Gefährlicher Darmkeim KPC in Leipzig gestoppt

Alfred Domke

Gefährlicher Darmkeim KPC in Leipzig gestoppt

26.06.2013

Am Uniklinikum Leipzig wurden seit April keine KPC-Keime mehr gefunden. Sieben Patienten waren seit dem Ausbruch vor zwei Jahren daran gestorben.

Insgesamt 98 nachgewiesene Fälle
Seit „fast drei Monaten“ sind nach deren eigenen Angaben am Uniklinikum Leipzig (UKL) keine multiresistenten Erreger des Typs KPC (Klebsiella pneumoniae mit Carbapenemasebildung) mehr nachgewiesen worden. In einer Erklärung heißt es: „Der letzte Nachweis erfolgte Anfang April.“ KPC befällt Harnwege und das Atemsystem und ist gegen viele Antibiotika resistent. Im UKL habe es seit Juli 2010 insgesamt 98 nachgewiesene Fälle gegeben, davon sei in sieben Fällen „ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer KPC-Infektion und dem tödlichen Krankheitsverlauf anzunehmen." Die tödlichen Fälle seien ausnahmslos schwerstkranke Patienten gewesen, mit oftmals chronischen Vorerkrankungen, bei denen wenig Aussicht auf ein Überleben bestand. Und der größte Teil der Patienten waren lediglich Träger des Keims, ohne dass daraus gesundheitliche Einschränkungen resultierten.

Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz
Im Sommer 2012 hatte das Klinikum auf die Häufung der KPC-Fälle reagiert und verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen, so unter anderem ein Eingangsscreening der Patienten, die Einrichtung von drei Isolierstationen und eine verschärfte Kontrolle des Antibiotika-Einsatzes. „Wir müssen uns bewusst machen, dass es keinen 100-prozentigen Schutz vor Krankenhausinfektionen gibt und geben kann", so der Medizinische Vorstand, Prof. Wolfgang E. Fleig. „Der vor drei Jahren durch einen aus Griechenland übernommenen Patienten ausgelöste KPC-Ausbruch konnte erfolgreich eingedämmt werden, aber wir müssen damit leben, dass KPC und andere multiresistente Erreger uns auch künftig beschäftigen werden." Professor Arne Rodloff, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und UKL-Hygieniker, meint, dass das UKL inzwischen „eine Vorreiterrolle bei der Kontrolle und Erforschung des gegen die meisten Antibiotika resistenten Erregers“ einnimmt. Die Schutzmaßnahmen sollen auch in Zukunft beibehalten werden.

Resistente Keime sind ein wachsendes Problem
Auch die Berliner Universitätsklinik Charité geriet vor einigen Monaten wegen einem KPC-Ausbruchs in die Schlagzeilen. Bakteriologen der renommierten Klinik berichteten von einem Ausbruch des Keims Klebsiella pneumoniae (KPC-3). Der ärztliche Direktor der Klinik, Professor Ulrich Frei, betonte, dass „der Ausbruch mit diesem Keim besonders ernst genommen wird“, verwies allerdings auch auf die zunehmende Verbreitung des resistenten Bakteriums und der eingeschränkten Therapiemöglichkeiten. Die vorsitzende Hygienikerin, Professor Petra Gastmeyer betonte: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass in den nächsten Jahren immer mehr Carbapenem-resistente Keime in den Krankenhäusern Europas auftreten." (ad)

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