Gefährliches Zika-Virus: Deutschland vermeldet schon zwölf Fälle im Mai

Seit der Einführung der gesetzlichen Meldepflicht am 1. Mai wurden hierzulande zwölf neue Zika-Infektionen registriert. (Bild: Flavio_Brazil/fotolia.com)
Nina Reese
Dunkelziffer der Ansteckungen vermutlich weitaus höher
Seit dem 1. Mai 2016 besteht in Deutschland eine gesetzliche Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtet, seien bisher deutschlandweit zwölf Fälle gemeldet worden, wobei sich Betroffenen demnach vermutlich auf Reisen angesteckt hatten. Damit habe sich den Angaben zufolge die Anzahl der behördlich erfassten Zika-Erkrankungen hierzulande auf 56 erhöht.

Virus wütet vor allem in Mittel- und Südamerika
Das gefährliche Zika-Virus konnte bisher in etwa 60 Ländern nachgewiesen werden, wobei vor allem Länder in Mittel- und Südamerika betroffen sind. In Deutschland wird laut dem RKI bislang nur von einer geringen Ansteckungsgefahr ausgegangen, da die Virus übertragende Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) hierzulande nicht vor kommt. Bislang ist jedoch noch nicht geklärt, ob auch in Europa lebende Insekten wie z.B. die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Virus verbreiten können. Hier seien nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor allem die Insel Madeira sowie die Schwarzmeerküste in Georgien und Russland betroffen.

Seit der Einführung der gesetzlichen Meldepflicht am 1. Mai wurden hierzulande zwölf neue Zika-Infektionen registriert. (Bild: Flavio_Brazil/fotolia.com)
Seit der Einführung der gesetzlichen Meldepflicht am 1. Mai wurden hierzulande zwölf neue Zika-Infektionen registriert. (Bild: Flavio_Brazil/fotolia.com)

Genaue Zahl der Infektionen bislang unbekannt
Dementsprechend handelte es sich bei den bislang gewordenen Zika-Fällen fast ausnahmslos um Reiserückkehrer aus den betroffenen Gebieten, durch die das Virus nach Deutschland importiert wurde. Auch das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin hatte während der aktuellen Zikavirus-Epidemie in Süd- und Mittelamerika zwischen Herbst 2015 und Ende April 2016 mehrere Zika-Fälle bei Rückkehrern in Deutschland bestätigt. Genaue Zahlen über die Ansteckungsfälle waren bislang aber nicht bekannt.

Hohe Dunkelziffer durch nicht erkannte Erkrankungen
Seit dem 1. Mai gilt in Deutschland nun jedoch eine gesetzliche Meldepflicht für das Zika-Virus. In den ersten vier Wochen nach der Einführung haben die Behörden nach Angaben des RKI zwölf Krankheitsfälle registriert. „Wir gehen davon aus, dass sich alle Erkrankten auf Reisen angesteckt haben“, erklärte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Damit sei die Zahl der offiziell erfassten Fälle seit Oktober auf 56 gestiegen – doch dies könnte möglicherweise nur einen Teil der Realität abbilden: „Es dürfte eine nicht unerhebliche Dunkelziffer geben, da die Krankheit in der Regel mild verläuft und Betroffene gar nicht erst zum Arzt gehen“, so die Sprecherin des Instituts weiter.

Brasilianische Regierung weitet Mückenbekämpfung aus
Angesichts der wütenden Epidemie in Süd- und Mittelamerika will die brasilianische Regierung mit einer Ausweitung des Mückenbekämpfungs-Programms Sportler und Besucher der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) vor dem Virus schützen. Über 260.000 Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen sich dabei verstärkt um die Bekämpfung der Mückenart Aedes aegypti kümmern, denn ein Impfstoff gegen Zika steht bislang nicht zur Verfügung.

Aufgrund des erhöhten Ansteckungs-Risikos sprachen bereits mehrere Gesundheitsexperten und Sportler wie z.B. der Baseballspieler Francisco Rodriguez von den Detroit Tigers ihre Bedenken aus. Laut „Spiegel online“ hatte Rodriguez dem Portal ESPN.com berichtet, dass er sich in seiner Heimat Venezuela mit dem Virus angesteckt und zwei Monate benötigt habe, um wieder völlig gesund zu werden. Dementsprechend könne er Sportlern keinen Vorwurf machen, wenn diese auf Olympia verzichten würden. „Wenn sie planen, Kinder zu haben, müssen sie darüber nachdenken“, so der Baseballspieler.

Zusammenhang mit Schädelfehlbildungen bestätigt
Denn Zika kann Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen auslösen – das gilt mittlerweile als bewiesen. Bei der so genannten „Mikrozephalie“ handelt es sich um eine Entwicklungsbesonderheit, bei welcher der Schädel im Vergleich zum Normalzustand ungewöhnlich klein ist. Dies kann zu Hirnfehlbildungen führen, wodurch die betroffenen Kinder häufig geistig behindert sind und unter neurologischen Störungen leiden.

Nach Rückkehr aus Risikogebieten aus Safer Sex achten
Zika wird hauptsächlich durch Stiche der Gelbfiebermücke verbreitet. Neben dem kann das Virus unter Umständen auch durch ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden, wenn sich der Mann zuvor im Ausland infiziert hat. Daher empfiehlt die WHO Touristen aus Zika-Gebieten, nach ihrer Heimreise mindestens acht Wochen auf ungeschützten Geschlechtsverkehr zu verzichten. Frauen bzw. Paare, die eine Schwangerschaft planen, sollten ebenfalls mindestens acht Wochen nach der Rückkehr abwarten. Männer, die Symptome einer Zikavirus-Infektion entwickeln, sollten demnach 6 Monate lang „Safer Sex“ praktizieren. Die Beschwerden ähneln denen anderer mückenübertragender Infektionen (z.B. Denguefieber), verlaufen aber in der Regel deutlich milder. Typisch sind Hautausschlag, Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber, wobei die Symptome meist innerhalb von drei bis 12 Tagen nach einem infektiösen Mückenstich auftreten. (nr)

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