Gehirntraining hilft bei Schlafstörung

Heilpraxisnet

Leichte Schlafstörungen mit gezieltem Training statt mit Medikamenten bekämpfen

15.04.2015

Eine Methode des Neurofeedbacks könnte leichte Schlafstörungen beseitigen. Die Betroffenen lernen, ihre Gehirnströme zu lenken, so dass sie bewusst ein Schlafmuster erzeugen können. In der Folge verbessert sich die Schlafqualität der Patienten, wie Manuel Schabus, Psychologe und Schlafforscher am Centre for Cognitive Neuroscience an der Universität Salzburg, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „APA“ berichtet.

Medikamente gegen Schlafstörungen haben oft unangenehme Nebenwirkungen
Schlafentzug zählt zu den grausamsten Foltermethode, bei denen die Betroffenen allmählich ihren Verstand verlieren. Bereits leichte Schlafstörungen können unangenehme Beschwerden verursachen, wie dauerhafte Müdigkeit, Verspannungen, einen erhöhten Stresspegel oder Kopfschmerzen. In der Folge leiden die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis. Meist erreichen die Patienten nicht mehr die Tiefschlafphase, so dass sie keine Erholung im Schlaf finden. Die Gründe für Schlafstörungen sind vielseitig. Bei einer leichten Form ist häufig Stress die Ursache. Unverarbeitete Konflikte, Alkohol- oder Nikotinkonsum sowie Medikamentenmissbrauch wirken sich ebenfalls negativ auf den Schlaf aus. Es kommen aber auch körperliche oder psychische Erkrankungen als Auslöser in Frage. Besteht der Schlafmangel über einen längeren Zeitraum, kann er gravierende gesundheitliche Folgen haben. So stellt sich der Stoffwechsel um und es können Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Zudem zählen Depressionen zu den möglichen Folgen von chronischem Schlafmangel.

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Forscher der Universität Salzburg haben nun eine Methode entwickelt, die ohne Medikamente auskommt. Denn Schlafmittel haben oft unangenehme Nebenwirkungen wie Abhängigkeit, Gewöhnungseffekte und Gedächtnisstörungen. „Menschen mit Schlaflosigkeit befinden sich in einem Zustand der Übererregung. Der Griff zur Tablette liegt nahe", erläutert Schabus. „Medikamente dämpfen häufig einfach die nächtlichen Gehirnaktivitäten und somit auch hilfreiche Funktionen wie die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten, also das nächtliche Einmeißeln von Informationen, sodass tags darauf der Abruf leichter fällt.“

Patienten mit leichten Schlafstörungen können lernen, ihre Gehirnströme zu steuern
Die Forscher um Schabus setzen bei den Patienten eine Methode des Neurofeedbacks ein, bei dem die Gehirnströme über spezielle Elektroden auf der Kopfhaut gemessen und auf einem Monitor sichtbar werden. Über das EEG lernen die Betroffenen, ihre Gehirnwellen bewusst zu steuern. Dabei werden die Schlafmuster von sogenannten Schlafspindel genutzt, die durch ein rasches Auf und Ab der Hirnstromaktivität gekennzeichnet sind. Sie treten besonders häufig im Leichtschlafstadium auf. „Durch das Training gelang es uns, bei 16 von 24 leicht beeinträchtigten Patientinnen und Patienten den sensomotorischen Rhythmus im Wachzustand und die Schlafspindeln zu verstärken. Jene, die gut auf das Training ansprachen, wiesen eine verbesserte Schlafqualität auf", so Schabus.

Die Patienten absolvierten zehn Lerneinheiten, in denen sie ihren individuellen sensomotorischen Rhythmus auf dem Monitor beobachten und gezielt steuerten. Die Forscher wiesen sie an, eine Kompassnadel auf dem Bildschirm mittels der Kraft von mentaler Entspannung auf einen grünen Punkt zu lenken.

Die Forscher stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass sich durch die Methode Gedächtnisinhalte beim Lernen und Abrufen von 80 Wortpaaren bei den Teilnehmern festigten und sich die subjektive Schlafqualität verbesserte. Diese positiven Effekte wurden jedoch nur bei Patienten mit leichten Schlafstörungen beobachtet. Bei andauernder oder stärker ausgeprägter Schlaflosigkeit hatte die Methode des Neurofeedbacks keine Wirkung auf den Schlaf oder das Gedächtnis. (ag)

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