Geballte Faust hilft dem Gehirn

Astrid Goldmayer

Abrufen von Erinnerungen gelingt leichter mit geballter Faust

25.04.2013

Wer eine Faust ballt, kann leichter Erinnerungen abrufen. Das fanden US-amerikanische Psychologen heraus. Dabei kommt es darauf an, welche Hand den Faust-Trick anwendet. Das Experiment wurde mit 51 Rechtshändern durchgeführt. Viele konnten ihre kleine Gedächtnisschwäche dadurch verbessern.

Zur Faust geballte rechte Hand half Rechtshändern beim Lernen
Eine geballte Faust bedeutet nicht immer Ärger. Das bewiesen Ruth Propper von der Montclair State University und ihr Team. Das Ballen einer Faust kann beim Abrufen von Erinnerungen und Erlerntem helfen. Dabei machten sich die Forscher die bereits seit längerer Zeit anerkannte These zu nutze, nach der Bewegungen der linken Körperhälfte mit der rechten Hirnregion und Aktivitäten der rechten Körperhälfte mit der linken Hirnregion verbunden sind.

51 Rechtshänder sollten im Rahmen der Studie entweder gar nicht oder zweimal kurz hintereinander mit derselben Hand einen Gummiball für 45 Sekunden zusammendrücken. Gleichzeitig konzentrierten sich die Probanden auf ein „X“ auf einem Bildschirm. Danach sollten sie sich 36 Wörter merken, die angezeigt wurden. Bevor die gemerkten Wörter abgefragt wurden, sollte ein Teil der Probanden erneut den Gummiball drücken, während der andere Teil nichts tat. Wie die Forscher im Online-Fachjournal „PLoS ONE" schreiben, schnitten die Studienteilnehmer am besten ab, die beim Merken den Gummiball mit der rechten Hand und beim Abrufen der Information mit der linken Hand gedrückt hatten. Durchschnittlich elf Wörter fielen den Probanden wieder ein, wobei neun Antworten korrekt waren. Im Vergleich zu der Gruppe der Studienteilnehmer, die in beiden Versuchen mit linke Hand einen Gummiball gedrückt hatten, schnitten sie fast doppelt so gut ab. Die Versuchsteilnehmer, die keinen Gummiball gedrückt hatten, schnitten jedoch fast so gut ab wie die erste Gruppe.

Geballte Faust könnte auch bei anderen Gedächtnisleistungen helfen
Wie Propper erklärte, ließen die Ergebnisse den Schluss zu, „dass einfache Bewegungen das Gedächtnis verbessern können, etwa durch zeitweise Veränderung der Gehirnaktivität". Es habe jedoch "keine Messung dieser Aktivität während der Versuche stattgefunden". Dennoch sei es möglich, diese Versuche zur Untersuchung der Zuständigkeit der Gehirnhälften für bestimmte Aufgaben heranzuziehen. „Es wurde These gestützt, dass das einfache einseitige Ballen der Hand als ein Hilfsmittel genutzt werden kann, mit dem die funktionelle Spezialisierung der Hirnhälften von gesunden Menschen untersucht werden kann“, schreiben die Forscher. Auch die bereits bekannte These, nach der das Merken von Wörtern in der vordern linken Gehirnhälfte erfolge und das Abrufen in der rechten, würde durch die Studie gestützt. In weiteren Untersuchungen soll nun getestet werden, "ob der Faust-Trick nicht nur beim Lernen von Wörtern sondern auch bei anderen Gedächtnisleistungen wie dem räumlichen Vorstellungsvermögen oder dem Wiedererkennen von Gesichtern hilfreich ist".

Die Studienergebnisse von Propper und ihrem Team beziehen sich lediglich auf Rechtshänder. Inwiefern die Resultate auch für Linkshänder und Beidhänder gelten, erklärten die Forscher bislang nicht. Entsprechende Ergebnisse lägen zwar teilweise vor, würden jedoch erst später präsentiert, so die Wissenschaftler. (ag)

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Bild: Gerd Altmann / pixelio.de