Gefälschte Malaria-Medikamente

Fabian Peters

Bekämpfung von Malaria durch gefälschte Medikamente gefährdet

22.05.2012

Jährlich sterben hunderttausende Menschen weltweit an einer Malaria-Infektion. Daher haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO), freiwillige Hilfsorganisationen und die nationalen Gesundheitsbehörden in den betroffenen Ländern seit Jahren ihr Engagement im Kampf gegen die gefährliche Tropenkrankheit verstärkt – mit Erfolg.

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Forscher der Nationalen Gesundheitsinstitute in den USA (NIH) warnen nun jedoch vor einer Gefährdung des bisherigen Erfolgs durch gefälschte Malaria-Medikamente, so die Mitteilung der Nachrichtenagentur „dpa“. Demnach hatten die Wissenschaftler um Gaurvika Nayyar mehrere frühere Studien aus Südostasien und Afrika ausgewertet, um mögliche Hindernisse in der Malaria-Bekämpfung aufzudecken. Sie stellten fest, dass 20 bis 42 Prozent der untersuchten Malaria-Medikamente, eine schlechte Qualität hatten oder gefälscht waren. Die entsprechenden Präparate wurden in 28 Ländern angeboten. Diese minderwertigen Malaria-Medikamente drohen die bisherigen Erfolge im Kampf gegen Malaria zunichte zu machen, schreiben Gaurvika Nayyar und Kollegen in dem Fachjournal „ The Lancet Infectious Diseases“.

Bekämpfung von Malaria ein Millenniumsentwicklungsziel
Die Bekämpfung von Malaria ist eines der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN). Demnach soll bis 2015 die Ausbreitung von Malaria zum Stillstand gebracht und eine Trendumkehr erreicht werden. Tatsächlich wurden seither beachtliche Erfolge im Kampf gegen Malaria erzielt, so dass laut Angaben der WHO die Zahl der Todesfälle um knapp eine Viertel auf 655.000 Malaria-Tote im Jahr 2010 gesunken ist. Damit ist das Ziel einer Eindämmung des sogenannten Sumpffiebers zwar noch lange nicht erreicht, doch die intensiven Bemühungen der WHO, der nationalen Gesundheitsbehörden und der Hilfsorganisationen haben Früchte getragen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte auch die verbesserte medikamentöse Versorgung der Betroffenen vor Ort. Allerdings zeigen die aktuellen Studienergebnisse der Wissenschaftler um Gaurvika Nayyar, dass die bisherigen Erfolge auf wackeligen Beinen stehen.

Resistenzen der Malaria-Erreger durch gefälschte Präparate
Bisher liegen laut Aussage der US-Wissenschaftler keine verlässlichen Daten zu der Verbreitung gefälschter oder mangelhafter Malaria-Medikamente vor, doch die aktuelle Studie offenbare erschreckende Zahlen. Bis zu 42 Prozent der Präparate waren im Rahmen ihrer Untersuchung mangelhaft oder gefälscht, berichten Gaurvika Nayyar und Kollegen. Diese minderwertigen Malaria-Medikamente gefährden den Erfolg der bisherigen Bemühungen, so die US-Forscher weiter. Denn die Einnahme von falsch dosierten Medikamenten führe zur Entwicklung von Resistenzen der Krankheitserreger, wie zuletzt in der Grenzregion zwischen Thailand und Kambodscha gegen den Wirkstoff Artemisinin. Da Artemisinin einer der wichtigsten Wirkstoffe in Kombinationspräparaten gegen Malaria ist, zeigten sich die Gesundheitsbehörde weltweit über die nachgewiesenen Resistenzen besonders besorgt. Sollten die Resistenzen gegen die gängigen Malaria-Medikamente weiter zunehmen, so droht ein massiver Wiederanstieg der Todesfälle, warnen die Experten. Welches Gefährdungspotenzial von Malaria tatsächlich ausgeht, wird anhand der von Gaurvika Nayyar genannten Zahlen deutlich. So sind laut Aussage der Expertin des Fogarty International Center der NIH „3,3 Milliarden Menschen von einer Ansteckung mit Malaria bedroht, die in 106 Ländern vorkommt.“

Unterschiedliche Zahlen zu den Malaria-Todesfällen
Eine Malaria-Infektion ist in erster Linie durch hohes, wiederkehrendes Fieber, begleitet von Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden gekennzeichnet. Vor allem Kinder sind in besonderer Weise gefährdet und erliegen bei unterlassener medizinischer Versorgung häufig den Folgen der Infektion. Über die Zahl der tatsächlichen Todesopfer herrscht in der Fachwelt keineswegs Einigkeit, denn während die WHO von 655.000 Malaria-Todesfällen im Jahr 2010 ausgeht, errechneten US-Forscher von der University of Washington eine Zahl von rund 1,2 Millionen Todesopfern. Am stärksten betroffene waren dabei Kinder im Alter unter fünf Jahren, die 56 Prozent der Malaria-Todesfälle ausmachten. Obwohl auch in den Zahlen der US-Forscher ein Rückgang erkennbar ist, verdeutlichen die gewonnenen Daten, dass ein Erreichen des Millenniumsentwicklungsziels an dieser Stelle bereits ausgeschlossen werden kann. Bleibt zu hoffen, dass durch die Verbreitung der gefälschten und minderwertigen Malaria-Medikamente in Zukunft kein Wiederanstieg der Infektionszahlen bedingt wird. (fp)