Geflügel, Glutamat und Tierabfall: Bei Kalbsdöner wird vielfach gemogelt

In Kalbfleisch-Döner sind oft auch Putenfleisch, Brät oder Zusatzstoffe wie Glutamat enthalten. Das haben NDR-Recherchen ergeben. Solche Produkte dürften gar nicht als "Döner" angepriesen werden. (Bild: Aliaksei Smalenski/fotolia.com)
Alfred Domke
Nicht nur reines Kalbfleisch: Manche Döner-Produzenten mogeln
Für Döner wurde zwar ursprünglich nur Hammel- oder Lammfleisch verwendet, doch schon seit langem ist das beliebte Fastfood auch mit anderen Fleischsorten erhältlich. In Imbissen wird oft damit geworben, dass die Ware 100 Prozent dieses oder jenes Fleisches enthält. Wie Recherchen des NDR ergeben haben, wird dabei allerdings oft gemogelt.

Bei Lebensmitteln wird getrickst
Immer wieder wird über Tricks und Täuschungen bei Lebensmitteln berichtet. So wurde etwa darauf hingewiesen, dass in fast allen Lebensmittelprodukten versteckter Zucker enthalten ist. Offenbar wird auch gemogelt, wenn es um den genauen Inhalt von Döner geht. Das beliebte Fastfood enthält häufig auch Pute sowie Fleischbrät und Zusatzstoffe wie Glutamat – obwohl es als Kalbfleisch-Döner angepriesen wird.

In Kalbfleisch-Döner sind oft auch Putenfleisch, Brät oder Zusatzstoffe wie Glutamat enthalten. Das haben NDR-Recherchen ergeben. Solche Produkte dürften gar nicht als "Döner" angepriesen werden. (Bild: Aliaksei Smalenski/fotolia.com)
In Kalbfleisch-Döner sind oft auch Putenfleisch, Brät oder Zusatzstoffe wie Glutamat enthalten. Das haben NDR-Recherchen ergeben. Solche Produkte dürften gar nicht als „Döner“ angepriesen werden. (Bild: Aliaksei Smalenski/fotolia.com)

Döner der nicht als „Döner“ bezeichnet werden darf
Zu diesem Ergebnis kommen Laboruntersuchungen im Auftrag des NDR-Verbrauchermagazins „Markt“. Wie der NDR auf seiner Webseite berichtet, hat die Redaktion in einer Stichprobe Kalbsdöner aus Imbissläden in Hamburg von einem akkreditierten Lebensmittellabor auf die verwendeten Fleischsorten untersuchen lassen. Es zeigte sich, dass die Döner nicht den Leitlinien des Lebensmittelbuches entsprachen und deshalb nicht als „Döner“ bezeichnet werden dürfen.

Den Angaben zufolge enthielten vier der fünf als Kalbsdöner verkauften Produkte neben Rind- und Putenfleisch auch einen hohem Anteil Brät. „Sowohl der Zusatz von Putenfleisch, als auch der erhebliche Zusatz von Brät und nicht deklarierten Zusatzstoffen ist im klassischen Döner nicht erlaubt“, erklärte Dr. Volkmar Heinke, Lebensmittelchemiker am Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern.

Brät ist nicht erlaubt
Laut den „Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft dürfen im Döner Scheibenfleisch sowie bis zu 60 Prozent Hackfleisch enthalten sein. „Außer Salz und Gewürzen sowie ggf. Eiern, Zwiebeln, Öl, Milch und Joghurt enthält Döner Kebab keine weiteren Zutaten“, heißt es dort.

Also auch kein Brät. „Brät ist etwas, das in eine Brühwurst gehört“, sagte Heinke dem NDR. Es handele sich dabei um „zum Teil zerrissene Skelettmuskulatur, inklusive Gefäßen, Nerven und Fettgewebe. Das kann also im Prinzip alles sein“.

Fleischsorten müssen klar gekennzeichnet werden
Laut Lebensmittelbuch dürfen Kalbsdöner, die Brät, Glutamat oder Putenfleisch enthalten, nicht als „Döner“ oder „Döner Kebab“ verkauft werden, sondern lediglich als „Drehspieß“. Doch auch bei diesem müssen Zusatzstoffe und verwendete Fleischsorten für den Verbraucher klar gekennzeichnet sein. Dem NDR zufolge hielt sich jedoch keiner der getesteten Betriebe an diese Vorschrift.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Betreiber vorsätzlich handeln. So sind die fertig angelieferten Spieße der Großproduzenten nach „Markt“-Recherchen als „Drehspieß“ gekennzeichnet und tragen den Hinweis, dies auch dem Endverbraucher klar kenntlich zu machen. Manche Betreiber ignorieren die Deklarationspflicht allerdings und verkaufen den Drehspieß als „Döner“.

Irreführung der Verbraucher
Mittlerweile beschäftigt die Irreführung auch die Behörden. Eine Anfrage des NDR-Magazins bei den zuständigen norddeutschen Landesämtern ergab, dass diese in eigenen Untersuchungen etwa 90 Prozent der Kalbfleischproben wegen einer Vielzahl von Mängeln beanstandeten. Den Imbissbetreibern drohen im Fall einer Strafverfolgung wegen Betrugs Geldstrafen und in besonders harten Fällen Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren. (ad)

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