Gefährliche Energy-Drinks mit Zusatzstoffen

Astrid Goldmayer

Alkohol und Zusatzstoffe machen Koffeingetränke wie „Monster“ gefährlich

26.10.2012

Spätestens seit dem Skandal um den Energy-Drink „Monster“ stehen die beliebten Wachmacher scharf in der Kritik. Besonders bei Jugendlichen sind die stark koffeinhaltigen Getränke jedoch weiterhin angesagt. Glaubt man der Werbung handelt es sich bei den Energy-Drinks um einen harmlosen Koffein-Kick aus der Dose. Experten warnen jedoch vor allem davor, die Getränke in Kombination mit Alkohol und Drogen zu sich zu nehmen, denn dann werden sie zu einem häufig unterschätzen Gesundheitsrisiko für Herz und Kreislauf. Bei übermäßigem Konsum der Wachmacher können Symptome wie Herzrasen und Schweißausbrüche auftreten und sogar bis zum Kreislaufkollaps führen. Der stark erhöhte Koffeingehalt sowie Zusatzstoffe wie Taurin, Inosit und Glucuronolacton sollen dafür verantwortlich sein.

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Fünf Tote wegen Energy-Drink in den USA
Nachdem fünf Menschen nach dem Konsum des stark koffeinhaltigen Getränks „Monster“ gestorben sind, ermittelt die US-Lebensmittelaufsicht jetzt gegen den Hersteller. Shelly Burgess, Sprecherin der Behörde, betonte, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Konsum des Energy-Drinks und den Todesfällen sehr ernstgenommen werde. Einen Beweis gebe es jedoch bislang nicht.

Nachdem im Dezember 2011 eine 14-Jährige nach dem Konsum von zwei Dosen „Monster“ an Herzrhythmusstörungen gestorben war, reichten die Eltern in der vergangenen Woche Klage gegen den Hersteller Monster Beverage Corporation ein. Die Menge, die das Mädchen getrunken hatte, habe 480 Milligramm Koffein enthalten, erklärte die Anwältin der Familie. Im Autopsiebericht vermerkten die Ärzte „Herzrhythmusstörung durch Vergiftung mit Koffein“ als Todesursache. Erfrischungsgetränke wie Limonaden dürfen in den USA die Höchstmenge von 71,5 Milligramm Koffein je 0,35 Liter nicht überschreiten. Da Energy-Drinks jedoch als Nahrungsergänzung angesehen werden, gilt dieser Grenzwert für die Wachmacher nicht.

Energy-Drinks können Autofahrern „Fitness-Gefühl“ vortäuschen
Bereits einiger Zeit stehen die besonders bei Jungendlichen beliebten Getränke im Verdacht gesundheitsschädlich zu sein. Die Drinks haben eine stark aufputschende Wirkung und können Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, innere Unruhe und Nervosität auslösen. Der hohe Koffein- und Zuckergehalt sowie vor allem Zusatzstoffe wie Taurin, Inosit und Glucuronolacton könnten die toxikologische Wirkung des Drinks laut Experten noch verstärken. Einen endgültigen wissenschaftlichen Beweis für den Zusammenhang zwischen den Wachmachern und gesundheitlichen Problemen wie Herzrhythmusstörungen oder Nierenversagen gibt es jedoch bislang nicht, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt.

Auch die Verbraucherzentrale Hessen (VZH) warnt vor Energy-Drinks. VZH-Ernährungsberaterin Schaff weist daraufhin, dass durchschnittlich soviel Koffein wie ein bis zwei Tassen Kaffee in den Drinks enthalten ist. Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) rät besonders Autofahrern vom Konsum der Getränke ab. Stattdessen empfiehl er im Alltag ausreichend Flüssigkeit, vor allem Wasser, angemessene Bewegung sowie genügend Pausen. Das reiche im Normalfall als „Fitmacher“ aus und sei nicht nur gesünder, sondern auch effektiver für den Berufsalltag. Besonders für Autofahrer gelte, Vorsicht zu wahren und sich nicht vom trügerischen „Fitness-Gefühl“ nach dem Konsum von Energy-Drinks täuschen zu lassen. Autofahrer seien dann nicht mehr fahrtauglich, genauso wie Personen, die Alkohol getrunken hätten.

Energy-Drinks könnten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen
Besonders Personen, die regelmäßig zu Energy-Drinks greifen, belasten ihr Herz-Kreislauf-System dadurch stark. Bei Menschen, die ohnehin unter Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen leiden, könnten sich die Beschwerden gravierend verschlechtern, warnt Wesiack. Kindern, Schwangeren, und Stillenden rät der Internist generell vom Konsum der Getränke ab, da sie empfindlicher auf Koffein reagierten. Laut dem BfR sind sogenannte „Engeryshots“, die einen deutlich höheren Koffeingehalt aufweisen, am gefährlichsten und sollten von Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen in jedem Fall vermieden werden.

In Kombination mit Alkohol können „die Energiegetränke zudem zu einen unkalkulierbaren Gesundheitsrisiko“ werden. Probanden zeigten im Rahmen einer Studie, dass sie „ihre Reaktionsfähigkeit nach dem Konsum von Alkohol und Energy-Drinks nicht mehr realistisch beurteilen“ konnten. Im schlimmsten Fall kann es demnach zu einer deutlichen Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit kommen, was in kritischen Situation schwerwiegende Folgen haben kann.

Seit Mai 2012 gelten in Deutschland gesetzlich festgelegte Höchstmengen für bestimmte Inhaltsstoffe. Zudem müssen Energy-Drinks speziell gekennzeichnet werden. Beispielsweise muss der Hinweis „erhöhter Koffeingehalt“ sowie eine Mengenangabe des Koffeingehalts in Milligramm pro 100 Milliliter auf jeder Packung und Getränkekarte angeben sein. (ag)