Gehirnforscher: Hohe Bildung kann unser Demenz-Risiko verringern

Ein hohes Bildungsniveau wirkt dem Risiko einer Demenz-Erkrankung entgegen. (Bild: alphaspirit/fotolia.com)
Alexander Stindt
Bessere Schulbildung und gute kardiovaskuläre Gesundheit reduzieren Demenz-Wahrscheinlichkeit
Wenn Menschen an Demenz erkranken, entstehen viele unangenehme Probleme für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Erkrankte sind meist kaum noch in der Lage, ihr Leben selbständig zu führen und benötigen eine umfangreiche Pflege. Schon lange versuchen Mediziner die Ursachen der Krankheit besser zu verstehen und ein Mittel zur Behandlung von Demenz zu entwickeln. Ein hohes Bildungsniveau und eine gute kardiovaskuläre Gesundheit könnten helfen, das Risiko für einer Demenz-Erkrankung zu reduzieren, behaupten jetzt amerikanische Forscher.

Eine Demenz-Erkrankung hat schlimme Folgen für Betroffene und deren Angehörige. Demenz ist ein großes Problem in unserer heutigen Gesellschaft und betrifft immer mehr alte Menschen weltweit. Forscher von der „Boston University School of Medicine“ versuchten jetzt, die Erkrankung besser zu verstehen und neue Wege zu finden, wie Menschen eine Demenz vermeiden können. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihr Ergebnisse in dem Fachjournal „New England Journal of Medicine“.

Ein hohes Bildungsniveau wirkt dem Risiko einer Demenz-Erkrankung entgegen. (Bild: alphaspirit/fotolia.com)
Ein hohes Bildungsniveau wirkt dem Risiko einer Demenz-Erkrankung entgegen. (Bild: alphaspirit/fotolia.com)

Gute Bildung und ein gesundes Herz schützen uns vor Demenz
Viele Menschen auf der ganzen Welt sind an Demenz erkrankt. Die Anzahl wird insgesamt auf etwa 47,5 Millionen geschätzt. Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen, dass Bildungsniveau und gute kardiovaskuläre Gesundheit helfen können, die Wahrscheinlichkeit einer Demenz zu reduzieren. Für ihre neue Studie untersuchten die Forscher die Gesundheitsdaten von 5.205 Probanden. Die Testpersonen waren Teil der „Framingham Heart Study“. Die Häufigkeit von Demenz-Erkrankungen in den USA ist seit Mitte der 1970er Jahre deutlich gesunken, sagt Dr. Sudha Seshadri von der „Boston University School of Medicine“. Das Alter, in dem die Erkrankung des Gehirns einsetzt, stieg von durchschnittlich 80 Jahren in den späten 1970er Jahren, auf 85 Jahre in den letzten Jahren, berichten die Wissenschaftler. Es könnte also Wege geben, um die Erkrankung hinauszuzögern oder zu verhindern.

Unsere Bildung und die Gesundheit des Herzens scheinen Faktoren zu sein, die mit dem Rückgang von Demenz-Fällen zusammenhängen, erläutert Dr. Seshadri. Allerdings gebe es auch andere Faktoren, die für einen solchen Rückgang verantwortlich sein könnten. Der deutliche Rückgang für das Risiko von Demenz-Erkrankungen war nur bei Personen zu beobachten, die zumindest einen Schulabschluss hatten, sagen die Experten. Bei dieser Gruppe von Probanden gingen die Demenz-Fälle um etwa 44 Prozent zurück, verglichen mit Menschen ohne Schulabschluss. Diese Risikoreduktion konnte allerdings nur bei Probanden mit Schulabschluss festgestellt werden, fügen die Mediziner hinzu. Eine frühere Untersuchung hatte festgestellt, dass bei Menschen mit besserer Schulbildung und einer geistig fordernden Arbeit, ein Rückgang der kognitiven Fähigkeiten um etwa fünf Jahre später eintritt, erklärt Dr. Seshadri. Die Bildung könne aber auch den individuellen wirtschaftlichen und sozialen Status widerspiegeln und Menschen mit einer Hochschulbildung haben vielleicht einfach bessere Voraussetzungen für gute Pflege im Alter, betont die Expertin.

Die Forscher entdeckten auch, dass eine Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit, mit dem Rückgang des Demenz-Risikos verbunden ist. Eine verbesserte Gesundheit unseres Herzens könne also einen großen Unterschied machen, erläutern die Wissenschaftler in ihrer Studie.

Verdreifachung der Demenz-Fälle bis zum Jahr 2050
Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Im Jahr 2015 gab es etwa 5,1 Millionen Menschen in den USA, die an dieser Krankheit litten, sagen die Mediziner. Die Zahl der Demenzerkrankungen können sich in den kommenden Jahrzehnten deutlich erhöhen. Die Inzidenz der Krankheit werde voraussichtlich bis zum Jahr 2050 auf 13,8 Millionen Fälle ansteigen, sagen die amerikanischen Experten. Das würde bedeuten, dass sich die Anzahl der Erkrankten in diesem Zeitraum verdreifacht, wenn nicht ein medizinischer Durchbruch gelingt, der die Krankheit verhindert oder eine verbesserte Behandlung ermöglicht, warnen die Wissenschaftler. (as)

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