Geistesblitze selbst erzeugen: Auf Knopfdruck kreatives Denken

Geistesblitze und gute Ideen können wie auf Knopfdruck selbst erzeugt werden. Bild: kei907 - fotolia
Alfred Domke
Es läuft nichts mehr, keine Idee, keine Kreativität. Nicht nur Berufstätige bemerken eine solche Leere, sondern auch Schriftsteller. Bei ihnen nennt sich dieses Phänomen „Schreibblockade“. Zum Glück gibt es einfache Tricks, die dabei helfen, die Leere zu überwinden. Ein Geistesblitz kann nämlich selbst produziert werden!
Wenn trotz wichtigem Projekt gähnende Leere im Kopf herrscht
Wenn der Chef für ein wichtiges Projekt dringend neue Ideen auf dem Tisch haben will, im Kopf aber Flaute herrscht, stehen Arbeitnehmer unter enormen Druck. Dem Gehirn fällt es mitunter sehr schwer, die gewohnten Trampelpfade zu verlassen. Helfen könnte womöglich Bewegung. US-amerikanische Forscher fanden schon vor Jahren heraus: Gehen fördert das kreative Denken. Andere Wissenschaftler berichteten sogar, wo dies am besten passieren soll: Demnach lassen sich im Wald Probleme leichter lösen. Angestellte können aber nicht ständig zum Spaziergang aufbrechen, wenn der Boss schnelle Ergebnisse sehen will.

Geistesblitze und gute Ideen können wie auf Knopfdruck selbst erzeugt werden. Bild: kei907 - fotolia
Geistesblitze und gute Ideen können wie auf Knopfdruck selbst erzeugt werden. Bild: kei907 – fotolia

Experten haben Tipps parat, wie man gegen das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf ankommt. Innovationstrainer nutzen demnach gezielte Brainstorming-Strategien mit dem Ziel, querzudenken, neue Wege zu beschreiten und sich auch mal von ganz Ungewohntem inspirieren zu lassen. In der Agenturmeldung sind sieben Methoden aufgelistet, die Arbeitnehmer gleich ausprobieren können:

Geistesblitz durch das „Klassentreffen“
Wenn ein neues Konzept, eine neue Arbeitsmethode oder Außenpräsentation gesucht ist, bietet sich „Das Klassentreffen“ an. „Dann begeben Sie sich bewusst in eine fremde Branche, um nachzusehen, wie dort gearbeitet wird“, rät Peter Pakulat, Innovationscoach und Kreativitätsexperte aus Hamburg. In seinem Seminaren schickt Pakulat beispielsweise Restaurantbetreiber, die sich Verbesserungen für ihr Lokal wünschen, in Krankenhäuser, Strafvollzugsanstalten oder auf Kreuzfahrtschiffe. Ziel dabei ist, die Eindrücke ohne Bewertung aufzunehmen und sich komplett auf die andere Welt einzulassen. Im Anschluss daran werden die Eindrücke analysiert. „Dabei findet man dann oft ganz neue Inspirationen für die eigene Arbeit und Geschäftsentwicklung.“

Problem von hinten aufrollen
Bei einer weiteren Methode wird das Problem von hinten aufgerollt: Wer bei der Suche nach Möglichkeiten zur Verbesserung nicht fündig wird, kann sich überlegen, was die Lage verschlechtern würde. „Bei der Kopfstand-Methode dreht man den Spieß um und sucht nach Worst-Case-Szenarien“, erläutert Benno von Aerssen, Kreativtrainer und Querdenker aus Weeze. Wie die dpa dazu schreibt, ist der Trick dahinter, dass es dem Gehirn leichter fällt, negativ zu denken, und so kommt eine ganze Menge Input zusammen. „Diesen dreht man dann wieder ins Positive und bekommt so viele Inspirationen dafür, wie das Projekt richtig gut gelingen kann.“

Tolle und ungewöhnliche Ideen
Petra Hennrich, Kreativcoach und Fachbuchautorin aus Wien erklärt weiter, dass man bei der semantischen Intuition nach dem Zufallsprinzip Begriffe miteinander verbindet, um daraus neue Ideen zu gewinnen. Im ersten Schritt formuliert man das Thema, für das neue Ideen gefragt sind. Im Schritt Zwei werden auf kleinen Zetteln alle Begriffe und Gedanken notiert, die einem dazu einfallen. Dann werden die Zettel gemischt und immer zwei paarweise herausgezogen. „Verbinden Sie diese Gedanken und Begriffe miteinander. Betrachten Sie, was sich daraus entwickelt, spielen Sie gedanklich damit.“ Dabei könnten besonders Wortpaare, die vermeintlich gar nichts miteinander zu tun haben, tolle und ungewöhnliche Ideen hervorbringen.

Brainwriting Pool
Benno von Aerssen hat einen weiteren Tipp: Für Team-Brainstormings empfiehlt er den runden Tisch. Dabei setzen sich alle im Kreis zusammen, auf dem Tisch befindet sich ein Stapel Karteikarten. Jeder Beteiligte nimmt sich eine Karte und schreibt eine Idee für das gewünschte Projekt auf. Anschließend wird die Karte nach links weitergeben. „Nun kann jeder entscheiden, ob er was dazu ergänzen möchte oder nicht.“ Die Karteikarten wandern so lange reihum bis sie wieder beim Anfangspunkt angekommen sind. Der Vorteil dieser Methode wird darin gesehen, dass es introvertierteren Kollegen leichter fällt, Ideen einzubringen und die Hierarchie durch die Anonymität der Notizen ausgeschaltet wird.

Mit Veränderungen spielen
Ein Spiel mit Veränderung ist ein weiterer Weg, der zum Geistesblitz führen kann. Grundsätzlich gilt, dass immer die Dinge innovativ sind, die sich von der Masse abheben und anders sind. Pakulat empfiehlt, sich das Produkt oder das Projekt mal ganz anders vorzustellen, um bei der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen voranzukommen. „Rücken Sie mal alles in einen anderen Kontext, spielen Sie mit der Veränderung.“ Dabei stellt man sich Fragen wie, ob man die Eigenschaften des Produkts – zum Beispiel Klang, Geruch, Farbe oder Form – verändern kann? Oder ob man es umstellen, es in einer anderen Reihenfolge aufbauen kann? Ist es möglich, es komplett anders zu verwenden, zu verkleinern, zu vergrößern? Womit würde das Produkt sofort auffallen?

30 Begriffe innerhalb einer Minute
Die Buchautorin Petra Hennrich rät zur Methode Tempo 30, wenn im kreativen Prozess mal gar nichts mehr geht oder der Einstieg schwerfällt. Dabei wird ein beliebiges „Schrottwort“, das nichts mit dem Thema zu tun hat, auf einem Zettel notiert. Dann werden genau eine Minute lang alle Begriffe – es sollten möglichst 30 Stück sein – aufgeschrieben, die einem zu diesem Wort einfallen. Wie die Nachrichtenagentur dpa dazu berichtet, wird bei geistigen Leerläufen das Schrottwort selbst erneut aufgeschrieben. Der Trick hinter dieser Methode ist, dass das Unterbewusstsein durch das unermüdliche Schreiben aktiviert und die Gedankensperre aufgelöst wird.

„Gehirn für ungewöhnliche Ideen getriggert“
Als siebte und letzte Methode führt die Agentur die Reizbild-Technik an. Bei dieser werden Bilder aus Zeitschriften oder einem alten Memory-Spiel genutzt, die mit dem eigentlichen Problem möglichst wenig zu tun haben, beispielsweise ein Glas Orangensaft oder eine Pflanze. Es gilt, sich Gedanken über das Bild zu machen, etwa, was ich sehe oder was ich dabei fühle? Und ob sich diese Assoziationen irgendwie auf das eigene Problem beziehen lassen? „Auf diese Weise wird das Gehirn für ungewöhnliche Ideen getriggert“, so Aerssen. (ad)

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