Gefährlicher Darmkeim auf Kinderstation

Heilpraxisnet

Darmkeim bei Neugeborenen auf Intensivstation entdeckt

08.04.2015

In Düsseldorf ist auf der Frühchen-Intensivstation einer Klinik ein gegen Antibiotika resistenter Darmkeim entdeckt worden. Mehrere Babys werden derzeit noch behandelt. Die Quelle der Keime wurde noch nicht ermittelt.

Fünf Babys werden noch behandelt
In Düsseldorf wurde auf der Frühgeborenen-Intensivstation eines Krankenhauses ein gegen bestimmte Antibiotika resistenter Darmkeim entdeckt. Einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge teilten Ärzte des Florence-Nightingale-Krankenhauses mit, dass seit Anfang März bei 13 Frühgeborenen die Vancomycin-resistenen Enterokokken (VRE) festgestellt wurden. Derzeit würden noch fünf Babys behandelt, sechs seien nach Hause entlassen worden. Den Angaben zufolge seien zwei „extreme Frühgeborene“ gestorben, allerdings hätten diese beiden Todesfälle definitiv keinen Zusammenhang mit dem Keim.

Station zeitweise für Neuaufnahmen geschlossen
Es seien zwar seit gut einer Woche keine neuen Fälle dazu gekommen, doch die Quelle der Keime hat das Krankenhaus eigenen Angaben zufolge noch nicht gefunden. In der Intensivmedizin werden auch Frühgeborene behandelt, die lediglich 400 bis 500 Gramm wiegen. Die Station wurde nach der Entdeckung des VRE-Keims zeitweise für Neuaufnahmen geschlossen. Vom Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf wurde das offensive Vorgehen der Klinik gelobt. Amtsleiter Klaus Göbels sagte, dass der Vorfall bereits vor Erreichen der Meldepflicht mitgeteilt worden sei.

Betroffene Babys wurden isoliert
Nachdem eine VRE-Infektion bei einem kleinen Intensiv-Patienten auftrat, hatte das Krankenhaus eine Kontrolle bei allen Frühchen veranlasst und so das Ausmaß entdeckt. Daraufhin wurden spezielle Hygiene-Maßnahmen eingeleitet und die betroffenen Babys isoliert. Eltern müssten bei Besuchen außerdem Schutzkleidung anziehen und ihre Hände desinfizieren. Der Leitende Oberarzt Martin Berghäuser sagte: „Was uns so betroffen macht ist die Häufung.“ Zwei der Kinder hätten eine Infektion mit dem VRE-Keim, elf weitere eine „Besiedlung“. Das bedeutet, es gibt einen Nachweis des Keimes, ohne dass durch ihn eine Infektion ausgelöst worden sei.

Übertragungsweg noch nicht gefunden
Den Angaben zufolge sind VRE eine als Besiedler des Darms vorkommende Bakteriengattung und resistent gegenüber dem Antibiotikum Vancomycin. Berghäuser erklärte, dass es für Kinder zwei bis drei weitere Medikamente gibt, mit denen der Keim bekämpft werden kann. Er sagte dass die behandelnden Ärzte sehr unzufrieden seien, da der Übertragungsweg noch nicht gefunden sei. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wo er herkommt“, sagte der Oberarzt der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin. Er erklärte, das in der Intensivmedizin für Frühgeborene häufig Antibiotika eingesetzt würden.

Bis zu 15.000 Tote durch Krankenhauskeime
In deutschen Kliniken sterben jährlich bis zu 15.000 Menschen, nachdem sie sich dort mit multiresistenten Keimen infizierten. Noch viel mehr erkranken. Die gefährlichen Erreger müssen nicht zum Tode führen, doch vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem – also bei vielen Patienten in Krankenhäusern – besteht erhöhte Gefahr. Eine Infektion kann bei Patienten zum Beispiel Symptome wie Entzündungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen oder eine Blutvergiftung auslösen. (ad)

>Bild: N.Schmitz / pixelio.de