Geheimnis um die winzige „Alien“-Mumie aus Chile wurde gelüftet

Volker Blasek

Rätsel um das vermeintliche Alien gelöst

Das makellose Skelett des alienartigen Wesens wurde in einem Lederbeutel hinter einer verlassenen Kirche in der Atacamawüste in Chile entdeckt. Das winzige Geschöpf ist nur 15 Zentimeter lang und hat einen kegelförmigen Kopf, nur zehn Rippenpaaren und Knochen, die aussahen wie die eines achtjährigen Kindes. Das mumifizierte Wesen wurde erst auf dem Schwarzmarkt als Alien-Leiche gehandelt und gelangte schließlich in die Hände eines spanischen Händlers. Nun wurde eine forensische Analyse durchgeführt, die das Rätsel des kleinen Sonderlings löste.


Das kleine Wesen erhielt den Namen „Ata“. Wissenschaftler an der University of California San Francisco (UCSF) und der Stanford University haben zweifelsfrei bewiesen, dass es ein Mensch ist. Ata hat die DNA einer menschlichen Frau mit der Mischung aus indianischen und europäischen Vorfahren. Diese Mischung sei typisch für den Fundort der Leiche. Nichtsdestotrotz ist der Fund ein wissenschaftliches Phänomen, da Ata eine Handvoll seltener genetischer Mutationen aufweist. Einige dieser Mutationen wurden an der Leiche erstmals entdeckt. Die Ergebnisse der Analyse wurden in dem Fachjournal „Genom Research“ publiziert.

Bei Ata handelt es sich offenbar um ein Baby mit seltenen Mutationen, das kurz vor oder kurz nach der Geburt verstarb. (Bild: Bhattacharya S et al.)

Mutationen verursachten die seltsame Erscheinung

„Die Bioinformatik-Analysen in der Studie führten zur Entdeckung von neuen und seltenen schädlichen Varianten in den Genen des Ata-Phänotyps“, erläutert Sanchita Bhattacharya, ein Bioinformatik-Forscher an der UCSF in einer Pressemitteilung der Universität zu den Studienergebnissen. Die Analyse sei aufgrund der sehr begrenzten Menge an Informationen über das Exemplar und der fehlenden Familiengeschichte sehr schwierige gewesen, was dies zu einem einzigartigen Fall mache.

Computergestützte Analyse

Die Forscher verwendeten die sogenannte „Humane Phänotyp-Ontologie (HPO)“, eine Datenbank, die allgemeine genomische Daten enthält, welche mit den Genen der rätselhaften Leiche abglichen wurden. In einer ersten Analyse fanden die Wissenschaftler 64 Genvarianten, die wahrscheinlich schädlich waren. Der Abgleich mit der HPO-Datenbank zeigte, dass die meisten Mutationen mit dem Skelettsystem zu tun hatten. So kam es zum Kleinwuchs und zu den 10 Rippenpaaren, die bei Ata erstmals beobachtet wurden.

Seltene Mutationen

Die Ergebnisse zeigten vier erstmalig entdeckte genetische Mutationen in den Genen, die Knochenerkrankungen wie Skoliose oder Verschiebungen von Organen verursachen. Zusätzlich wurden zwei weitere Mutationen entdeckt, die an der Produktion von Kollagen beteiligt sind.

Umgekehrte Reihenfolge

Die Forscher berichten, dass sie zu den Ergebnissen kamen, indem sie bei der Analyse eine rückwärts-gerichteten Ansatz verwendeten. Anstatt mit einer Beschreibung der Krankheit zu beginnen und nach einem mutierten Gen zu suchen, begannen die Wissenschaftler, das gesamte genetische Material des „Patienten“ mit der Datenbank abzugleichen, um zu sehen, wie es sich von einer normalen Probe unterscheidet. Die genetischen Variationen, die aus diesem Vergleich hervorgehen, zeigten dann auf unvoreingenommene Weise, um welche Prozesse es sich handelt.

Ata hilft der heutigen Medizintechnik

„Die Analyse einer rätselhaften Probe wie der von Ata kann uns lehren, wie man mit medizinischen Proben umgehen sollte, die von mehreren Mutationen betroffen sind“, berichtet Atul Butte, Leiter des „Institute for Computational Health Science“ an der UCSF. Wenn die Forscher die Genome von Patienten mit ungewöhnlichen Syndromen untersuchen, könne es genetisch mehr als ein Gen oder einen Weg geben, der nicht immer berücksichtigt werde.

Ata wurde zuerst für ein Alien gehalten

Die ersten Untersuchungen an Ata führte der Mikrobiologie und Immunologie Professor Garry Nolan an der Medizinischen Fakultät der Stanford University durch. Er erhielt einen Anruf eines Freundes, der sagte, er habe vielleicht ein echtes Alien gefunden. „Nichts dergleichen war zuvor gesehen worden“, so Nolan.

Weitere Forschungen an Ata

Nolan glaubt, dass weitere Forschungen zu Atas vorzeitiger Knochenalterung eines Tages Patienten zugute kommen könnte. „Vielleicht gibt es einen Weg, das Knochenwachstum bei Menschen zu beschleunigen“, vermutet Nolan. Dies könne Menschen mit Knochenkrankheiten helfen.

Eine Beerdigung für den kleinen Ata?

Nolan hofft, dass eines Tages der kleine Ata eine angemessene Beerdigung erhalten wird. „Wir wissen jetzt, dass Ata ein Kind ist und wahrscheinlich entweder vor oder nach der Geburt gestorben ist“, resümiert Nolan. Er spricht sich dafür aus, dass Ata in das Herkunftsland zurückgebracht und nach den Gebräuchen der Einheimischen begraben wird. (vb)