Gen-Test kann Risiko eines Brustkrebs-Todesfalls vorhersagen

Alexander Stindt
Neuer Test erspart vielen Frauen eine übermäßig aggressive Behandlung
Forscher haben jetzt einen molekularen Test für Frauen mit Brustkrebs entwickelt, welcher das Risiko eines vorzeitigen Todes vorhersagen kann, sogar 20 Jahre nach der Diagnose und der anschließenden Tumorentfernung. Infolgedessen könnten betroffene Patientinnen weniger aggressiv behandelt werden.

Die Wissenschaftler der University of California stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass ein molekularer Test in der Lage ist vorherzusagen, welche Patientinnen mit Brustkrebs ein sehr geringes Risiko haben, an ihrer Erkrankung zu versterben. Diese Vorhersage ist zuverlässig für einen Zeitraum von bis zu zwanzig Jahren. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Oncology“.

Brustkrebs bedroht die Gesundheit und das Leben vieler Frauen weltweit. Forscher entwickelten jetzt einen Gen-Test, welcher vorhersagen kann, ob erkrankte Frauen innerhalb der nächsten zwanzig Jahre an wieder auftretendem Brustkrebs versterben. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Test kann Überbehandlung vermeiden und Frauen toxische Effekte ersparen
Der aktuelle Test kann bis zu zwanzig Jahre nach einer Brustkrebs-Diagnose und einer anschließenden Tumorentfernung die Wahrscheinlichkeit für einen Tod durch Brustkrebs vorhersagen, sagen die Forscher. Dadurch können Patientinnen mit einem geringen Risiko weniger aggressiv behandelt werden und eine sogenannte Überbehandlung werde vermieden. So entstehen auch weniger negative toxische Effekte, erläutern die Experten. Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiger Schritt für eine individuelle Pflege von Frauen mit Brustkrebs, erklärt die Autorin Dr. Laura Esserman von der University of California.

Test soll Patientinnen mit geringem Risiko identifizieren
Durch den neuen Test können wir Frauen mit einem geringen Risiko für einen Tod durch Brustkrebs die aggressiven Behandlungen (beispielsweise Bestrahlung) ersparen, erläutern die Wissenschaftler. Es sei möglich, denTest zum Zeitpunkt der Diagnose durchzuführen, um dadurch Patienten mit Tumoren mit sehr geringen Risiko zu identifizieren. Etwa 20 bis 25 Prozent der heutzutage diagnostizierten Tumore fallen in diese Kategorie, sagt Dr. Esserman.

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Kann ein Gen-Test die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu versterben vorhersagen?
Die Forscher versuchten bei ihrer aktuellen Untersuchung zu bestimmen, ob ein sogenannter 70-Gene-Test die Tumore mit indolentem oder langsam wachsendem Verhalten genau und zuverlässig identifizieren kann. Der Test sollte dann dazu verwendet werden, um das Risiko eine Todes durch Krebs bis zwanzig Jahre nach der Diagnose zu beurteilen, sagen die Experten. Der gleiche Test habe im vergangenen Jahr bereits gezeigt, dass er es bei fast der Hälfte der Brustkrebspatientinnen im frühen Stadium ermögliche, die Chemotherapie auf der Grundlage des biologischen Zusammensetzung ihrer Tumore zu überspringen, fügen die Autoren hinzu.

Test soll das langfristige Risiko für einen Tod durch Brustkrebs vorhersagen
Der sogenannte MammaPrint-Test untersucht die Signatur von 70 Genen, um vorherzusagen, ob Brustkrebspatientinnen wieder Krebs entwickeln werden, sagen die Forscher. Bei der aktuellen Analyse versuchten die Mediziner festzustellen, ob sie das Risiko an Brustkrebs zu versterben über einen Zeitraum von zwanzig Jahren vorhersagen können, wenn die Betroffenen fast kein Risiko für metastatische Fortschritte haben.

Mediziner untersuchten knapp 1.800 Frauen
Insgesamt wurden 1.780 Lymphknoten-negative Patientinnen mit Tumoren von etwa drei Zentimeter im Durchmesser untersucht. Die Patientinnen wurden auf zwei unterschiedliche Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt eine sogenannte adjuvante Therapie, welche die wiederkehrende Bildung von Tumoren unterdrücken sollte. Die andere Gruppe diente als Kontrollgruppe. Allen teilnehmenden Frauen wurden ihre Tumore chirurgisch entfernt.

Wissenschaftler erstellen medizinisches Profil von 652 Frauen
Die Forscher nutzten anschließend das entfernte Gewebe, um von insgesamt 652 Frauen ein Profil zu erstellen, von denen 311 Frauen Tamoxifen erhalten hatten und sich 339 Teilnehmerinnen überhaupt keiner Therapie unterzogen. Die Mehrheit dieser Frauen (79 Prozent) hatte Mastektomien und eine Lymphknotenentfernung hinter sich, fügen die Mediziner hinzu.

Gen-Test arbeitete zuverlässig und fand 98 Frauen mit einem sehr geringen Risiko
Der aktuelle Test klassifizierte 42 Prozent der Teilnehmerinnen als Hochrisikopatienten. 58 Prozent der Frauen wurden einem geringen Risiko zugeordnet, sagen die Forscher. Patientinnen mit einem geringen Risiko hatten nach fünf Jahren eine 95-prozentige Überlebensrate. Viele verstarben allerdings später an ihrer Krankheit, sagen die Experten. Der Test klassifizierte 15 Prozent (98 Frauen) der Fälle als Patientinnen mit einem sehr niedrigen Risiko. Solche Frauen hatten eine ausgezeichnete Prognose, egal ob sie seit zwei Jahren Tamoxifen verwendeten oder nicht, erklären die Wissenschaftler. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Gen-Test in Zukunft Ärzten und Patientinnen dabei zu helfen könnte, den weiteren Behandlungsverlauf festzulegen. (as)