Gefährliches Anti-Durchfall-Arzneimittel: Möglicher Herzstillstand durch Loperamid

Die US-Aufsichtsbehörde warnt eindringlich vor der missbräuchlichen Einnahme von Anti-Durchfall-Mitteln.(Bild: denisismagilov/fotolia.com)
Nina Reese
Missbräuchliche Verwendung kann im Ernstfall zu Herzstillstand führen
Hohe Dosen des Anti-Durchfall-Mittels Loperamid können offenbar schwerwiegende bzw. sogar tödliche Herzprobleme hervorrufen. Davor warnt die amerikanische Aufsichtsbehörde „Food and Drug Administration“ (FDA). Laut der Behörde sollten Verbraucher den Arzneistoff dementsprechend nur im Rahmen der zugelassenen Dosierung einnehmen. Das Antidiarrhoikums Loperamid ist auch in Deutschland rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Es wird zur symptomatischen Behandlung von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursache bei Jugendlichen und Erwachsenen eingesetzt.

Wirkstoff zur Behandlung von Durchfallerkrankungen
Der Wirkstoff Loperamid zählt zu der Gruppe der so genannten „Peristaltikhemmer“ und wird bei Jugendlichen und Erwachsenen zur Behandlung der Symptome von Durchfallerkrankungen eingesetzt. Die maximal zulässige Tagesdosis für Erwachsene beträgt in den USA 8 mg pro Tag im Rahmen der Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln und 16 mg pro Tag für verschreibungspflichtige Medikamente, die auf ärztliche Verordnung hin genommen werden.

Die US-Aufsichtsbehörde warnt eindringlich vor der missbräuchlichen Einnahme von Anti-Durchfall-Mitteln.(Bild: denisismagilov/fotolia.com)
Die US-Aufsichtsbehörde warnt eindringlich vor der missbräuchlichen Einnahme von Anti-Durchfall-Mitteln.(Bild: denisismagilov/fotolia.com)

Nun warnt die die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA vor einer missbräuchlichen Einnahme von Loperamid, welches in den USA unter der Marke „Imodium® A-D“ sowie in Form von Eigenmarken und Generika verkauft wird. Denn durch zu hohe Dosierungen des Arzneistoffs seien einer aktuellen Mitteilung zufolge schwere Herzproblemen möglich, die im Ernstfall sogar zum Tod führen könnten. Das gleiche gelte, wenn hohe Dosen mit anderen Arzneimitteln, die mit Loperamid interagieren, kombiniert eingenommen werden. Auch dann erhöhe sich der Warnung zufolge das Risiko für schwere Herzprobleme, zu denen auch Herzrhythmusstörungen zählen.

Häufig Kombination mit anderen Medikamenten
Die Mehrzahl der gemeldeten Fälle von schweren Herzproblemen sei bei Personen aufgetreten, die missbräuchlich hohe Dosen von Loperamid eingenommen hätten, um beispielsweise die Nebenwirkungen eines Entzugs von Opioiden selbst zu behandeln „oder ein Gefühl der Euphorie zu erreichen“, berichtet die Behörde. Der Wirkstoff werde bei diesen Missbrauchsfällen häufig gemeinsam mit anderen Substanzen eingenommen, welche die Aufnahme des Stoffes in den Körper (Absorption) erhöhen und dazu führen, dass Loperamid die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Ebenso kämen parallel Arzneien zum Einsatz, die den Abbau von Loperamid hemmen, um dadurch die euphorischen Effekte zu erhöhen.

Bei Auffälligkeiten muss die Einnahme sofort gestoppt werden
Mediziner sollten sich der Mitteilung nach bewusst sein, dass die Verwendung von höheren als den empfohlenen Dosen des Mittels zu schweren kardialen Nebenwirkungen führen kann. Dementsprechend sollte Loperamid als eine mögliche Ursache für unerklärliche kardiale Ereignisse einschließlich einer Verlängerung des QT-Intervalls, Torsade-de-pointes-Tachykardie oder andere ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörung), Synkopen (Ohmacht) und Herzstillstand betrachtet werden. Bei Verdacht auf eine toxische Wirkung durch Loperamid müsse das Medikament sofort abgesetzt und eine entsprechende Therapie begonnen werden, so die FDA weiter.

Nach zwei Tagen Durchfall zum Arzt
Patienten, die unter Durchfall leiden, sollten auf Anraten der Behörde auf keinen Fall die empfohlene maximale Aufnahmemenge überschreiten. Bleibt der flüssige Stuhlgang mehr als zwei Tage bestehen, müsse ein Arztaufgesucht werden. Vorsicht sei geboten, wenn Patienten nach der Einnahme von Loperamid ohnmächtig werden, einen schnellen bzw. unregelmäßigen Herzschlag bekommen oder nicht mehr auf Ansprache reagieren bzw. sich nicht mehr aufwecken lassen. In diesen Fällen müsse sofort der Notarzt alarmiert werden.

Großpackungen unterliegen der Verschreibungspflicht
Auch in Deutschland wird Loperamid zur Behandlung von akuten und chronischen Durchfällen eingesetzt. Die beiden bekanntesten Arzneimittel mit dem Wirkstoff sind „Imodium akut“ und „Loperamid-ratiopharm akut“. Diese sind in Kleinpackungen mit bis zu zwölf Tabletten bzw. Kapseln à zwei Milligramm Wirkstoff ohne Rezept in der Apotheke erhältlich, da dies der Maximaldosis für zwei Tage entspricht. Neben dem muss auf den frei zugänglichen Mitteln der Hinweis vermerkt sein, dass das Mittel nur von Erwachsenen und Kindern ab dem vollendeten 12. Lebensjahr eingenommen werden darf, informiert die „Deutsche Apotheker Zeitung“.

Für Kinder unter zwei Jahren tabu
Für die Langzeitbehandlung steht das Mittel verschreibungspflichtig auch in Form von größeren Packungen zur Verfügung. Die Höchstdosis für Erwachsenen liege bei ärztlicher Verschreibung ebenso wie in den USA bei 16 mg pro Tag. Unter ärztlicher Aufsicht könne das Mittel auch bereits ab zwei Jahren eingesetzt werden, so die Zeitung weiter. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte demnach schon vor einiger Zeit auf ein Missbrauchspotenzial hingewiesen, da Loperamid in Kombination mit Chinin offenbar in der Drogenszene eingesetzt werde. Dies sei ein Grund gewesen, warum Chinin zum 1. Januar 2015 der Verschreibungspflicht unterstellt wurde.

Keine Einnahme bei Fieber oder Darmentzündungen
Die Apothekerkammer Niedersachsen empfiehlt Patienten mit Durchfall, sich vor der Selbstmedikation mit Loperamid in der Apotheke gründlich beraten zu lassen. Demnach dürfe der Wirkstoff keinesfalls angewendet werden, wenn parallel Fieber oder Blut im Stuhl auftritt. Gleiches gelte bei bestehenden Darmentzündungen sowie bei Durchfällen infolge der Einnahme von Antibiotika. In diesen Fällen müsse ebenso wie bei anhaltendem Durchfall (länger als zwei Tage) unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. (nr)

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