Gefährliche Infektion: Zehnjähriger Junge mit Tollwut in der Klinik

Alfred Domke

Zehnjähriger Junge nach Hundebiss an Tollwut erkrankt

Die Tollwut gilt noch immer als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Hierzulande ist sie seit einigen Jahren weitgehend ausgerottet, in Afrika und Asien ist die Krankheit jedoch noch allgegenwärtig. Das wurde auch einem kleinen Jungen aus Frankreich zum Verhängnis. Das Kind infizierte sich bei einem Urlaub in Sri Lanka durch einen Hundebiss. Nun liegt der Zehnjährige in seinem Heimatland im Krankenhaus.

Tollwut fordert jedes Jahr Zehntausende Tote

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr weltweit rund 59.000 Menschen an Tollwut. In Deutschland konnte die gefährliche Infektionskrankheit so gut wie ausgerottet werden. Lediglich bei Fledermäusen konnte das Virus hierzulande in den vergangenen Jahren nachgewiesen werden, weshalb Fachleute mahnen, die Tiere niemals mit bloßen Händen anzufassen. In vielen Ländern Afrikas und Asiens ist die Krankheit allerdings noch weit verbreitet. Das wurde auch einem Kind aus Frankreich zum Verhängnis. Der Junge steckte sich im Urlaub in Sri Lanka an.

In Frankreich wurde bei einem zehnjährigen Kind Tollwut diagnostiziert. Das Kind hatte sich im Urlaub in Sri Lanka durch einen Hundebiss infiziert. (Bild: Isabel B. Meyer/fotolia.com)

Kleiner Junge aus Frankreich infizierte sich mit tödlicher Krankheit

Bei einem zehnjährigen Kind in Frankreich ist Tollwut nachgewiesen worden. Laut einem Bericht der französischen Zeitung „Le Monde“ wird der Junge seit letzter Woche in einem Krankenhaus behandelt.

Wie aus einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde der Region Auvergne-Rhône-Alpes in Lyon hervorgeht, habe sich der Junge bereits im August bei einem Aufenthalt in Sri Lanka infiziert, als er an einem Strand von einem Hund gebissen wurde.

Gesundheitsexperten zufolge werden die Viren fast immer über Kratzer oder Bisse durch Hunde oder anderer infizierter Säugetiere übertragen.

Aber auch wenn geschädigte Haut oder die Schleimhäute von Mund, Nase oder Auge beispielsweise mit infiziertem Hundespeichel in Kontakt kommen, kann das Virus übertragen werden.

Kein Heilmittel

Ein Heilmittel gegen die Krankheit gibt es nicht. Sie bricht zwar nicht bei jedem aus, der sich infiziert hat, doch bei denen sie ausbricht, endet sie zu fast 100 Prozent tödlich.

Nach einer Infektion kommt es zunächst zu uncharakteristischen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber ist nicht immer anzutreffen.

Auch Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde sind möglich.

Später kommt es dann unter anderem zu Krämpfen in der Schlundmuskulatur und erheblicher Angst vor dem Trinken. Der Gemütszustand der Patienten wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.

„Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal 7 Tage“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite.

Bis zum Ausbruch der Krankheit können Jahre vergehen

„In der Regel beträgt die Inkubationszeit drei bis acht Wochen. In Einzelfällen kann es sogar mehrere Jahre dauern, bis die Krankheit ausbricht“, erklärte Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Der Experte mahnt, bei Fernreisen immer das Tollwut-Risiko zu bedenken und sich gegebenenfalls vorher impfen zu lassen.

Es stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung, die auch kurz nach einem Tierbiss noch helfen können.

Im Ausland infiziert

In Frankreich und Deutschland ist Tollwut extrem selten. Die französischen Behörden haben seit 1970 lediglich 23 Fälle registriert – bei allen hatten sich die Betroffenen im Ausland infiziert.

Die Gesundheitsbehörde in Lyon hob hervor, dass weltweit noch keine Ansteckung zwischen Menschen nachgewiesen worden sei – abgesehen von sehr seltenen Ausnahmen, bei denen Organe eines infizierten Spenders transplantiert worden sind.

Dennoch seien vorsichtshalber diejenigen Personen identifiziert worden, die direkten Kontakt zu Speichel oder Tränen des betroffenen Kindes hatten. Nun werde geprüft, ob sie jeweils geimpft werden sollten.

Der letzte Tollwutfall in Deutschland trat laut RKI im Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Mainz auf. Haus- und Wildtiere, insbesondere Füchse, werden zwar noch immer überwacht, dabei handelt es sich jedoch nur um Sicherheitsmaßnahmen.

Deutschland wie auch Frankreich gelten offiziell als „tollwutfrei“.

„Der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in Deutschland trat im Jahr 2007 auf. Es handelte sich um einen Mann, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde“, so das RKI. (ad)