Gelenkschmerzen besonders im Winter – Was man dagegen tun kann

Alfred Domke

Rheuma und Arthrose: Im Winter schmerzen Gelenke besonders stark

Menschen, die an Rheuma und Arthrose leiden, haben bei Kälte besonders starke Beschwerden. Dennoch sollten sich Betroffene im Winter nicht schonen. Bewegung ist eine Möglichkeit, die gegen die Schmerzen in den Gelenken helfen kann. Doch auch auf die richtige Ernährung sollte man achten.


Menschen mit Gelenkerkrankungen leiden im Winter mehr

Unter dem Oberbegriff „Rheuma“ sind mehrere Hundert Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammengefasst, die sich teils sehr ähnlich sind. Eine davon ist Arthrose. Diese gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Gerade jetzt im Winter leiden Betroffene oft besonders stark. Viele Patienten schonen sich daher in der kalten Jahreszeit. Doch damit tun sie sich keinen Gefallen. Denn nur durch regelmäßige Bewegung bleiben die Gelenke gut „geschmiert“.

Menschen mit Rheuma und Arthrose haben bei Kälte besonders starke Beschwerden. Schonen sollten sie sich in der kalten Jahreszeit aber nicht. Denn nur durch regelmäßige Bewegung bleiben die Gelenke gut „geschmiert“. (Bild: artstudio_pro/fotolia.com)

Beschwerden bei Kälte oft schlimmer

In der kalten und nassen Jahreszeit schmerzen die Gelenke von Patienten mit entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthrose- und Rheuma sehr häufig. Knie-, Wirbelsäulen- und Halluxschmerzen werden bei Kälte ebenfalls oft schlimmer.

Auch grippale Infekte können entsprechende Beschwerden mit sich bringen. Wie stark sich die Schmerzen äußern, unterscheidet sich von Patient zu Patient.

„Die Skala reicht von leichten, ziehenden bis hin zu akuten, massiven Schmerzen“, erläutert der Orthopäde Prim. Dr. Manfred Kuschnig vom Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt (Österreich) in einer Mitteilung.

Verspannte Muskulatur als Auslöser

„Ein Hauptgrund für verstärkte Gelenkschmerzen in der kalten Jahreszeit ist die Tatsache, dass sich die Leute bei Kälte nicht entspannt bewegen“, so der Medizinische Direktor und Vorstand der Abteilung für Orthopädie und orthopädische Chirurgie am Elisabethinen-Krankenhaus Klagenfurt.

„Dadurch ist die Muskulatur angespannter als sonst. Die Durchblutung wird ebenfalls vermindert, der Druck auf die Gelenke verstärkt sich und das führt zu dumpfen Schmerzen.“

Verspannungsschmerzen im Rücken entstehen bei Kälte vor allem durch eine falsche Körperhaltung. „Wer friert, zieht die Schultern zusammen und der Rücken wird leicht bucklig. Passiert das häufiger, reagieren die Muskeln“, erklärt der Mediziner.

Auch bei Kälte aktiv bleiben

Bei vielen Betroffenen führen die Schmerzen im Winter zu einem ausgeprägten Schonungsverhalten.

„Doch damit wählen sie den falschen Weg, denn Gelenke leben von Bewegung“, so Kuschnig. Wenn Gelenke nicht bewegt werden, produzieren sie weniger Gelenkflüssigkeit, und der Schmerz verschlimmert sich.

Regelmäßige Bewegung sorgt für eine bessere Durchblutung der Gelenke und reduziert so den Reibungsschmerz.

„Bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose ist eine gut trainierte Muskulatur besonders wichtig“, sagt der Facharzt.

Daher sollten Betroffene auch bei Kälte nicht auf Spaziergänge verzichten. Vor allem die betroffenen Stellen sollten regelmäßig bewegt werden.

Laut Gesundheitsexperten können Radeln oder Schwimmen bei Gelenkerkrankungen lindernd wirken.

Auch andere gelenkschonende Sportarten wie Aqua-Jogging, Wassergymnastik, Nordic Walking oder Wandern helfen vielen Betroffenen, doch nicht jeder Sport ist für alle Arten von Arthrose geeignet.

Patienten sollten daher am besten mit ihrem Arzt oder einem Physiotherapeuten darüber sprechen, welche Sportarten sinnvoll sind.

„Ich rate zu Winterspaziergängen auf sicheren Wegen, und halten Sie bei dieser Witterung Ihre Gelenke stets warm“, so Kuschnig.

Anhaltende Schmerzen unbedingt abklären lassen

Anhaltende Gelenkschmerzen im Winter, die sich nicht auf bereits bekannte Erkrankungen zurückführen lassen, sollte man von einem Orthopäden abklären lassen.

Im Patientengespräch, mit Röntgen- oder MRT-Aufnahmen und gegebenenfalls Blutuntersuchungen geht der Arzt der Ursache auf den Grund und leitet bei Bedarf eine entsprechende Behandlung ein.

So lässt sich einem weiteren Fortschreiten der Beschwerden frühzeitig vorbeugen.

So kommt man besser durch den Winter

Neben der regelmäßigen Bewegung gibt es noch weiteres, was Betroffenen wirklich hilft.

So kann die Naturheilkunde Arthrose-Schmerzen und Steifigkeit lindern. Zu nennen sind hier unter anderem Teufelskralle und Brennesselextrakt.

Zudem eignen sich bei Arthrose Behandlungsmöglichkeiten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), sowie Verfahren wie Akupunktur, Schröpfen oder Qi Gong.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Ernährung. Man sollte bei Arthrose kaum oder kein Fleisch und nur wenig Käse essen.

Vor allem auf Rind- und Schweinefleisch sollten Arthrose-Patienten möglichst verzichten, da das darin enthaltene tierische Fett die Arthrose-Symptome verschlimmert.

Wichtig ist auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Gerade im Winter vergessen wir häufig viel zu trinken, weil wir wenig schwitzen und dadurch weniger Durst verspüren.

Da Sonne und frische Luft eine wahre Wohltat für Körper und Seele sind, sollte jede Gelegenheit genutzt werden, ein paar Sonnenstrahlen zu tanken – das wirkt garantiert stimmungsaufhellend.

Unterkühlungen sollten jedoch vermieden werden, denn durch die Kälte wird das Immunsystem geschwächt. Der Grund: Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und die Zahl der Abwehrzellen sinkt.

Erkältungs- oder Grippeviren haben so leichtes Spiel. Um von Kopf bis Fuß warm zu bleiben, hilft nur eines: Mütze, Schal, Handschuhe und Winterstiefel anziehen, bevor es nach draußen geht. (ad)