Durch den Geburtsmonat wird das Krankheitsrisiko bestimmt

Fabian Peters
Zeitpunkt der Geburt kann auf erhöhtes Gesundheitsrisiko hinweisen
Während die einen immer nur erkältet sind, scheinen andere Menschen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sein. Und wieder andere werden so gut wie nie krank. Doch woher kommen diese Unterschiede? Möglicherweise könnte der Monat der Geburt einen Einfluss auf das Krankheitsrisiko haben. Zu diesem Ergebnis sind nun Wissenschaftler der New Yorker Columbia-Universität im Rahmen einer großangelegten Studie gekommen.

US-Forscher werten Daten von 1,7 Millionen Menschen aus
Hat der Geburtsmonat Einfluss auf unsere Gesundheit? Laut einer Studie der US-amerikanischen Columbia University offenbar schon. Demnach habe sich gezeigt, dass einige Krankheiten durchaus mit der Jahreszeit der Geburt korrelieren, so die Mitteilung der Universität. Ein Forscherteam hatte für das groß angelegte Projekt die Daten von 1,7 Millionen Menschen analysiert, die zwischen 1900 und 2000 geboren wurden. Dabei untersuchten sie, ob bzw. welche von insgesamt 1688 Krankheiten überdurchschnittlich häufig in bestimmten Monaten auftraten. Dabei kamen sie zu einem interessanten Ergebnis, denn bei 55 Erkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma oder ADHS wurde tatsächlich ein Zusammenhang erkennbar.

Gesundheit-Geburtsmonat
Der Geburtsmonat hat offenbar nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesundheit. (Bild: sunny33/pixelio.de)

Demnach zeigte sich, dass im März- und April geborene Personen ein generell erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten, während in den Herbstmonaten Geborene hier weniger anfällig waren. Dabei hatten die Forscher z. B. einen Zusammenhang zwischen dem Geburtsmonat März und neun Arten von Herzerkrankungen entdeckt, zu denen unter anderem Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und Störungen der Mitralklappe zählen.

ADHS-Vorkommen besonders hoch im Geburtsmonat November
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) konnten die Forscher hingegen überdurchschnittlich oft bei November-Kindern verorten, was den Forschern nach auch schon eine frühere schwedische Studie ergeben hatte. Eine erhöhte Anfälligkeit für Asthma zeigt sich bei denjenigen, die in den Monaten Juli und Oktober zur Welt gekommen waren, wohingegen im Winter und Frühling Geborene von der chronisch entzündlichen Erkrankung der Atemwege seltener betroffen sind.

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Atemwegserkrankungen wie eine akute Bronchitis würden jedoch gehäuft bei denjenigen auftreten, die im November geboren wurden, so die Mitteilung weiter. Insgesamt zeigte die Studie, dass bei den Menschen, die im Mai Geburtstag haben, die Chancen für eine gute Gesundheit am besten standen, während im Oktober Geborene das höchste Erkrankungsrisiko aufwiesen.

„Diese Daten könnten Wissenschaftlern dabei helfen, neue Risikofaktoren für Krankheiten aufzudecken“, so der Studienleiter Nicholas Tatonetti (PhD), der als Assistenzprofessor für biomedizinische Informatik am Columbia University Medical Center ( CUMC ) und dem Columbia Data Science Institute tätig ist. Dennoch sollten die Ergebnisse den Forschern nach nicht überbewertet werden, denn statt eines „Schicksals durch die Sterne“ seien für die Ausprägung bestimmter Erkrankungen die äußeren Einflüsse bei und nach der Geburt ein wesentlicher Faktor.

Ernährung und Bewegung haben größeren Einfluss auf Krankheitsrisiko
„Es ist wichtig, aufgrund der Ergebnisse nicht übermäßig nervös zu werden, denn auch wenn wir signifikante Zusammenhänge gefunden haben, ist das allgemeine Gesamtkrankheitsrisiko nicht so groß“, erklärt Nicholas Tatonetti. „Das Risiko im Zusammenhang mit dem Geburtsmonat ist relativ gering im Vergleich zu weiteren Einflussgrößen wie Ernährung und Bewegung“, so Tatonetti weiter. Nun sei geplant, die Studie mit Daten von verschiedenen anderen Standorten in den USA und im Ausland zu replizieren, um zu erfahren, wie die Ergebnisse durch den Wechsel der Jahreszeiten und Umweltfaktoren an den jeweiligen Orten variieren. (nr)