Gebärmutterhalskrebs: Bietet die HPV-Impfung tatsächlich sicheren Schutz?

Nina Reese

Impfung senkt Risiko für Zervixkarzinom deutlich

Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) bietet jungen Frauen guten Schutz vor den Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Dies hat nun eine groß angelegte Metaanalyse der Cochrane-Organisation gezeigt. Demnach hätten vor allem Frauen, die im Alter von 15 bis 26 Jahren geimpft wurden, ein deutlich geringeres Risiko, hochgradige zervikale intraepitheliale Neoplasien zu entwickeln. Die Analyse zeigte weiterhin, dass es keinerlei Hinweise für schwere Nebenwirkungen infolge der Impfung gibt.


Forscher finden keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen

Beim Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der aus verändertem Gewebe des Gebärmutterhalses (Zervix) entsteht. Der größte Risikofaktor für diese Krebsform ist eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen die HP-Viren, welche die Ständige Impfkommission (STIKO) als Standardimpfung für alle Mädchen von neun bis 14 Jahren empfiehlt. Eine umfassende Datenanalyse hat nun gezeigt, dass die Impfung junge Frauen nachweislich vor Vorstufen des Zervixkarzinoms schützt und dabei sicher in Hinblick auf schwere Nebenwirkungen ist, so der Bericht der Cochrane-Organisation.

Eine Studie der Cochrane-Organisation hat ergeben, das eine Impfung gegen HP-Viren das Risiko für gefährliche Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals massiv reduziert. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Hochrisiko-Typen 16 und 18 sind am gefährlichsten

Derzeit sind laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum mehr als 170 verschiedene HPV-Typen bekannt. Circa 40 davon befallen vor allem den Genitalbereich sowie den After (genitale HPV-Typen) und werden hauptsächlich sexuell übertragen. Einige der Virustypen führen zu gutartigen Genitalwarzen (z.B. HPV 6 und HPV 11), andere jedoch zu Gewebeveränderungen, aus denen sich Krebs entwickeln kann. Zu diesen sogenannten Hochrisikotypen zählen vor allem HPV 16 und HPV 18, die alleine für etwa 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind.

Forscher werten Daten von mehr als 73.000 Frauen aus

Die Cochrane-Forscher wertete für die Metaanalyse die Ergebnisse aus 26 randomisierten Studien mit insgesamt 73.428 Frauen aus, de im Laufe der letzten acht Jahre weltweit durchgeführt wurden. Die meisten Frauen in den Studien waren unter 26 Jahre alt, für drei Untersuchungen wurden auch Probandinnen zwischen 25 und 45 Jahren untersucht.

Bewertet wurden Studien mit dem bivalenten Impfstoff gegen HPV 16 und 18 sowie der quadrivale Impfstoff gegen HPV 16/18 und zwei HPV-Typen mit niedrigem Risiko, welche Genitalwarzen verursachen. Der neuere Impfstoff, der auf neun HPV-Typen abzielt, wurde nicht in die Überprüfung eingeschlossen, informiert die Cochrane-Organisation.

Es zeigte sich, dass Mädchen und junge Frauen, die im Alter zwischen 15 und 26 Jahren eine Impfung gegen diese beiden high-risk-Viren erhalten, gut vor den Vorstufen eines Zervixkarzinoms geschützt sind, berichten die Mediziner. Demnach traten bei zwei von 10 000 Frauen, die zu Beginn der Studien der Studien keine HPV-Infektion hatten, später trotz der Impfung Vorstufen einer Krebserkrankung auf. In der Kontrollgruppe waren hingegen 164 Probandinnen betroffen.

Bei älteren Frauen bietet Impfung weniger Schutz

Die Mediziner konnten überdies zeigen, dass die Impfung sogar dann Schutz bot, wenn die jungen Frauen bereits zuvor möglicherweise mit Erreger in Kontakt gekommen waren. Unabhängig davon, ob mit HPV infiziert oder nicht, entdeckten die Experten bei der Gesamtschau aller Teilnehmerinnen nur bei 157 von 10.000 Frauen Gewebeveränderungen, die sich zu Krebs entwickeln könnten. Bei den ungeimpften Probandinnen in der Kontrollgruppe zeigten sich diese Veränderungen hingegen bei 341 Frauen. Wurde die Impfung erst im späteren Alter durchgeführt, bot diese den Experten nach keinen guten Schutz mehr. Dies könnte daran liegen, dass ältere Frauen eher gegenüber HPV-Viren exponiert waren.

Weitere Langzeitstudien notwendig

Die Forscher der Cochrane-Organisation geben jedoch zu bedenken, dass die betrachteten Studien nicht lange genug liefen, um die Entwicklung der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals zu untersuchen. Denn bis aus einer Gewebeveränderung ein Zervixkarzinom entsteht, können viele Jahre bis Jahrzehnte vergehen. „Gebärmutterhalskrebs kann sich viele Jahre nach der HPV-Infektion und nach der Läsionenbildung entwickeln“, erklärt die Onkologin Jo Morrison vom Musgrove Park Hospital im britischen Somerset. Dementsprechend seien Langzeit-Folgestudien erforderlich, um die Auswirkungen der HPV-Impfung auf die Gebärmutterhalskrebsraten zu erkennen, so die Expertin.

„Die Impfung zielt darauf ab, das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper zu produzieren, die eine nachfolgende natürliche HPV-Infektion blockieren können. Diese Daten zeigen, dass eine Immunisierung gegen eine HPV-Infektion gegen eine zervikale Präkanzerose schützt, und es ist sehr wahrscheinlich, dass dies die Gebärmutterhalskrebsraten in der Zukunft reduzieren wird. Sie kann jedoch nicht alle Formen von Gebärmutterhalskrebs verhindern und es ist immer noch wichtig, regelmäßig zu screenen, auch wenn Sie geimpft worden sind“, betont Morrison.

Mehr als 1.500 Todesfälle im Jahr

Das Zervixkarzinom ist weltweit der vierthäufigste bösartige Tumor bei Frauen. Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e.V. werden jährlich 528.000 Erstdiagnosen gestellt und etwa 266.000 Todesfälle infolge der Erkrankung registriert. In Deutschland erkrankten 2014 dem RKI zufolge mehr als 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.540 Frauen sterben derzeit jährlich daran. Vor 30 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele, so das RKI. (nr)