichten müssen, den Ankauf der Impfstoffe durch einen Eigenanteil mitzufinanzieren, ist die Anzahl der Antragsteller in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, berichten die Sprecher der GAVI. Eine wachsende Anzahl der Entwicklungsländer sei dazu bereit diesen Beitrag zum Aufbau der Impfprogramme zu leisten. Außerdem hätten im Jahr 2010 zehn Länder ihre Verpflichtung sogar übererfüllt und mehr Gelder zur Verfügung gestellt, als ursprünglich vereinbart wurde, so die Aussage der Impfallianz-Experten. Bei der aktuellen Bewerbungsrunde kamen laut GAVI die umfangreichsten Bewerbungen aus Ghana mit vier beantragten Impfstoffen und Haiti mit drei beantragten Impfstoffen. Darüber hinaus seien Bewerbungen aus krisenbefallenen Nationen wie Afghanistan, Somalia und der Demokratische Republik Timor-Leste (Osttimor) eingegangen. Insgesamt scheinen die meisten Entwicklungsländer äußerst bemüht, die Kinder vor Ort mit entsprechenden Schutzimpfungen vor lebensbedrohlichen Erkrankungen zu bewahren. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, erklärte, dass „das große Engagement der Entwicklungsländer bei der Einführung von Impfungen zusammen mit der starken Unterstützung durch die Geber“ einen erheblichen Fortschritt bei der Umsetzung der GAVI-Ziele darstelle. Dieses Engagement „wird uns ein großes Stück voranbringen, unsere Ziele zu erreichen und Kinderleben zu retten“, erklärte die WHO-Generaldirektorin und ergänzte: „Jedes Kind verdient den Schutz mit dem Besten, was die Wissenschaft zu bieten hat.“

Kritik an der Beteiligung der Impfstoffhersteller
Kritiker der Globalen Impfallianz stören sich vor allem an der Beteiligung der Impfstoffhersteller, da diese auch ein finanzielles Interesse an der Einführung von entsprechenden Impfprogrammen in den Entwicklungsländern haben dürften. Schon jetzt zahlen die Entwicklungsländer einen Eigenanteil und wenn sich in Zukunft ihre wirtschaftliche Situation verbessert, winken den Pharmakonzernen Milliardeneinnahmen aus den heute eingeführten nationalen Impfprogrammen. Doch bis dahin dürften noch einige Jahre vergehen, so dass die Impfstoffhersteller heute kaum Vorteile aus ihrer Beteiligung in der GAVI ziehen können. Die zum größten Teil von der Bill & Melinda Gates Stiftung finanzierte Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung ist außerdem inhaltlich unabhängig von den Pharmaunternehmen, so dass ein drohender Interessenkonflikt bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden kann. Sicher haben die Pharmakonzerne ein gewisses Eigeninteresse an der Einführung nationaler Impfprogramme, doch die GAVI ist nicht auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen und daher relativ unbefangen. (fp)