Gebärmutterhalskrebs-Risiko senken: HPV-Impfung für Mädchen empfehlenswert?

Alfred Domke

Schutz vor Gebärmutterhalskrebs: Gesundheitsministerin wirbt für HPV-Impfung

Wissenschaftler aus den USA berichteten im vergangenen Jahr über eine Untersuchung, bei der sich zeigte, dass das Sterberisiko bei Gebärmutterhalskrebs viel höher ist, als bislang angenommen. Die Gefahr, an dieser Krebsart zu erkranken, kann jedoch deutlich gesenkt werden: durch die HPV-Impfung. Bayerns Gesundheitsministerin wirbt nun für diese Schutzmaßnahme.

Jährlich erkranken 4000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs ist der dritthäufigste bösartige Genitaltumor bei Frauen. In Deutschland erkranken nach Schätzungen von Experten mehr als 4.000 Frauen pro Jahr an dieser Krebsart – circa 1.500 sterben daran. Humane Papillom-Viren (HPV) sind dabei die Hauptverursacher. Die Übertragung dieser Viren erfolgt am häufigsten durch sexuelle Kontakte. Eine Impfung kann Schutz bieten.

Gesundheitsexperten werben für die HPV-Impfung für Mädchen. Diese Maßnahme kann Schutz vor lebensgefährlichem Gebärmutterhalskrebs bieten. (Bild: adiruch na chiangmai/fotolia.com)

Viren können Krebs verursachen

Humane Papillom-Viren (HPV) sind Krankheitserreger, die Entzündungen und Hautveränderungen, schlimmstenfalls aber auch Krebs auslösen können.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen ab 9 Jahren schon seit Jahren. Dadurch soll die Zahl der Gebärmutterhalskrebsfälle deutlich verringert werden.

Manche Fachleute meinen, die HPV-Impfung auch für Jungen zu empfehlen, da diese unter anderem vor Genitalwarzen und Vorstufen des Penis- und Analkarzinoms schützen kann.

Allerdings werden die Kosten für diese Impfung für Jungen derzeit normalerweise nicht von den Krankenkassen übernommen.

HPV-Impfung für Mädchen

Bei Mädchen werden die Kosten für die komplette Impfung von den Krankenkassen übernommen, sofern diese noch unter 18 sind. Doch leider ist in manchen Regionen nur jedes zweite Mädchen geimpft.

In Bayern sind es noch weniger: Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) waren im Jahr 2015 im Freistaat nur knapp ein Viertel der 15-Jährigen geimpft, bei den 17-Jährigen waren es ein Drittel.

Experten wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml werben daher immer wieder für die HPV-Impfung zum Schutz gegen lebensgefährlichen Gebärmutterhalskrebs.

Impfung vor dem „ersten Mal“

„Die HPV-Impfung wird Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen und ist gut verträglich. Derzeit stehen verschiedene Impfstoffe in Deutschland zur Verfügung, die vor einer Infektion mit den häufigsten krebserregenden HPV-Typen schützen“, so Huml in einer Mitteilung.

„Mein Ziel ist es, dass sich mehr Mädchen als bisher für die Impfung entscheiden – am besten schon vor der ersten großen Liebe. Denn schon beim „ersten Mal“ können sich Mädchen mit HPV anstecken“, erläuterte die Ministerin.

Allerdings raten Gynäkologen selbst noch nach dem ersten Sex zur HPV-Impfung. Und zwar auch dann, wenn schon eine Infektion mit HPV durchgemacht wurde.

Die derzeit verwendeten Impfstoffe gelten laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) als sicher und gut verträglich.

Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind – ähnlich wie bei anderen Impfungen – Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Juckreiz, leichte Schmerzen und Schwellungen.

Seltener können beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie Atembeschwerden auftreten.

Kein vollständiger Schutz

Mädchen zwischen neun und 14 Jahren erhalten zwei Impfungen im Abstand von fünf bis 13 Monaten für einen vollständigen Impfschutz, bei der Nachholimpfung – ab 15 Jahre – werden drei Impfungen benötigt.

Die HPV-Impfung kann auch in einem späteren Alter noch nachgeholt werden, wobei die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Regel nur bis zum vollendeten 17. Lebensjahr übernehmen.

„Die Impfung bietet allerdings keinen vollständigen Schutz vor allen krebsauslösenden Papillomviren“, erklärte Huml.

„Deshalb ist die Krebsprävention beim Frauenarzt nach wie vor notwendig, zumal hier auch weitere schwerwiegende Krankheiten an Gebärmutter, Eierstöcken oder Brust erkannt und schnellstmöglich behandelt werden können“, so die Politikerin, die selbst Ärztin ist.

„Je früher eine Krebserkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen.“ (ad)