Gefährliche Weichmacher in Lebensmitteln

Fabian Peters

Ein Drittel der Lebensmittel enthielt Weichmacher

23.09.2012

Zahlreiche abgepackte Lebensmittel enthalten gesundheitsschädliche Weichmacher. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat bei Stichproben für die Sendung „Der große Küchen-Check“ in mehr als einem Drittel der untersuchten Lebensmittel den Weichmacher Diethylhexylphthalat (DEHP) nachgewiesen. Zwar wurden keine Grenzwerte überschritten, doch schon geringe Mengen des Weichmachers stehen laut Angaben des Umweltbundesamtes im Verdacht fruchtbarkeitsschädigend zu wirken.

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Generell gelten Weichmacher als äußerst bedenklich für die Gesundheit. Chronische Krankheiten wie Diabetes, Asthma und andere Atemwegserkrankungen wurden in unterschiedlichen Untersuchungen bereits in Zusammenhang mit Weichmachern gebracht. Der wohl bekannteste Weichmacher ist Bisphenol A, dessen Einsatz mittlerweile jedoch deutlich reduziert wurde und der heute beispielsweise bei der Herstellung von Babytrinkflaschen nicht mehr verwendet werden darf. Auch der in den Lebensmitteln nachgewiesene Weichmacher DEHP wird den Angaben des Umweltbundesamtes zufolge heute deutlich seltener verwendet als noch im Jahr 1999. Dennoch ist DEHP in zahlreichen abgepackten Lebensmitteln vorzufinden. Insbesondere die Fruchtbarkeit der Männer könnte hieran beträchtlichen Schaden nehmen. Denn Weichmacher gelten als einer der wesentliche Gründe für die jüngst in einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes festgestellte eingeschränkte Fruchtbarkeit bei rund der Hälfte der Männern im Alter zwischen 18 und 23 Jahren.

Fast 40 Prozent der getesteten Lebensmittel enthalten Weichmacher
Eigentlich ist der Weichmacher „DEHP in Kunststoffen, die in Kontakt mit Lebensmittel kommen, seit 2006 weitgehend verboten“, da die gesundheitsgefährdenden Stoffe aus der Verpackung in die Lebensmittel und mit dem Essen in den menschlichen Körper gelangen können, berichtet der „NDR“. Umso bedenklicher, dass in sieben der 19 untersuchten Lebensmittel DEHP nachgewiesen wurde. Rund 37 Prozent der getesteten abgepackten Nahrungsmittel enthielten somit die gesundheitsschädliche Substanz. Die gemessene Konzentration war dabei äußerst unterschiedlich. So enthielt laut „NDR“ beispielsweise der Géramont Weichkäse 80 Mikrogramm DEHP pro Kilogramm, die Konzentration im Bertolli Pesto war mit 240 Mikrogramm pro Kilogramm bereits dreimal so hoch und Kerrygold Butter enthielt ganze 520 Mikrogramm DEHP pro Kilogramm. Die höchste Belastung wiesen die Tester im Saint Albray Käse mit 910 Mikrogramm DEHP pro Kilogramm Käse nach.

Hohe Belastung der Bevölkerung mit gesundheitsgefährdenden Weichmachern
Nach Ansicht der Expertin Dr. Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt besorgniserregende Ergebnisse, auch wenn keine Grenzwerte überschritten wurden. Denn laut Aussage der Toxikologin gehen Grenzwerte immer davon aus, dass nur eine bestimmte Menge der Lebensmittel verzehrt wird, in der Praxis könnten diese Mengen jedoch deutlich überschritten werden. Auch finden sich die Weichmacher mittlerweile „in allen Menschen in Deutschland, und einige sind so hoch belastet, dass wir Entwicklungsschäden und gesundheitliche Schäden befürchten müssen“, zitiert der „NDR“ die Expertin des Umweltbundesamtes.

Lebensmittelhersteller unter Zugzwang
Auf Seiten der betroffenen Lebensmittelhersteller haben die nachgewiesenen Weichmacher in ihren Produkten laut Angaben des Rundfunksenders unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Während einige sich durchaus besorgt zeigten, haben andere versucht grundsätzlich abzuwiegeln. Dem „NDR“ zufolge erklärte beispielsweise der Hersteller von Bertolli Pesto alle Möglichkeiten zu überprüfen, um die Quelle der Belastung zu identifizieren. Der Produzent von Kerrygold Butter habe geschrieben, dass die aktuellen Untersuchungsergebnisse zum Anlass genommen werden sollen, um den eigenen Produktionsprozess noch einmal zu durchleuchten, berichtet der „NDR“. Anders fiel die Reaktionen indes bei den Käseproduzenten von Géramont und Saint Albray aus. Sie teilten lediglich mit, dass ihr Käse die Normen des Lebensmittelrechts einhalte.

Schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Weichmacher
Welche gesundheitliche Konsequenzen die Weichmacher haben können, verdeutlicht auch eine Metastudie des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Bei der Auswertung 240 früherer Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass durch die Belastung mit Weichmachern wie Bisphenol A ein erhöhtes Risiko von Übergewicht und Diabetes bedingt wird. Dabei wurde Ausmaß der Gesundheitsschäden laut Angaben des BUND vor allem durch den Zeitpunkt der Kontaminierung bestimmt. Während bei Erwachsenen "eine Belastung ohne Auswirkungen bleiben kann, seien insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen, wie der Schwangerschaft oder der frühen Kindheit, gravierende gesundheitliche Folgen möglich". Der BUND verweist auf "Beeinträchtigungen der Fortpflanzungsfähigkeit sowie Störungen der Gehirnentwicklung und des Immunsystems". Erkennbar würden "die Schädigungen meist erst im Erwachsenenalter" und seien dann in der Regel nicht mehr revidierbar. Die Aufnahme von Weichmachern über Nahrungsmittel sollte daher dringend minimiert werden, so die Umweltschützer. (fp)