Gen-Food: Studie warnt vor unabschätzbaren Risiken von Gentechnik-Tieren

Genfood: Gesundheitsgefahren kaum überschaubar. Bild: artfocus - fotolia
Sebastian
Zwar sind gentechnisch veränderte Lebensmittel in Europa eher noch die Ausnahme, doch in den USA sind sie keine Seltenheit. Gen-Mais, Gen-Soja und Co kommen dort bei vielen Verbrauchern auf den Tisch. Nun darf in den USA auch gentechnisch veränderter Lachs verkauft werden. Kritiker warnen vor schwer kalkulierbaren Risiken.
Gen-Food in Europa nicht gern gesehen
In Europa steht der größte Teil der Bevölkerung sogenanntem Gen-Food skeptisch gegenüber. Auf der anderen Seite des Atlantiks sind gentechnisch veränderte Lebensmittel jedoch längst keine Seltenheit mehr. Dies nimmt teilweise skurrile Ausmaße an. So wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise über nicht-bräunende Gentech-Äpfel in den USA berichtet oder auch über manipulierte rosa Ananas und lila Tomaten, die der Gesundheit dienen sollen. Gentechnisch veränderte Pflanzen sind aber noch gar nicht das Ende der Entwicklung. In den USA dürfen nun auch Gentechnik-Tiere zum Verzehr verkauft werden. Experten warnen vor unkalkulierbaren Risiken.

Genfood: Gesundheitsgefahren kaum überschaubar. Bild: artfocus - fotolia
Genfood: Gesundheitsgefahren kaum überschaubar. Bild: artfocus – fotolia

Risiko für Menschen und Tiere
Einer neuen Untersuchung zufolge sind gentechnisch manipulierte Nutztiere ein Risiko für Menschen, Tiere und Umwelt. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, heißt es in der Studie, die der Agentur vorliegt: „Der Einsatz der Technologien wäre ein Albtraum für Lebensmittelwirtschaft und Verbraucher, weil sich die Risiken auch bei sorgfältiger Prüfung nicht ausschließen lassen.“ In Auftrag gegeben wurde die Arbeit von der Grünen-Bundestagsfraktion. Die Studie,die unter dem Namen „Gentechnik-Tiere: Risiko für Mensch und Umwelt“ erstellt wurde, zieht eine Parallele zur Atomenergie, bei der es von Anfang an das immer noch ungelöste Problem mit der Entsorgung gegeben habe. Auch „bei der Gentechnik an Tieren“ gibt es „das systemimmanente Problem einer überproportionalen Zunahme von schwer abschätzbaren Risiken“. Wie Verfasser des Instituts für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie, Test Biotech, erläuterten, habe die Risikoprüfung durch die Behörden lediglich eine „Alibi-Funktion“.

Folgen für die biologische Vielfalt
Den Autoren zufolge gebe es derzeit von mehreren Unternehmen eine regelrechte Kampagne zur Einführung von Tieren in der Landwirtschaft, die mit neuen gentechnischen Verfahren manipuliert werden. Doch schon die Ziele einzelner Patente seien „fragwürdig“. Beispielsweise komme es bei der gentechnischen Veränderung von Kuhmilch zu ungewollten Veränderungen aller Milchbestandteile. Und Schweine, die durch gentechnische Veränderungen resistent gegen bestimmte Viren würden, könnten womöglich zu Überträgern dieser Erreger werden. Bei Insekten, die gentechnisch verändert wurden, sei die Verbreitung des künstlichen Erbguts durch Kreuzung mit der normalen Population sogar das erklärte Ziel der Freisetzung. So wurde etwa vor Jahren bekannt, dass in Brasilien ein Versuch gestartet wurde, bei dem man mit gentechnisch veränderten Mücken die Verbreitung von Dengue-Fieber verhindern wollte. In der Studie wird kritisiert, dass sich einzelne Länder gegen solche Maßnahmen dann gar nicht mehr wehren könnten. Für die biologische Vielfalt seien die langfristigen Folgen „weder abschätzbar“, noch seien die Tiere „rückholbar“.

Experte fordert Regierung zum Handeln auf
„Gentech-Tiere sind noch einmal eine ganz andere Dimension als Pflanzen wie Genmais“, sagte der Gentechnik-Experte der Grünen-Fraktion, Harald Ebner, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er erklärte, dass deren Ausbreitung „noch viel weniger kontrollierbar“ sei und derartige „verantwortungslose Experimente“ nicht zugelassen werden dürften. Ebner meinte, die Bundesregierung müsse dafür sorge, „dass es in der EU auch künftig keine Zulassung für Gentech-Tiere geben wird“. Auch mit Blick auf die Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada forderte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn (Grüne), Regeln zum Schutz von Mensch und Umwelt. „Sonst haben wir am Ende Gentech-Produkte auf dem Markt und in der Natur, die möglicherweise an allen Prüfverfahren vorbei geschleust wurden und sich im Fall von Problemen nicht mehr zurückholen lassen“, sagte Höhn der AFP.

Erstmals gentechnisch verändertes Tierprodukt zugelassen
Im November letzten Jahres hatte die US-Lebensmittelbehörde FDA erstmals ein gentechnisch verändertes Tierprodukt zugelassen. Laut AFP erlaubte sie den Verkauf von atlantischen Lachsen, die für ein schnelleres Wachstum mit Genen pazifischer Lachse behandelt werden. In der aktuellen Studie werden nun die Argumente der Gentech-Firmen in Frage gestellt, die auf den Schutz vor Krankheiten und Allergien und die Sicherung der Welternährung verwiesen. In der Untersuchung heißt es, die Firmen wollten die Tierzucht in ihrem Sinne umgestalten und ihre patent-geschützten Tiere verkaufen. Dies sei für Landwirte und mittelständische Züchter existenzbedrohend. Gleichzeitig drohe dadurch eine Ausweitung der industriellen Massentierhaltung.(ad)

Advertising