Gedächtnistrainings-App führt zur Verbesserung des Erinnerungsvermögens bei Demenz

Alexander Stindt
Neues Spiel kann Menschen mit Demenz eine verbesserte Erinnerung ermöglichen
Es gibt neue Hoffnung für Menschen in einem frühen Stadium von Demenz. Ein neu entwickeltes Spiel von den Forschern der University of Cambridge könnte dazu beitragen, bei Patienten in den frühsten Stadien von Demenz eine Verbesserung der Erinnerung zu erreeichen.

Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Cambridge stellten bei ihrer akutellen Untersuchung fest, dass ein neu entwickeltes Spiel gegen die Auswirkungen einer frühen Demenz-Erkrankung schützen kann und die Erinnerung der Betroffenen verbessert. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „International Journal of Neuropsychopharmacology“.

Wenn Menschen an Demenz erkrankt sind, verschlechtert sich ihr Gedächtnis und es fällt den Betroffenen immer schwerer, sich an bestimmte Sachen zu erinnern. Forscher entwickelten jetzt eine Memory-Game-App, welche zu einer verbesserten Erinnerung beitragen kann. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Normale Trainingseinheiten werden schnell langweilig
Im frühen Stadium von Demenz treten alltägliche Gedächtnisstörungen und Probleme bei der Motivation auf. Es gibt keine effektive medikamentöse Behandlung für die kognitiven Beeinträchtigung der Patienten, erläutern die Experten. Kognitives Training führt bei Betroffenen zu einigen Vorteilen, wie beispielsweise einer verbesserten Geschwindigkeit der Aufmerksamkeitsverarbeitung. Solche Trainingseinheiten sind allerdings in der Regel immer gleich und werden deswegen schnell langweilig, fügen die Autoren hinzu.

Wissenschaftler entwickeln sogenannte Memory-Game-App
Um dieses Problem zu überwinden, entwickelten die Wissenschaftler der University of Cambridge eine sogenannte Memory-Game-App. Das Spiel wurde in Zusammenarbeit mit Patienten im frühen Stadium von Demenz entwickelt. Die Experten untersuchten die Auswirkung der Verwendung des Spiels auf Kognition und Motivation der Patienten.

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Probanden wurden in zwei Gruppen unterteilt
Für ihre Studie untersuchten die Forscher 42 Probanden. Diese wurden entweder einer Kontrollgruppe- oder der kognitiven Trainingsgruppe zugeteilt. Die Teilnehmer der kognitiven Trainingsgruppe spielten das Gedächtnisspiel insgesamt acht Mal für jeweils eine Stunde über einen Zeitraum von vier Wochen, erläutern die Forscher. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe setzten dagegen ihre Klinikbesuche wie gewohnt fort.

Anpassung der Schwierigkeit für einzelne Teilnehmer führte zu erhöhter Motivation
In dem Spiel, welches die Teilnehmer auf einem iPad spielten, nimmt der Spieler an einer Spielshow teil. Das Ziel dieser Show ist es möglichst viele Goldmünzen zu gewinnen, sagen die Mediziner. In jeder Runde werden die Spieler dazu aufgefordert, geometrische Muster mit verschiedenen Orten zu verknüpfen. Durch jede richtige Antwort verdiente der Spieler mehr Münzen. Das Spiel wurde bis zum Ende fortgesetzt oder nach sechs fehlerhaften Versuchen beendet, sagen die Wissenschaftler. Je besser der Spieler abschnitt, desto höher war die Anzahl der geometrischen Muster. Dies half dabei die Schwierigkeit des Spiels an die Leistung des Einzelnen anzupassen. So blieben die Teilnehmer länger motiviert, fügen die Autoren hinzu.

Welche positiven Auswirkungen bewirkte das neu entwickelte Spiel?
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass das Spiel zu einer verbesserten Erinnerung beitrug. Spieler machten ein Drittel weniger Fehler, benötigten weniger Versuche und verbesserten ihr Gedächtnis auf einer Punkteskala um etwa 40 Prozent bei sogenannten Tests des episodischen Gedächtnisses, erläutern die Forscher. Das episodische Gedächtnis ist wichtig für die täglichen Aktivitäten. Es wird beispielsweise benötigt, wenn wir versuchen, uns daran zu erinnern, wo wir unsere Schlüssel abgelegt oder unser Auto geparkt haben, sagen die Mediziner.

Probanden konnten besser komplexere visuelle Informationen behalten
Im Vergleich zur Kontrollgruppe erinnerten sich die Teilnehmer der kognitive Trainingsgruppe nach dem Training auch besser an komplexere visuelle Informationen. Darüber hinaus gaben die Teilnehmer der kognitiven Trainingsgruppe an, dass sie durchaus motiviert waren, das Spiel länger als die geforderten acht Stunden zu spielen, erklären die Wissenschaftler. Durch das Spiel verbesserte sich das Selbstvertrauen und das subjektive Gedächtnis der Teilnehmer.

Das Spiel muss Spaß machen und die Spieler motivieren
Ein gesundes Gehirn ist so wichtig wie eine gute körperliche Gesundheit. Es gibt zunehmende Beweise dafür, dass Hirntraining für die Förderung der Kognition und Gehirn-Gesundheit vorteilhaft sein kann, sagt Autorin Professor Barbara Sahakian. Das Training sollte allerdings auf fundierter Forschung basieren und zusammen mit den Patienten entwickelt werden. Zudem muss das Spiel die Benutzer motivieren. Unser Spiel erlaubte es uns, das kognitive Trainingsprogramm eines Patienten so zu individualisieren, dass Betroffene Spaß daran haben und zu weiterem Training motiviert sind, fügt die Expertin hinzu. (as)