Gefährliche UV-Belastung: Diese Berufsgruppen haben das höchste Hautkrebs-Risiko

Eine neue Studie der Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, welche Berufsgruppen ein besonders hohes Hautkrebs-Risiko haben. Gefährdet sind insbesondere Beschäftigte, die viel draußen arbeiten. (Bild: yuttana590623/fotolia.com)
Alfred Domke
Heftige UV-Dosis bei der Arbeit: Berufsgruppen mit höchstem Hautkrebs-Risiko
Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft erkranken in Deutschland jährlich bis zu 190.000 Menschen neu an Hautkrebs. In einer Studie der Gesetzlichen Unfallversicherung wurde nun untersucht, welche Berufsgruppen besonders gefährdet sind. Diese Mitarbeiter sollten besonders geschützt werden.

Zahl der Hautkrebs-Fälle steigt
Die Häufigkeit von Hautkrebs steigt seit Jahrzehnten stetig an. Unterschieden werden der sogenannte schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) und der helle Hautkrebs. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) treten weltweit jedes Jahr zwei bis drei Millionen neue Fälle von hellem Hautkrebs sowie mehr als 250.000 neue Fälle von malignem Melanom auf, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft. In Deutschland werden die Fälle von hellem Hautkrebs zwar nicht flächendeckend erfasst, doch Angaben einiger Krebsregister lassen darauf schließen, dass jedes Jahr bis zu 170.000 Menschen an invasiven Formen des hellen Hautkrebses erkranken. Beim invasiven malignen Melanom sind hierzulande jährlich etwa 18.000 Neuerkrankungen zu verzeichnen. In manchen Berufsgruppen ist das Risiko, Hautkrebs zu bekommen, besonders hoch.

Eine neue Studie der Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, welche Berufsgruppen ein besonders hohes Hautkrebs-Risiko haben. Gefährdet sind insbesondere Beschäftigte, die viel draußen arbeiten. (Bild: yuttana590623/fotolia.com)
Eine neue Studie der Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt, welche Berufsgruppen ein besonders hohes Hautkrebs-Risiko haben. Gefährdet sind insbesondere Beschäftigte, die viel draußen arbeiten. (Bild: yuttana590623/fotolia.com)

Manche Berufsgruppen sind besonders gefährdet
Ein internationales Forscherteam berichtete vor wenigen Jahren, dass Flugzeug-Bordpersonal und Piloten häufiger an Hautkrebs erkranken als andere Berufsgruppen. Doch auch Menschen, die im Freien arbeiten, bekommen mehr Sonne und damit krebserzeugende UV-Strahlung ab als andere Beschäftigte. Das Institut für Arbeitsschutz (IFA) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hat nun im Rahmen eines Forschungsprojektes detaillierte Belastungsdaten für die verschiedensten Tätigkeiten in Außenbereichen gesammelt und ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Kanalbauer, Steinbrecher sowie Dach- und Fassadenbauer ein besonders hohes Risiko für hellen Hautkrebs haben. Ihre Belastung mit UV-Strahlung durch Sonnenlicht war beispielsweise dreimal so hoch wie bei Mitarbeitern im Ackerbau oder bei Postboten.

Als Berufskrankheit anerkannt
Seit 2015 kann weißer Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt werden. DGUV-Pressesprecher Stefan Boltz erklärte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, dass allein bei der Unfallversicherung bereits 5.000 Verdachtsanzeigen vorlägen. Es gibt jedoch zum Beispiel in der Landwirtschaft noch eine weitere ähnliche Versicherung. Walter Eichendorf, Vize-Geschäftsführer der Unfallversicherung, sagte, dass bisher präzise Angaben darüber fehlten, welche Berufsgruppen ultravioletter Strahlung besonders stark ausgesetzt sind. Nur mit sehr genauen Informationen „können wir zielgerichtete und wirksame Präventionsmaßnahmen ergreifen“, meinte Eichendorf in einer Pressemitteilung.

„Belastung so hoch, dass etwas getan werden muss“
Im Rahmen der Studie tragen mehr als 600 Beschäftigte, die viel draußen arbeiten, seit dem Jahr 2014 in den Sommermonaten sogenannte Dosimeter bei sich. Die Technik erfasst zwischen 7.30 Uhr und 17.30 Uhr die UV-Belastung, einmal in der Woche liest ein Computer die Werte aus. Mittlerweile liegen Daten für 65.000 Messtage vor. Zimmerer, Straßen- und Betonbauer, Maurer, Stahlbaumonteure sowie – mit einigem Abstand – Obst- und Gemüsegärtner, sind demnach besonders belastet. „Bei allen beobachteten Beschäftigten ist die Belastung so hoch, dass etwas getan werden muss“, erklärte Studienleiter und Strahlungsexperte Dr. Marc Wittlich. Die Gründe für die unterschiedliche Stärke der Strahlenbelastung soll nun weiter untersucht werden.

Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen
Das mit Abstand höchste Krebs-Risiko durch Sonnenlicht ergab sich in der Studie für Kanalbauer, die oberirdisch arbeiten. Sie waren allein von April bis Oktober so hoher UV-Strahlung ausgesetzt, dass es laut Boltz rein rechnerisch für eineinhalb Jahre Sonnenbrand ausreichen würde. Dr. Wittlich sagte: „Einige Ergebnisse haben uns wirklich überrascht.“ Die Versicherung spricht sich für einen maßgeschneiderten Sonnenschutz aus – je nach Branche. Laut Arbeitsschutzgesetz haben technische und organisatorische Lösungen bei den Schutzmaßnahmen, die Arbeitgeber ergreifen müssen, Vorrang. „Dazu zählen zum Beispiel der Einsatz von Sonnensegeln oder die Verlagerung der Arbeit in Zeiten mit geringerer UV-Belastung, wie am frühen Morgen oder späten Nachmittag“, erläuterte Bernhard Arenz, Präventionsleiter der Berufsgenossenschaft für die Bauwirtschaft (BG BAU).

Schutz gegen Kreislauferkrankungen
Dies sei laut Boltz gleichzeitig auch ein Schutz gegen Kreislauferkrankungen. „Es gab schon Mitarbeiter, die nach einem Hitzschlag kollabiert sind“, so der Sprecher. Besonders Bauarbeiter brauchen Schutz. Mit ihren nackten Oberkörpern sind sie schon lange im Blickfeld der Unfallversicherung. Neben den Sonnensegeln „ist auf jeden Fall körperbedeckende Kleidung plus Kopfschutz notwendig“, sagte Reinhold Knittel, Sprecher der Geschäftsführung der Sozialversicherung für Landwirtschaft Forsten und Gartenbau (SVLFG). „Sonnenschutzmittel sollten dann verwendet werden, wenn anderer Schutz nicht möglich ist, und sie müssen einen hohen Lichtschutzfaktor haben.“ Allerdings taugen Sonnencremes auf Baustellen oft wenig, da sie sich mit Staub verbinden und beim Schwitzen in die Augen laufen können. Wenn heller Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt wird, zahlt die Unfallversicherung – und nicht die Krankenkasse – für die Heilbehandlung und auch das Verletztengeld. Um Renten gehe es laut Boltz seltener, da heller Hautkrebs oft gut behandelbar sei. Wichtig dafür ist eine frühe Diagnose. Deshalb sollten sich Mitarbeiter bei den ersten Hautkrebs-Merkmalen sofort an einen Arzt wenden. (ad)

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