Gemeinsame Mahlzeiten in der Familie fördern gesunde Ernährung von Kindern

Alfred Domke

Gesunde Ernährung von Kindern wird durch häufige Familienmahlzeiten gefördert

Immer mehr Kinder leiden an Adipositas. Schuld daran hat vor allem mangelnde Bewegung und eine ungesunde Ernährung mit zu viel Zucker. Doch wie schaffen es Eltern, dass sich ihr Nachwuchs gesünder ernährt? Ganz einfach: Indem die Mahlzeiten häufiger im Rahmen der Familie eingenommen werden. Das hat sich nun in einer Metaanalyse von fast 60 Studien gezeigt.


Immer mehr Kinder sind viel zu dick

Internationalen Untersuchungen zufolge ist die Zahl fettleibiger Kinder drastisch gestiegen. Auch in Deutschland leben immer mehr Übergewichtige. Adipositas kann eine Vielzahl an Erkrankungen nach sich ziehen. Um dem Problem zu begegnen, gilt es vor allem die Hauptrisikofaktoren für Übergewicht anzugehen: Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Doch wie kann man die Essgewohnheiten von Kindern positiv beeinflussen? Ganz einfach: Durch häufige Familienmahlzeiten.

Erfolgreiche Adipositasprävention fängt am Esstisch der Familie an. Denn häufige Familienmahlzeiten fördern eine gesündere Ernährung bei Kindern, wie sich in einer Studie zeigte. (Bild: pressmaster/fotolia.com)

Erfolgreiche Adipositasprävention fängt am Familien-Esstisch an

Gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie bieten ein enormes Lernpotenzial, denn Ernährungsgewohnheiten werden früh geformt und ausgebildet.

Kinder können dabei wiederholt mit gesundem Essen in Kontakt kommen und allgemein etwas über Ernährung und die Zubereitung von Speisen lernen.

Eine Metaanalyse von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Mannheim zeigt nun, dass häufige Familienmahlzeiten mit einem geringeren Body Mass Index (BMI) und gesünderer Ernährung bei Kindern zusammenhängen.

Dabei spielte es keine Rolle, in welchem Land die Studie durchgeführt wurde oder wie alt die Kinder waren. Es machte auch keinen Unterschied, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen gemeinsam gegessen wurde und ob nur ein Elternteil oder die ganze Familie mit am Tisch saß.

Schädlichen Essgewohnheiten entgegenwirken

„Die Kindheit bietet ein einzigartiges Zeitfenster, um schädlichen Gesundheits- und Essgewohnheiten entgegenzuwirken“, so Erstautorin Mattea Dallacker vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer Mitteilung.

„Eltern werden auch als sogenannte ‚Gatekeeper’, also Türsteher der Ernährung, bezeichnet. Sie haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, was, wie und wie viel Kinder essen. Familienmahlzeiten bieten eine vielfältige Lernumgebung, um eine gesunde Ernährungsweise bei Kindern zu fördern.“

Allerdings führen Familienmahlzeiten unter bestimmten Umständen nicht zwangsläufig zu einer gesünderen Ernährung.

Die Ursachen und Mechanismen, die hinter der Beziehung zwischen häufigen Familienmahlzeiten und besseren Ernährungsweisen stehen, müssen laut den Studienautoren noch verstanden werden.

„Die derzeitige Forschung deutet darauf hin, dass bei gemeinsamen Mahlzeiten nicht nur die Qualität des Essens, sondern auch psychologische und Verhaltensaspekte wichtig sind“, erklärt Co-Autorin Jutta Mata von der Universität Mannheim.

„Zum Beispiel könnten Mahlzeitroutinen wie etwa eine gute Mahlzeitatmosphäre oder ein positives elterliches Rollenvorbild die Ernährungsweise von Kindern verbessern.“

Indikatoren für gesunde und ungesunde Ernährung

Im Rahmen ihrer Metaanalyse werteten die Wissenschaftler insgesamt 57 Studien mit weltweit über 200.000 Probanden aus.

Den Angaben zufolge gingen in die Analyse Studien ein, die sich mit dem Zusammenhang von Familienmahlzeiten und dem Ernährungszustand von Kindern beschäftigen – gemessen am Body Mass Index (BMI), den Portionen an Obst und Gemüse pro Tag (als Indikator für gesunde Ernährung) sowie dem Konsum von gesüßten Getränken, Fast Food oder salzigen Snacks (als Indikator für ungesunde Ernährung).

Der Einfluss von Faktoren wie Alter, sozioökonomischer Status sowie Art der Familienmahlzeit und Anzahl der bei einer Mahlzeit anwesenden Familienmitglieder wurde ebenfalls untersucht.

„Vor dem Hintergrund, dass zunehmend beide Elternteile berufstätig sind, werden regelmäßige Familienmahlzeiten für viele Familien zur täglichen Herausforderung“, so Ralph Hertwig, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Co-Autor der Studie.

„Im Hinblick auf eine moderne Gesellschaft sind daher auch erste wissenschaftliche Befunde wichtig, die zeigen, dass familienähnliche Mahlzeiten, zum Beispiel in der Schule, sich ebenfalls positiv auf die Ernährung von Kindern auswirken. So zeigt eine Studie, dass auch Lehrer ein positives Rollenmodell während gemeinsamer Mahlzeiten mit Schülern darstellen können“, erläutert der Experte. (ad)